Rezension

Ruediger Dahlke – Peace Food

peace food rüdiger dahlke

Letzte Überarbeitung am 29. Juli 2016

Wer meine Rezension zu „Mami, ist das vegan?“ gelesen hat (hier zu finden), wird ja schon damit gerechnet haben, dass ich bald etwas zum Thema vegetarisch/vegan
Auf Grund des Buches von Jumana Mattukat, habe ich mir Peace Food* von Ruediger Dahlke gekauft. Denn das Buch (und er) werden in „Mami, ist das vegan?“ indirekt in den höchsten Tönen gelobt und ich war neugierig, was für Informationen dort wohl stehen und wollte es lesen…
Tja, das habe ich jetzt auch. Aber ich muss sagen: Ich bin absolut enttäuscht. Wenn ich dieses Buch gelesen hätte, ohne mich vorher schon mal irgendwie mit dem Thema beschäftigt zu haben, hätte ich mich der Meinung von vielen Fleischessern ungefragt angeschlossen und würde jetzt auch meinen: „Die spinnen doch die Veganer. Das kann einfach nicht gesund, bei dem was die so verzapfen und wie die sich benehmen.“

An alle Veganer: Fühlt euch nicht angegriffen, ich denke ja nicht so. Nur über den Herrn Dahlke 😉
Und warum?
Weil dieses Buch einfach schrecklich ist.
Aber von Anfang an.

Was kann ich positives über das Buch sagen?

Es ist wirklich sehr informativ und der Preis ist für den Umfang und die Ausgestaltung auch nicht übertrieben teuer. Es lässt sich flüssig lesen und überfordert einen nicht mit irgendwelchen Anhäufungen von Fachbegriffen, obwohl die biologischen Prozesse des Körpers bei der Nahrungsaufnahme erklärt werden. In Teil 3 werden die wichtigsten Nährstoffe für den menschlichen Körper genannt und auch gleich gesagt, wo man die bei einer veganen Ernährung herbekommt. Sicherlich hilfreich am Anfang, wenn man sich noch in der Umstellungsphase befindet.
Positiv aufgefallen ist mir auch auf Seite 191, dass er davon spricht, dass ein Entfremdungsprozess stattgefunden hat und die Verbraucher deswegen immer weiter billige und noch billigere Nahrungsmittel fordern. Es hat niemand mehr das Tier vor Augen, das er isst. Die meisten Menschen kennen die Tiere, die sie essen nicht in Natura. Es wird sich deswegen für Quantität statt für Qualität entschieden.
Nicht so gut an dieser Aussage ist seine agressive Formulierungsweise. Aber dazu mehr im nächsten Abschnitt, mehr positives kann ich nämlich nicht sagen…

Was ist mir negativ aufgefallen?

Leider ziemlich viel. Aber fange ich erst mit allgemeinen Dingen an.
1. Er macht beständig und immer wiederkehrend Werbung für seine restlichen Bücher und seine Fastenseminare. Es würde mich ja keineswegs stören, dass er versucht auch sonstige Umsätze zu steigern, wenn es nicht so penetrant geschehen würde. Ich kam mir zwischendurch vor wie in einer Dauerwerbesendung. Ganz schlimm wird es nochmal am Schluss, als er ein von ihm (mit-)entwickeltes Nahrungsergänzungsmittel erwähnt… und immer wieder und immer wieder…
2. Er schmeißt mit Gender-Stereotypen um sich, dass einem die Ohren klingeln. Auf Seite 43 spricht er zum Beispiel davon, dass das viele Östrogen in Soja Männer weiblicher machen würde. Also gleichzeitig auch einfühlsamer. Ähm ja. Einfühlsam = Frau und Abgebrüht = Mann, oder wie?
Auf Seite 128 und 129 spricht er davon, dass Männer (die „Macher“!) ja eher Fleisch essen würden, während Frauen hingegen eher zu Salat- und Gemüseplatten neigen (zum Glück sagt er nicht analog zu den „Machern“, die „Fügerin“ …). Schon mal was von gesellschaftlichem Druck auf Körperformen und daraus resultierenden Dauerdiäten gehört Herr Dahlke?
Das sind (leider) nur zwei einzelne Beispiele…aber es zieht sich durch den gesamten Text und vermiest einem echt die Lust daran weiterzulesen, wenn man auch nur ein bisschen ein Gespür für Stereotype hat…
3. Er führt als Beweis für die gesundheitsfördernde Wirkung von der veganen Ernährung Studien an, die mittels Tierversuchen durchgeführt wurden. Mehrmals. Zum Beispiel auch auf Seite 48. Dort sterben in der Studie Ratten und er erzählt es einfach, ohne auch nur darauf hinzuweisen, dass er Tierversuche nicht gut findet. Oder vielleicht findet er sie ja auch gut, und er will Tiere nur nicht essen. weil es seiner Meinung nach ungesund ist? Geht es ihm im Endeffekt gar nicht im die Tiere, sondern nur um die Menschen? Sind die moralischen Einwände für die Tiere im Endeffekt nur eine Masche, um sich besser zu verkaufen? … Dieser Eindruck entsteht bei mir auf jeden Fall.
4.Auf Seite 229 lobt er die positive Wirkung von Sonne und sagt dazu, dass die Dosis das Gift mache. Allerdings scheint bei ihm das nur bei Sonne zu gelten. Denn wenn man das Buch so liest, ist jeder Mensch, der tierische Produkte isst ein schrecklicher Mensch.
Und vielleicht ist das auch der Hauptgedanke, der mich an diesem Buch so stört. Er erhebt nicht nur den Zeigefinger. Nein, er erhebt sich selbst über alle anderen stellt sich als „Über-Menschen“ dar, der so, so, so viel besser ist, als alle anderen.
Ich wollte informiert werden. Ich wollte wissen, warum genau die veganische Ernährung besser für den menschlichen Körper ist. Ich finde es völlig in Ordnung, dass der moralische Aspekt und die schrecklichen Seiten unseres Fleischkonsums und dem Konsum von jeglichen tierischen Produkten erläutert und beschrieben werden. Ich finde es sogar gut. Denn viele wissen sicherlich nicht (oder wollen es nicht wahrhaben), was in Schlachthäusern so abgeht und eine drastische Schilderung kann dazu führen, dass sie sich dessen endlich mal bewusst werden. Aber dann in jedem Absatz einen mit der Keule übergezogen zu bekommen, was ich doch für ein schlechter Mensch bin, weil ich mich (noch) nicht dazu entschlossen habe, vegan zu leben?
Wen soll das umstimmen?
 
Herr Dahlke versucht jeden eigenen Gedanken zu unterdrücken, in dem er jegliche Schlussfolgerungen vorweg nimmt und dem Leser gar nicht den Hauch eine Chance lässt seine eigenen Schlüsse aus den Schilderungen zu ziehen.
Ich finde es schrecklich!
Mal abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass so eine radikale Änderung der Lebensweise wie sie bei einer Umstellung zu einer veganen Ernährung vonnöten ist, dauerhaft geschehen kann, wenn der Entschluss nicht aus einem selber heraus kommt.
Mit diesem Buch bekommt man Menschen vielleicht kurzfristig dazu ihre Ernährungsform zu ändern, aber sie werden es als Verzicht, als Einschränkung empfinden. Dann sie haben sich nicht wirklich damit beschäftigt und ändern etwas auf Grund äußerer Einflüsse. Nicht innerer Überzeugung.
So, meine Meinung zu dem Buch. Absolut keine Empfehlung für irgendwen.
Und trotzdem werde ich mich noch einige Zeit damit beschäftigen, bzw. werde es benutzen um euch an meinen Überlegungen teilhaben zu lassen.
Am Ende eines jeden Kapitels wird nämlich ein Fazit aus den Kernaussagen gezogen und ich werde diese nutzen um meine eigenen Gedanken zu strukturieren und euch zu präsentieren.
Hat vielleicht jemand von euch noch eine Buchempfehlung zu dem Thema Vegan/Vegetarisch? Nach Möglichkeit etwas informatives, aber ohne dieses „Ich bin viel besser als alle anderen-„Allüren des Autors wie es hier der Fall ist. Denn da reagiere ich echt allergisch drauf…

12 Kommentare

  • Danke für deine Rezension! Wenn dich die gesundheitlichen Aspekte (also die für den Menschen) interessieren, wäre die China Study von T. Collin Campbell oder Gabel statt Skalpell (Film und Buch) vielleicht etwas für dich.

  • Habe mich gestern auf der Fahrt nach Düsseldorf ganz lang mit einem angehenden Tierarzt über vegane oder vegetarische Lebensweisen und das bewusste Kaufen als Alternative unterhalten. Im Tiermedizin-Studium müssen auch viele Stunden in Lebensmittellaboratorien verbracht werden, das war wirklich interessant was er da so erzählt hat! (: Und sein nächstes Praktikum verbringt er z.B. auf dem Schlachthof. Naja, ich glaube bei diesem Übermenschen-Gehabe hätte ich das Buch in den Ofen geschmissen. Jeder hat seine Lebensweise und alles hat sein Für und Wider aber wenn mir ein Veganer kommt und mir erzählt was ich für ein schlechter Mensch bin kriege ich die Krise. Jedem das Seine.

    • Und was sagt er? Bringt bewusstes Kaufen etwas? Oder hilft, wenn überhaupt, nur der völlige Verzicht?

      Und deinen letzten beiden Sätzen stimme ich absolut so zu. Leben und leben lassen.

  • Das sind doch die typischen Vegetarier mit ihrer Einstellung. Ich kenne allerdings genau eine bei der das nicht so ist. (Sie hat aber auch gerade erst angefangen). Die drei anderen mir bekannten Vegetarier… nun ja… Manchmal passen Klischee und Stereotyp halt zusammen.

    Ich finde es eigentlich viel erschreckender, dass keine anderen „Argumente“ zählen. Mein persönlicher Favorit: „Vegetarier sind von Natur aus friedlich – wie Gandhi“ kann man super wiederlegen (Achtung! Sarkasmus! Nicht ernst gemeint!) „Richtig. Genauso harmlos wie die Vegetarier Adolf Hilter und Ted Bundy“

  • 😀 deine rezension ist sehr amüsant zu lesen.

    ich ernähre mich vegan und ich muss ehrlich sein, ich neige in einigen momenten auch dazu meine einstellung über die von anderen zu stellen. aber das thema ist auch einfach sehr schwierig. was mich unglaublich wütend macht (dazu sei vielleicht gesagt, dass ich oecotrophologie studiere und im grunde ständig mit dem thema konfrontiert werde) ist die tatsache, dass mit unwahrem halbwissen um sich geworfen wird und menschen durch diese „schwätzerei“ beeinflusst werden. dazu kommt, dass die meisten menschen, meiner erfahrung nach, derart naiv an das thema gehen, dass es einen einfach wütend macht. „milch kommt aus milchflüssen und fleisch von fleischbäumen“ so nachm motto.
    ein weiteres problem ist, dass der konsum von tierischen produkten krank macht. mit sicherheit stirbt keiner an einmaligem fleischkonsum. allerdings ist es nicht ohne grund so, dass degenerative krankheiten wie krebs vor allem in ländern extrem verbreitet sind, in denen tierische produkte konsumiert werden. bücher wie „china study“ sind da super informativ.

    ich will im grunde niemanden mit meiner meinung angreifen, aber ich kann nicht mit ansehen wie die menschheit sich selbst und die umwelt zerstört, ohne mal meine meinung in den raum zu werfen. damit will ich nicht sagen, dass ich ein übermensch bin oder so 😀 ich bin auch nicht vegan auf die welt gekommen, ich hoffe du verstehst was ich meine 🙂

    und jetzt schau ich mir mal deinen blog mal genauer an 😀

    • Aber wenn du weißt, das du dazu neigst, bist du (auf jeden Fall meiner Erfahrung nach) vielen Veganern schon einen Schritt voraus.
      Hier in der Bloggerwelt habe ich bis jetzt nur nette kennengelernt, mit denen man ganz normal über das Thema reden konnte. Schließlich interessiert es mich ja wirklich. Aber im realen Leben kenne ich leider nur Veganer, die einen gleich angreifen, wenn man sagt, dass man Fleisch isst und sein Müsli mit Kuhmilch begießt. Und das ist meiner Meinung nach der falsche Weg, weil Menschen dann dazu neigen störisch zu werden. So war es bei mir ja auch lange.
      Und jetzt wo ich mich damit mal beschäftige, weil ich halt Informationen bekommen habe ohne gleich als böser Mensch dargestellt zu werden, kann ich viele Sätze und Sichtweisen viel besser verstehen.

      Freut mich auf jeden Fall, dass es dir hier zu gefallen scheint, sonst hätte ich dich ja jetzt nicht als Follower 😉

  • Hallo Lexa!

    Ich persönlich habe Peace Food noch nicht gelesen, kann dazu also nichts sagen.

    Das Buch, was ich wärmstens empfehlen kann, ist das von Melanie Joy: Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. Als kleinen Einblick kannst du dir ja mal, wenn du Zeit hast, dieses Video anschauen http://www.youtube.com/watch?v=7vWbV9FPo_Q Es lohnt sich wirklich.
    Über „Kein Fleisch macht glücklich“ von Andreas Grabolle habe ich auch nur positives gehört. Das steht noch in meinem Regal und wartet darauf, gelesen zu werden 🙂
    In beiden Büchern findet auf keinen Fall irgendein „Ich bin viel besser als du“-Getue statt.

    Bin gespannt, was du weiter so berichtest 🙂
    LG Avilia

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