Gedanke

Unser Familienname – wählen wir ihn?

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Letzte Überarbeitung am 10. November 2016

Vor mittlerweile zwei Monaten fragte EmKa, was denn Frauenthemen seien? Seit dem möchte ich ihr darauf antworten und es gibt mehrere Themen, die ich als „Frauenthemen“ definieren würde. Sie haben aber alle eines gemeinsam: Einfach mal so drüber schreiben? Ist nicht!

Zu viel steckt dahinter. Zu viele Informationen, die ich gerne vermitteln würde. Zu viele Sichtweisen, die berücksichtigt werden müssten. Auch zu viel Angriffsfläche, die ich mit diesen Themen bieten könnte, wenn ich schlusig arbeite und nachher falsche Behauptungen aufstelle. Ein bisschen war ich zu feige, die Thematik anzugehen. Muss ich zugeben. Andererseits brennt es mir unter den Nägeln über Frauenthemen zu schreiben. Über Feminismus, über Solidarität unter Frauen und über Emanzipation.

Bei der Recherche für meine Bachelorarbeit bin ich über einige Tatsachen gestolpert, die mich ziemlich erstaunt haben. Dinge, die ich nicht wusste oder so nicht erwartet hätte.

Für mich persönlich war es zum Beispiel immer selbstverständlich, dass ich, sollte ich heiraten, die Möglichkeit habe meinen Namen zu behalten. Auch, wenn mein zukünftiger Mann meinen Namen nicht annehmen will. Als ich geboren wurde hatte ich dieses Recht aber noch gar nicht.

Vor 1957 war klar: Wenn geheiratet wird, dann wird auch der Nachname des Mannes zum neuen Familiennamen. Frau und mögliche Kinder nehmen also den Namen des Mannes an. Punkt. Keine Alternativen. Ab 1957 durften Frauen dann immerhin ihren Mädchennamen per Bindestrich zum neuen Familiennamen hinzufügen. Mädchenname ist übrigens so ein Wort, das es heutzutage eigentlich nicht mehr geben dürfte. Eine Frau wird schließlich nicht erst dann zur Frau, wenn sie heiratet. Dies impliziert der Begriff aber. Deswegen: Frauen durften ihren Geburtsnamen per Bindestrich hinzufügen. Getan haben dies sicherlich nur die sehr mutigen. 1976 war es dann soweit: Auch der Nachname der Frau durfte nach der Hochzeit als Familienname geführt werden. ABER: Wenn Frau und Mann sich nicht einig waren, dann hatte er das letzte Wort. So richtig gleichberechtigt waren die Geschlechter in der Namenswahl also immer noch nicht. Seit 1991 ist das anders. Im Jahr nach meiner Geburt kam der Umschwung, Männer und Frauen hatten die gleichen Möglichkeiten. Und sollten sie sich nicht einig werden vor der Hochzeit, dürfen sie auch beide einfach ihre Namen behalten (und haben dann noch fünf Jahre zeit, um sich doch noch zu einigen, wenn sie möchten). Beide dürfen ihren ursprünglichen Namen per Bindestrich dem Familiennamen hinzufügen.

Eine Diskussionswelle rollte durch Deutschland! Überall redeten Paare vor der Hochzeit darüber, welcher Name besser zu ihnen passte! Und alles wurde astrein statistisch erfasst!

Pustekuchen! Es gibt keine offiziellen Statistiken darüber, welchen Namen neue Ehepartner als Familiennamen wählen. Nichts! Und das in Deutschland. Hier gibt es für alles eine Statistik, nur nicht zu der Namenswahl. Und eine Diskussionswelle rollte auch nicht. Auf jeden Fall nicht, wenn man den inoffiziellen Umfragen zu dem Thema trauen darf. Eigentlich hat sich nichts geändert. 80% aller Paare wählen den Namen des Mannes, 5% den der Frau und die restlichen 15% behalten ihre Namen oder wählen Doppelnamen.

Und? Ist doch nur ein Name. Warum sich darüber aufregen? Und außerdem: Traditionen soll man pflegen. Und es heiraten sowieso immer weniger Paare.

Vielleicht weniger, aber nicht wenige:

Statistik: Anzahl der Eheschließungen in Deutschland von 2003 bis 2013 | Statista
Wie viele der 373.660 Paare von 2013 wohl überhaupt darüber nachgedacht haben ihren Namen zu wählen? Wahrscheinlich war es die Minderheit. Dabei sind Namen Identität! Unsere Namen prägen, wer wir sind. Nicht umsonst sagen viele Menschen statt: „Ich heiße …“ lieber „Ich bin …“. Und diese Identität ohne auch nur drüber nachzudenken aufgeben? Sobald man als Frau heiratet in ein völlig neues Leben passen? Sich anpassen, sich einpassen, sich einfügen. Möglichst ohne anzuecken? Seiner Familie gefallen? EnkelInnen gebären und auch ansonsten eine Hausfrau und Mutter sein, die ihn unterstützt und sein und das Wohl der Familie über das eigene stellt?

Sicherlich für viele, immer noch, der Lebenstraum. Und das ist gut, wenn man es wirklich möchte. Aber es gibt anscheinend so viele emanzipierte, selbstbewusste und fest im eigenen Leben stehende Frauen, die bei der Namenswahl nicht mal auf die Idee kommen auch hier „ihren Mann“ zu stehen. Oder klein bei geben. Die perfekte Zukunft mit dem Mann der Träume soll nicht durch so eine unwichtige Streitigkeit getrübt werden…

Ja, ich habe jetzt ein bisschen (sehr) pauschalisiert. Es gibt sicherlich auch Paare, die es sich sehr gut überlegt haben seinen Namen zu wählen. Bei denen es triftige Gründe gab. Ich glaube aber nicht, dass es die Mehrheit war.

Für mich persönlich ist der Name wichtig. Ist die Entscheidungsfindung, die Wahl des gemeinsamen Familiennamens oder die bewusste Entscheidung für das behalten der eigenen Namen, ein Zeichen dafür, wie voll mein Partner mich als Person nimmt. Dabei kommt es gar nicht so sehr darauf an, welche Option im Endeffekt gewählt wird, sondern es geht mir um die ernsthafte und ernst genommene Unterhaltung über die Möglichkeiten. Über die Wahl der Identität als Ehepaar. Wer wollen wir sein? Müller oder Meier? Oder Müller und Müller-Meier? Oder Meier und Meier-Müller? Oder gar weiterhin Müller und Meier?

Momentan kann ich es mir nicht vorstellen meinen Namen abzulegen. Aber man soll niemals nie sagen. Vielleicht kommen auch bei mir mit Ende 20 irgendwelche Hormone hoch die mich unbedingt heiraten lassen wollen. Ich weiß es jetzt nicht, aber ich kann es mir nicht vorstellen.

Und jetzt würde ich gerne von euch wissen: Welcher Name? Egal, ob ihr die Wahl schon getroffen habt und verheiratet seid oder kurz davor steht oder eine Hochzeit sich in der Zukunft noch nicht mal abzeichnet. Warum ihr euch wie entschieden habt, könnt ihr mir bitte in den Kommentaren mitteilen. Ich bin riesig gespannt auf eure Begründungen.

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Quellen und weitere Texte zum Thema:

– http://www.emma.de/artikel/aus-liebe-ministerin-koehler-ist-zurueckgetreten-265036

– http://www.sueddeutsche.de/leben/namenswahl-nach-der-heirat-bekenntnis-zum-mann-1.79245

– http://kleinerdrei.org/2013/08/nicht-nur-schall-und-rauch/

– http://www.familienrecht-ratgeber.de/familienrecht/eherecht/content_02_01.html

28 Kommentare

    • Oh, ja. Das habe Ich vergessen extra zu erwähnen. Ob und wie es in der DDR möglich war weiß ich nicht. Da werde ich mich nochmal informieren.

  • Ich habe übrigens den Namen meines Mannes angenommen, weil außer meinem Vater, zu dem ich kein sehr enges Verhältnis habe, niemand mehr meinen Nachnamen hatte und das Verhältnis meines Mannes zu seiner Familie sehr eng ist. Wäre es andersrum gewesen, hätte er meinen Namen angenommen.

  • Also ich werde wahrscheinlich den Namen meines Freundes annehmen. Einfach weil ich keinen der Namen meiner Eltern (haben beide ihren Geburtsnamen) annehmen bzw beibehalten möchte, wenn ich mal anfange, eine Familie zu gründen. Wenn es möglich wäre, würde ich aber auch lieber nicht den Namen meines Freundes annehmen, einfach, weil ich mich mit seiner Familie auch nicht so wirklich identifiziere. Aber dass man einen neuen Namen bekommt, geht leider noch nicht…

    Ansonsten finde ich schon, dass man in einer Familie den gleichen Namen haben sollte. Wessen Name das letztendlich ist, sei dahingestellt, auch ein Doppelname wäre möglich, das stelle ich mir allerdings für die Kinder (vor allem wenn diese dann auch mal heiraten und ggf Doppelnamen haben wollten) sehr blöd vor. (auch wenn ich glaube, dass man einen Doppelnamen nicht noch weiter erweitern kann, aber da bin ich mir jetzt auch nicht sicher)

    Auf jeden Fall ein interessantes Thema.

    Liebe Grüße,
    Charly 🙂

    • Es ist interessant, dass du dich mit deinem Geburtsnamen anscheinend nicht identifizierst. Dabei trägst du ihn doch schon einige Jahre 😉
      Und stimmt, einen neuen Namen kann man sich nicht aussuchen.

      Und einen Doppelnamen kann man übrigens nicht an die Kinder weitergeben. Der Geburtsname der Kinder muss aus einem Teil des Doppelnamens bestehen. Auch bei allen Kindern der gleiche. Es geht also nicht Kind 1 nach der Mutter und Kind 2 nach dem Vater zu benennen.

  • Ich finde das eine richtig spannende Diskussion. Grundsätzlich wäre ich froh, um einen etwas kürzeren Namen – aber andererseits identifiziere ich mich schon auch mit meinem eigenen Nachnamen.
    Seit Anfang des Jahres kann man in der Schweiz keine Doppelnamen mehr annehmen – dabei fand ich das eigentlich eine gute Idee (wenn der Name nicht so unglaublich lange ist 😉 ).
    Ich bin froh, dass ich mir darum noch keine Gedanken machen muss.
    Liebe Grüsse
    Ariana

    • Hallo Ariana,
      du bist ein gutes Beispiel (aus meiner Sicht) für eine Frau die ihren Namen behalten sollte 😉 Du bist ja auch hier im Internet mit vollem Namen unterwegs und wenn du deinen Nachnamen wechseln solltest, könnte das zu einiger Verwirrung führen. Denn der Name ist zwar lang, aber bleibt auch im Gedächtnis haften.

  • Hey,

    Das Thema hatte ich mit meinem Freund auch schon mal (auch wenn wir noch weit entfernt von einer Hochzeit sind). Er ist der festen Überzeugung, dass die Frau den Namen des Mannes annehmen sollte. Ich bin der Meinung, dass sich da jedes Paar individuell einigen muss. Meine Patentante z.B. hat einen Iraner geheiratet. Beide waren da Medizinstudenten und er hat ihren typisch deutschen Namen angenommen, damit er seriöser als Arzt wirkt (sein iranischer Nachname klang nach westlichen Vorstellungen ziemlich lächerlich).
    Ich persönlich habe kein Problem damit, meinen Namen irgendwann abzulegen. Aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich einen Allerweltsnamen habe, dem ich ziemlich neutral gegenüber stehe. Sollte es mit meinem jetzigen Freund also zu einer Hochzeit kommen, würde ich vermutlich seinen Namen annehmen. Sein Name klingt recht schön und ist definitiv individueller als meiner, außerdem habe ich von uns beiden das deutlich geringere Problem damit.

    LG, frischundknackig

    • Hey,

      und hat dein Freund diese Meinung begründet, oder ist das halt einfach so, weil war schon immer so?
      Wenn er diese Einstellung hat, hat er ja Glück, dass du nicht an deinem Namen hängst. Bzw. wäre es echt mal interessant, wie euer Gespräch wohl abgelaufen wäre, wenn du halt keinen Allerweltsnamen hättest, er aber 😉 Aber was wäre wenn Szenarien sind halt nur Hirngespinste.
      LG Lexa

  • Oh wie schön, dass du mein Thema aufgegriffen hast.
    Und dann auch noch so interessant!!
    Ich würde gerne was dazu sagen, aber mich betrifft das Thema iwie kaum. Ich kann mir mich selbst als „verheiratet“ überhaupt null vorstellen. Darum habe ich mir da auch nie (persönliche) ernsthafte Gedanken über Nachnamen gemacht. Ich spiele aber iwie schon sehr lange mit meinem (Vor-)Namen rum: EmKa = M.K. und das sind die beiden Anfangsbuchstaben meiner beiden Vornamen. Eigentlich finde ich den zweiten „K-Namen“ absolut ätzend, aber manchmal schummelt er sich dann doch durch…
    …ob jetzt auch noch ein Nachnamenspiel dazu kommt, nun, damit könnte ich wohl umgehen. Aber das ist jetzt auch alles eher so dahin gelabert ohne konkrete Gedanken.

  • Ich bin in den 60-ern, als „Dreikäsehoch“, öfters als der „Stammhalter“ bezeichnet worden, eine eher unnötige Prägung, und auch eine Hypothek. Insofern war ich auch nicht frei bei der Entscheidung.
    Ansonsten finde ich, man sollte versuchen, den Namen zu wählen, der schöner klingt und die bessere(????- wenn das zu beurteilen ist?) Bedeutung hat.
    Bei vielen Namen ist die Bedeutung auch völlig unklar…

    Kann das sein, dass man (frau) nach der Scheidung den alten Namen zurückbekommen kann, aber nicht muss, sondern auch den des Partners behalten kann?

    • Ja, es ist sogar eher die Normalität, dass der „neue“ Name auch nach der Scheidung behalten wird. Mittlerweile kann der angeheiratete Name sogar mit in eine neue Ehe genommen werden. Wenn Frau Müller Herrn Meier heiratet und fortan Meier heißt und die Beiden sich scheiden lassen, dann bleibt sie Frau Meier. Nun heiratet Frau Meier einen Herrn Peters und Herr Peters kann den Namen Meier annehmen, wenn er möchte. Und auch nach der Scheidung behalten und an einen neuen Ehepartner weitergeben.

  • Oha, bei mir und meinem Freund auch ein schwieriges Thema. Beide wollen wir unseren Namen nicht ablegen. Ich bin allerdings noch guter Dinge, dass ich ihn bis zur Hochzeit in ein paar Jahren noch überzeuge 😉 Ich möchte einfach meinen Namen behalten, da ich seinen Nachnamen nicht schön finde und er mir zu lang ist. Außerdem mag ich meinen Familiennamen sehr. Es bleibt also spannend 😀

    • Wirklich spannend. Aber wenn du meinst du schaffst es dich durchzusetzen, das wäre ja toll. Jetzt hast du noch ein Argument: Ihr seit dann besonders und nicht solche Mitläufer wie die meisten anderen 😉 Außerdem gibt es die Möglichkeit ja noch gar nicht sooo lange, da sollte man sie doch auch nutzen.

  • Spannendes Thema. 🙂 Ich bin hier gerade über blogf gelandet und dachte, ich gebe auch meinen Senf hinzu. Aber bei der Abstimmung fehlt mir die Option: „Das muss jedes Paar selbst besprechen, das sollte nicht pauschal vorgegeben werden.“

    Bei mir lief es so: Ein Doppelname kam für uns beide nicht in Frage – das wäre viel zu lang geworden und wäre bei uns auch holprig auszusprechen. In der Theorie finde ich diese Lösung ja am nettesten, aber in der Praxis strengen mich einige Namenskombinationen doch ziemlich an, darum hätte ich das nur gemacht, wenn das Ergebnis hübsch geklungen hätte.
    Gleichzeitig wollte ich trotzdem quasi einen „Teamnamen“ – wenn schon heiraten, dann auch so, dass man das hinterher irgendwie erkennt. (Aber das ist persönlicher Geschmack.)
    Also was tun?
    Der Gatte versuchte es erst traditionell („Man nimmt ja eigentlich den Namen des Mannes“), hatte dann aber meiner Rückfrage („Und wieso ist es logischer, dass immer die Frau ihren Namen aufgibt?“) wenig entgegenzusetzen. Als er wiederum nach kurzer Überlegung ganz angetan von meinem Nachnamen war (und sich schon mal eine E-Mail-Adresse anlegte und herausfand, wo er seinen neuen Namen überall registrieren musste), war meine feministische Empörung verflogen und mir am Ende eigentlich egal, welcher Name es denn werden sollte – schön sind beide.
    Am Ende wurde es doch seiner, aber nach gleichwertiger Überlegung, nicht, weil „das eben so ist“. Schließlich war das Ergebnis: Ich nehme seinen Namen, er hört mit dem Rauchen auf. Und wir sind beide damit völlig zufrieden.

    Nach einem Jahr muss ich feststellen: Es hängt viel weniger Identität am Nachnamen, als ich gedacht hätte. (Wenn ich meinen Namen automatisch hätte aufgeben müssen, hätte das vermutlich anders ausgesehen.) Anstrengender sind die Reaktionen, die voraussetzen, ich hätte mich da einfach als braves Weib in mein Schicksal ergeben (denn die gibt es durchaus, nur stimmt es einfach nicht. Mein Mann hätte auch meinen Namen genommen und trotzdem wahrscheinlich das Rauchen gelassen. 😉 )

    In Großbritannien kann man seine Nachnamen auch einfach mischen, die Idee fand ich auch spannend.

    • Wenn ich die Option gegeben hätte, dann wären dort wahrscheinlich nahezu 100% gelandet, denn so ist es ja auch. Aber ich will ja eine klare Aussage provozieren, wohin die Tendenz geht 😉 Ist also Absicht, diese nicht vorhandene Option.

      Ich glaube auch, dass es für dich in der Umsetzung einen großen Unterschied gemacht hat, ob du dazu „gezwungen“ worden wärest deinen Namen abzulegen oder es so geschehen ist, wie es geschehen ist. Als freie Wahl und gut überlegt.
      Wobei man natürlich genauer untersuchen könnte, warum es im Endeffekt doch der Name deines Mannes geworden ist. Wenn er schon so angetan war von deinem Namen und der Tauschhandel mit dem Rauchen ja eigentlich auch kein Argument ist, da du ja sagst, da er das sowieso gelassen hätte.
      Vielleicht gibt es noch einen Grund den du nicht genannt hast hier, aber von außen wirkt es jetzt doch so, als ob ihr dann aus „Bequemlichkeit“ und „Gewohnheit“ doch lieber in alte Traditionen gerutscht seit anstatt etwas „Neues“ durchzuziehen und auch vor anderen dazu zu stehen.
      Verstehst du, was ich meine? Unbewusste Traditionsmuster haben gewirkt 😉

      Aber wenn es deine Entscheidung war und du jetzt glücklich damit bist, ist es ja super. Im Endeffekt kommt es ja auch nur darauf an, dass beide zufrieden sind mit ihrem neuen oder alten Namen.

      Das Mischen finde ich ja klasse. Die Möglichkeit sollte es hier auch geben. Vielleicht nicht ganz so freie Namenswahl wie in GB, aber als Variante zu den langen Doppelnamen hätte das wirklich was.

      • Du hast da richtig vermutet – es gab tatsächlich einen völlig anderen Grund, wieso es am Ende sein Name wurde, obwohl er sich eigentlich schon für meinen entschieden hatte. Das Umfeld war schon informiert, dass es mein Name wird, also war es nicht das „nicht dazu stehen wollen“. Aber es war eine bewusste Entscheidung, keine Bequemlichkeit.

  • Wir gehören wohl zu der winzigen Minderheit derer, wo der Mädchenname der Frau zum Familiennamen wurde. Ein lange Disskussion gab es da eigentlich gar nicht. Wir fanden beide meinen Namen einfach schöner und einzigartiger. Außerdem ist die Bindung zu meiner Familie deutlich enger als zum Namensgeber meines Mannes, den er zuletzt vor 20 Jahren sah. Womit auch wieder deutlich wird, dass Namen eben auch Teil der Identität sind.
    Im übrigen kenne ich auch andere Männer, die mit der Hochzeit den Namen ihrer Frau annahmen. Es ist zwar selten, aber nicht so selten, wie man vielleicht annimmt.

    LG Luisa

    • Es kommt sicherlich auch auf das persönliche Umfeld an, wie oft welcher Name angenommen wird. Wie konservativ die Einstellungen der Bekannten und Freunde (und manchmal auch nur Nachbarn) sind. Sowas beeinflusst die Entscheidung sicherlich auch. Vielleicht nicht bewusst, aber mit Sicherheit.

  • Ich und mein Partner stehen aktuell vor genau dieser Problematik.

    Nach mehreren gemeinsamen Jahren denken wir nun über eine Heirat nach – scheitern allerdings an der Namensfrage. Obwohl wir beide sicher nicht die schlechtesten Namen führen, ist keinem von uns so richtig wohl dabei, den des anderen anzunehmen. Nicht zuletzt auch weil wir finden unsere Vornamen klingen schlichtweg nicht, wenn man sie mit dem jeweils anderen Familiennamen kombiniert.
    Dazu kommt, dass ich es schon immer als Entwertung gesehen habe, dass auch heute noch von einer Frau mehr oder weniger erwartet wird, den Namen des Mannes anzunehmen. Als ob sie sein Eigentum sei.

    Ich dachte bislang ich sei mit dieser doch sehr kritischen Einstellung zu etwas, das viele andere als banal ansehen, gewissermaßen alleine und freue mich um so mehr über diesen Artikel gestolpert zu sein.

    Ohne Frage liebe ich meinen Freund, aber im Sinne alter Traditionen in seine Familie überzugehen, die eigene Identität zu verlieren (und ja, ich finde Namen sind ein essentieller Teil unseres Lebens und dessen, als wer wir wahrgenommen werden) – das widerstrebt mit doch. Gleichzeitig kann und will ich nicht genau das von ihm verlangen, was ich ablehne. Wenn ich nicht „einvergemeindet“ werden möchte, dann darf es ihm genauso gehen – was es im Übrigen auch tut, aber das ist ja allgemein anerkannt und unterstützt wohingegen ich doch eher als Exotin angesehen werde.
    Letztendlich ist die Wahl einer der beiden zur Verfügung stehenden Hauptvarianten als gemeinsamer Familienname definitiv nicht in Sicht.

    Unsere Hoffnung lag nun auf einem komplett neuen Namen, der UNS definieren würde – und nicht nur eine Hälfte repräsentiert. Als Anfang des Gemeinsamen quasi. Relativ schnell sind wir in unserer Familiengeschichte sogar fündig geworden – ein Name der uns beiden gefiel, mit beiden Vornamen gut klang und sogar zu den möglichen Kindernamen die wir am schönsten finden gut passte. Tja, aber wie das eben so ist, geht das nicht (und ich frage mich: warum hat man nicht die freie Wahl, wenn sich doch ohnehin der Name ändern wird).

    Am Ende wird wohl nur die Doppelnamen-Lösung oder das Behalten der eigenen Namen bleiben, wobei letzteres mein Freund nur ungern möchte (und ich kann ihn verstehen). Blöd nur, wenn unsere beiden Namen zusammen nun doch etwas umständlich klingen, aber damit wird nun einer von uns leben müssen.

    Summa summarum: In meinem Bekannten- und Freundeskreis gab es keine einzige Frau, die ihren Namen nach der Hochzeit behalten hat oder wo beide Partner ihren Namen angenommen haben. Auch heute noch tritt die Frau in der Regel hinter ihrem Mann zurück, und die Gesellschaft erwartet vielfach auch so. Ich selber kann und will dieser Tradition, die noch aus Zeiten in der Frauen überhaupt keine Rechte hatten stammt, nicht folgen. Und da die freie Namenswahl ja aus mir schleierhaften Gründen nur im Härtefall – und unabhängig von einer Hochzeit – überhaupt genehmigt wird, bleibt in unserer „selbstbestimmten“ Zeit dann für uns eben nur die Notlösung, die nichts als der kleinste gemeinsame Nenner ist. Schon traurig irgendwie.

    • Danke für deinen ausführlichen Kommentar.
      Auch mich freut es immer, wenn ich feststelle, dass ich mit meiner Abneigung gegen die vorhandene Situation nicht alleine bin. Deswegen noch mal danke, dass du hier kommentiert hast und nicht nur einfach stumm für dich zugestimmt.

      Ich finde es auch traurig, dass es Frauen und Männern immer noch so schwer gemacht wird Gleichberechtigung wirklich zu leben. Selbst, wenn sie es wollen, wie ihr mit der Suche nach einem neuen, gemeinsamen Namen.
      Noch trauriger finde ich oft allerdings, dass man mit dieser Meinung auf so viel Unverständnis stößt und die Forderung nach einer tatsächlich gleichberechtigten Namenswahl zum Beispiel als übertrieben und unnötig angesehen wird. Denn auf dem Papier haben wir dieses Recht ja. Die Praxis sieht nur leider anders aus.

      Aber das weißt du ja auch.

  • Hallo Alexandra,
    nachdem du ja jetzt geheiratet hast, wie lief es bei euch ab?
    Bei mir ist aktuell keine Hochzeit in Sicht aber an sich finde ich meinen Namen sich sehr schön und stelle auch fest, wie wenig weit wir in unserer Gesellschaft mit Gleichberechtigung sind. Ob jetzt Elternzeit, Namen o.Ä . (Und ich meine hier nicht Diskriminierung des Mannes, sondern gleichberechtigte Überlegungen, welchen Namen man annimmt und wer wann Elternzeit nimmt. Es mag ja Gründe geben, warum die Frau Elternzeit nimmt. Aber zunächst sollten meiner Meinung nach beide jeweils die Hälfte nehmen als Regelwert, von dem man abweichen kann) . Selbst in meinem jungen, akademischen Freundeskreis scheint das eher unüblich.

    • Hallo Nadine,
      auf jeden Fall haben wir drüber gesprochen. Ausführlich, da ich meinen Namen nur sehr ungerne abgeben wollte, mein Mann aber auch sehr an seinem Namen hängt (meinen nicht wirklich mag) und gleichzeitig auf jeden Fall einen gemeinsamen Familiennamen haben wollte. Da kamen die Dorfgene in ihm durch 😉
      Im Endeffekt habe ich jetzt einen Doppelnamen und seinen Namen als Familiennamen angehängt. In der Praxis benutze ich momentan immer nur einen der Namen im Gespräch. Je nachdem, im welchem Kontext ich mich bewege. Nur für Unterschriften und in Mails/Briefen nutze ich auch wirklich beide Namen. Für mich persönlich ein guter Kompromiss, da ich nicht das Gefühl habe meine Identität abzulegen, mich langsam an seinen Namen als meinen Namen gewöhnen kann und für Behördenkram ist es doch ganz praktisch, wenn man auch eindeutig vom Namen her verheiratet ist…
      LG Lexa

  • Ich beschäftige mich auch gerade mit dieser Frage.

    Ich erzähle euch mal was zur Geschichte meines Familiennamens und meines Verhältnisses zu ihm, also auch zum Theme Identität, verbunden mit dem Namen.
    Bei mir ist es so, dass ich an meinem Geburts-Nachnamen überhaupt nicht hänge. Das liegt hauptsächlich daran, dass dieser Name nur durch Zufall überhaupt mein Familienname ist.
    Mein Vater wurde unehelich geboren (das war in den vierziger Jahren, damals ein Riesen-Skandal natürlich), mein Vater hat deshalb zunächst als Nachnamen den Geburtsnamen seiner Mutter bekommen. Als seine Mutter heiratete – mein Vater war noch ein Kleinkind – bewegte sie ihren neuen Mann dazu, meinen Vater zu adoptieren, damit er ehelich wurde. (Ich glaube, das versteht heute fast kein Mensch mehr, aber damals war das fast lebenswichtig für ein Kind.) Dadurch bekam er den Nachnamen dieses Mannes. Davon hat er nichts mitbekommen, weil er noch so klein war. Die Ehe wurde schon nach einem knappen Jahr wieder geschieden. So kam es, dass mein Vater seinen leiblichen Vater nie und auch seinen (sozusagen vorübergehenden) Adoptiv-Vater auch fast gar nicht kennengelernt hat. Der Name aber blieb. Wie ein Fremdkörper irgendwie, denn meine Großmutter heiratete erneut und übernahm (zwangsweise, denn es gab ja damals keine Alternative) den Nachnamen ihres neuen Mannes. Damit hatte mein Vater auch wieder als einziger einen Nachnamen, den sonst niemand in der Familie hatte. Und zu dem er irgendwie keine richtige Beziehung hatte, geschweige denn eine identitätsstiftende. Und diesen Namen hat er mir weitervererbt. Das würde eigentlich schon ausreichen, um meinen Nachnamen leichten Herzens abgeben zu können, oder? Das ist aber noch nicht alles.

    Denn bei dieser Namens-Nicht-Beziehung blieb es nicht. Meine Eltern ließen sich ebenfalls scheiden, als ich noch ein Kind war, und beide heirateten neu. Meine Mutter nahm den Nachnamen ihres neuen Mannes an (damals auch noch die Norm, obwohl es schon die Doppelnamen-Lösung gab). Meine Mutter hieß jetzt wie ihr Mann, mein Bruder und ich hießen anders. Was dauernd zu Fragen führte und zu blöden Situationen. Noch blöder wurde es, als wir umzogen, denn die Vormieter hießen durch Zufall genauso wie mein Bruder und ich, sodass unsere Post (besonders meine, denn ich hatte einige Brieffreundschaften, mein Bruder nicht) den Vormietern nachgecshickt wurde. Die auf Weltreise waren. Und nur selten ihre Post abholten, mutmaße ich. Unsere Post kam jedenfalls nie zurück. Damals wollte ich schon damals unbedingt anders heißen, denn mein Nachname war einfach nur mit blöden Schwierigkeiten verbunden. Und außerdem war er irgendwie das Symbol dafür, nicht dazuzugehören. Nicht erkennbar zu meiner Mutter, die ja anders hieß. Nicht erkennbar zu meinem Vater, der in einer weit entfernten Stadt wohnte und wieder geheiratet hatte. Unser Name war also quasi der Name des „derzeit nirgends Zugehörigseins“. Und des Sich-ständig-erklären-Müssens. Denn jeder, einfach jeder fragt: Warum heißt deine Mutter nicht wie du? Bist du adoptiert? Oder ein Findelkind? Oder ein Heimkind? Wo kommst du denn überhaupt her? Und warum… ??? Es nervt einfach ganz furchtbar, ganz besonders, wenn man ein Kind ist.
    Der dritte Grund, warum mein Nachname nicht unbedingt der Hit ist, ist, dass er einer der allerhäufigsten in ganz Deutschland ist. Weshalb er nach deutschen Recht nicht einmal als „Familienname“ im engeren Sinne gilt, sondern als „Sippenname“. Darauf kann man auch getrost verzichten, oder?

    Soweit, so gut. Jetzt steht bei uns die Hochzeit an ( 🙂 *strahl*). Mein Zukünftiger hat einen seltenen Namen, den er jedes, aber wirklich jedes Mal buchstabieren muss (was ich mit meinem bisherigen Namen natürlich noch nie musste und mir auf Dauer echt nervig vorstelle). Der Name ist bodenständig, eine altertümliche Berufsbezeichnung, aber schön ist er nicht wirklich. Eher lustig, und dazu noch einigermaßen schwierig zu schreiben und zu buchstabieren.

    Wie machen wir das jetzt mit der Namenswahl? Da stehe ich echt auf dem Schlauch, muss ich sagen.
    Er hatte sich da früher nie Gedanken drüber gemacht. Als ich sagte, dass ich es aus Gründen der Gleichberechtigung eigentlich ablehne, dass die Frau den Namen des Mannes annimmt, hat er das sofort eingesehen und gesagt, wenn ich darauf Wert legen würde, hätte er überhaupt kein Problem damit, meinen Namen anzunehmen. Damit war die Frage für mich ehrlich gesagt durch. Das zu hören hat mich wirklich gefreut. Sozusagen als Emazipations-Beweis :). Mein Liebster ist überhaupt nicht traditionell mit Frauen- und Männerrolle unterwegs, das wusste ich natürlich auch vorher schon.

    Wir haben lange überlegt und haben uns entschieden, dass wir seinen Namen als gemeinsamen Familiennamen nehmen wollen. Er ist zwar nicht der Super-Knaller, aber immerhin ein relativ individueller Name, im Gegensatz zu meinem. Mich beschäftigt allerdings noch die Frage, ob ich meinen bisherigen Namen noch davorstelle oder nicht. Also als Doppelname.
    Dazu gehen mir ganz verschiedene Dinge durch den Kopf. Zum einen habe ich schon einiges unter meinem bisherigen Namen veröffentlicht. Nicht, dass ich besonders bekannt damit geworden wäre :), aber falls ich daran nochmal anschließen möchte, wäre es vielleicht einfacher, wenn der name nicht völlig weg wäre. Andererseits ist das auch irgendwie Quatsch, denn wie gesagt, mein Name ist extrem häufig, den würde sowieso wahrscheinlich kaum jemand wiedererkennen.
    Wichtiger ist die Frage, wie es auf andere wirkt, den Herkunftsnamen abzugeben. Denn Menschen reagieren ja zuerst mal mit Vorurteilen. Und ich möchte nicht den Eindruck vermitteln, ich hätte mich irgendwie untergeordnet oder „kastriert“, indem ich mit meinem Namen vermeintlich einen Teil meiner Identität abgegeben hätte. Denn so empfinde ich es nicht. Ich habe nicht das Gefühl, dass meine Identität mit meinem bisherigen Nachnamen etwas zu tun hat. Die Gründe habe ich ja ausführlich und hoffentlich auch nachvollziehbar dargestellt. Ich möchte es aber nicht erklären müssen.

    Was meint ihr denn dazu? Hat vielleicht jemand Lust, mir dazu einen Rat zu geben bzw ihre/seine Meinung zu geben? Sind Doppelnamen nicht unheimlich Achtziger und irgendwie gar nicht mehr zeitgemäß?

    Tausend Fragen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mir dazu mal so viele Gedanken mache würde, ehrlich nicht. Aber jetzt ist es soweit, und ich frage mich doch hin und her. Und könnte eine kleine Hilfe zur Entscheidungsfindung wirklich gut gebrauchen. Danke schonmal im Voraus!

    Liebe Grüße, Anja

    • Hallo Anja,

      zu den Doppelnamen kann ich nur sagen: Ich habe jetzt einen. Es ist zwar manchmal komisch, aber das ist es am Anfang glaube ich immer, wenn man einen neuen Namen hat. Altmodisch finde ich das nicht.

      In deinem Fall glaube ich aber nicht, dass es die richtige Lösung wäre. Wenn ich deinen Kommentar richtig lese, dann hättest du eigentlich lieber seinen Namen. Einfach, weil du zu deinem Namen keine Verbindung hast. Es kann dir doch egal sein, was die Leute denken. Ihr beide wisst doch, wie die Entscheidung gefallen ist und warum ihr eure Namenswahl so getroffen habt, wie ihr es tut.
      Ihr habt offen drüber gesprochen und eine Entscheidung getroffen. Das ist Gleichberechtigung. Das wird nicht besser dadurch, dass du seinen Namen nicht annimmst, nur weil du drüber nachdenkst, was andere deswegen denken könnten.
      Verstehst du, was ich meine?

      Im Endeffekt musst du die Entscheidung treffen und auch damit Leben. Wenn es sich für dich richtig anfüllt deinen Namen komplett abzulegen, dann ist es auch richtig. Wenn nicht, dann muss eine andere Lösung her. Entweder ein Doppelname oder er nimmt deinen Namen an. Nehmt das, was euch am besten gefällt und denkt nicht an die anderen.

      Und: Glückwunsch zur baldigen Hochzeit. Ich wünsche euch einen wunderschönen Tag!

      LG Lexa

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