Buch Gedanke

Meine Gedanken zu Teil 2 von „Peace Food“

Peace Food Teil 2

Letzte Überarbeitung am 13. August 2016

Wie schon bei Teil 1 werde ich ein paar Zitate aus dem Buch niederschreiben und euch meine Gedanken dazu mitteilen.

Zur Erinnerung: Es handelt sich um das Buch Peace Food* von Ruediger Dahlke, das ich hier rezensiert habe.
Ich weiß, der zweite Teil hat lange auf sich warten lassen, aber irgenwie ist die Zeit nur so an mir vorbeigeflogen. Ich hoffe, es interessiert euch trotzdem noch.

„Fische werden heute mir geradezu kriegsähnlichen Methoden gefischt. Für hohe Fangquoten nimmt man nicht nur Grausamkeit, sondern das Aussterben unzähliger Arten in Kauf. Meerestiere, die uns im Restaurant als Delikatessen serviert werden, sterben einen qualvollen Tod. Laut EU liegen die Überkapazitäten allein der europäischen Fischfang-Flotten heute bei über 40 Prozent. Verantwortlicherweise müsste die Hälfte der Flotten stillgelegt werden. Aber selbst wenn sich die EU zu derlei Maßnahmen durchringen könnte, würde es in der globalisierten Welt nur dazu führen, dass andere kämen, um sich die Fische zu holen. Machen wir aber so weiter, muss der kommerzielle Fischfang in etwa 40 Jahren ganz eingestellt werden. Es wird dann schlichtweg in unseren Meeren nichts mehr zu holen sein.“ (Seite 138)

Bei dem Thema Fische fallen mir ja zu erst die Menschen ein, die von sich selber behaupten, sie seien Vegetarier, während sie dabei munter am Krabbenbrötchen mampfen sind. Es tut mir leid, aber solche Menschen kann ich nicht ernst nehmen. Dann sollen sie sagen, dass sie kein Fleisch essen, aber Fisch. Und nicht behaupten, sie seien Vegetarier. Am Besten sind ja noch die, die aus „moralischen“ Gründen kein Fleisch essen. Weil ihnen die Tiere so leid tun. Tja, Fische sind nun mal nicht süß. Pech gehabt, würde ich da sagen…
Ein sehr großes Problem beim Fisch ist der Beifang, also die Tiere, die gefangen werden, obwohl sie nicht gefangen werden sollen. Das Problem hat man bei der Kuh oder dem Schwein nicht so. Da sterben wirklich nur die Tiere, die auch sterben sollen. Ein theoretischer Ausweg ist die Fischzucht. Aber nur theoretisch, denn Fischzucht ist nochmal extreme Massentierhaltung.
Da kann man sich also nur zwischen zwei Übeln entscheiden.
Ein weiteres großes Problem bei „wildem“ Fisch (im Gegensatz zum Zuchtfisch) ist die hohe Schadstoffbelastung. Die Meere sind dreckig, der Fisch aus den Meeren folglich auch. Andererseits kann man heutzutage auch keinen Apfel aus dem Supermarkt mehr essen, weil man nicht weiß, mit was der alles behandelt wurde… Wer schadstofffrei essen will, muss alles selber anbauen. Und dann kommt der saure Regen und man hätte es sich auch sparen können…
Ihr merkt, bei dem Thema werde ich leicht zynisch.

Also, halten wir einfach fest: Fische sind auch Tiere. Und leiden dementsprechend genauso wie alle anderen Tiere, die auf unseren Tellern landen.
Für mich persönlich ist der völlige Verzicht kein Weg, aber wenn jeder bewusst konsumieren würde, könnte das Problem sicher weniger gravierend sein.
Und mehr Genuss gibt es dann auch für jeden.
Ein Beispiel?
Wenn ihr mal sowieso geräucherten Lachs kaufen wollt, kauft eine 200g Packung aus dem Kühlregal für 1,99€, eine 200g Packung aus dem Kühlregal für 3,99€ und 200g vom Fischhändler für 5€ (die Preise sind fiktiv, aber so ungefähr müsste es hinkommen). Und dann sagt mir hinterher, welcher Lachs am Besten schmeckt. Um den Unterschied zu schmecken, können die Geschmacksknospen auch noch so doll von Nikotin und Kaffee abgestumpft sein, den Unterschied schmeckt man einfach. Und riecht man nebenbei auch beim Öffnen der Pakete.

„Über den Umgang anderer Kulturen mit Tieren rümpfen wir gern die Nase und machen uns nicht klar, was tagtäglich in unseren Schlachthöfen geschieht: unbeschreibliche Grausamkeit, über die trotz strengster Abschirmung mehr und mehr nach draußen dringt. Die Fakten sind erschütternd und zeigen, an welchen Maßstäben unsere Gesellschaft gemessen werden muss.“ (Seite 161)

Diesem Fazit stimme ich einfach nur zu.
Es ist lächerlich, dass wir uns dadrüber unterhalten, wie schrecklich es ist Hunde zu essen, während wir am Tisch essen und Teile einer Kuh verspeisen (oder eines Schweins/Hähnchens/Fisch etc.). Die Kultur eines Landes bestimmt, was normal ist und was nicht. Wenn sich unsere Gesellschaft anders entwickelt hätte, könnten Katzen für uns Delikatessen sein. Nicht unmöglich, für viele nur unvorstellbar.
Und was die Grausamkeit in Schlachthöfen angeht: das dürfte mittlerweile auch jeder wissen, dass Tiere nicht tot geknuddelt werden, oder? Über das Ausmaß der Brutalität sickert immer mehr durch und eigentlich sollte sich jeder mit ein bisschen Menschenverstand denken können, das bei den niedrigen Fleisch- und Milchpreisen in Discountern zu allerletzt an die Tiere gedacht wird.
Eine Frage, die ich mir allerdings stelle, seit ich mich mit dem Thema beschäftige:
Gehöre ich zu der schlimmsten Sorte der Fleischesser?
Weil ich weiß, wie die Tiere „leben“ und trotzdem weiterhin Fleisch esse. Weil ein kompletter Verzicht für mich einfach nicht in Frage kommt. Weil ich es halt immer noch als Verzicht sehen würde.
Bin ich damit, moralisch gesehen, nicht noch viel schlimmer, als die Fleischesser, die das billige Fleisch im Discounter kaufen und nicht wissen (wollen), wie die Preise möglich sind?
Ich habe da ehrlich gesagt noch keine Antwort drauf gefunden…

„Wer Fleisch isst, verleibt sich das Leid und die Qual der Tiere im wahrsten Sinne des Wortes ein und muss sich die Frage stellen, ob er das wirklich unterstützen will. Mit der Massentierhaltung züchten wir nicht nur neue Krankheiten wie die Schweinegrippe, wir nehmen eine Grausamkeit und – bei den Arbeitern im Schlachthof eine Verrohung – in Kauf, die nicht von ungefähr kommt. Doch wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Wir müssen nur die Chance ergreifen.“ (Seite 185)

Jetzt mal weg von dem Leid der Tiere, hin zu Gründen, die vielleicht auch überzeugte Fleischesser grübeln lassen.
Pandemien und das Leid der Menschen.
Viele, viele Tiere auf einem Haufen und es entstehen Krankheiten, die es so in dem Ausmaß vorher nicht gab. Beispiele dafür gab es in den letzten Jahren genug. Skandale über Skandale. Komischerweise würden aber (mal wieder) nur die Symptome und nicht die Ursachen beseitigt. Da muss man sich doch fragen: Was kommt noch? Die Pest war angeblich eine Strafe Gottes (wurde damals geglaubt) und wofür werden wir jetzt bestraft? Die Antwort ist mehr als nahe liegend…
Aber mal abgesehen von der Gefahr für Alle durch Krankheiten, dürfen die Auswirkungen von der Arbeit im Schlachthof auf die Menschen dort nicht unterschätzt werden. Es ist brutale Arbeit, von der man entweder angezogen wird, weil man gewisse Neigungen hat oder man stumpft ab, um es ertragen zu können.
Akkordarbeit hat (eigentlich) nie positive Auswirkungen auf die Psyche des Menschen. Warum sollte im Akkord Tiere töten, ausnehmen oder zerlegen also eine Ausnahme sein?

„Die Verlängerung der Nahrungskette über das Tier ist nicht nur eine riesige Verschwendung kostbarer Nahrungsmittel, die ist wirtschaftlich auch nur mit immensen Subventionen machbar, vor allem aber ist die katastrophal für die Tiere. Mit einer Veränderung des Essverhaltens der Menschen in den reichen Ländern könnte man problemlos den Welthunger besiegen.“ (Seite 215)

Problemlos ist wahrscheinlich ein bisschen sehr optimistisch, aber ja, wenn wir weniger Fleisch essen würden, gäbe es mehr Nahrungsmittel für alle. Es werden mehr Kalorien von dem Tier aufgenommen, als wir nachher mit dem Fleisch zu uns nehmen. Und dieses Ganze Gesabbel, dass der Regenwald für das Soja der Veganer/Vegetarier abgeholzt wird ist Quatsch. Einfach nur Quatsch. Soja ist Tierfutter. Klar auch für viele Veganer Ersatzprodukt, aber doch meist nur am Anfang der Umstellung (so sagen es auf jeden Fall die Bücher, die ich gelesen habe). Man kann auch Veganer sein, ohne Soja zu sich zu nehmen. Und die meisten langjährigen Veganer konsumieren wohl auch nur sehr selten Soja in irgendeiner Form. Es gilt mal wieder: Nicht alles einfach nachsabbeln ohne drüber nachzudenken!
Fleisch muss in meinen Augen wieder zu einem Luxusgut werden. Der Sonntagsbraten hat so einen hohen Stellenwert bei uns, weil sich den mal nicht jeder leisten konnte.
Ein möglicher Ausweg aus der momentanen Tierhaltungs und -schlachtungs Problematik ist meiner Meinung nach die drastische Preissteigerung von tierischen Produkten.
Es ist erwiesen, wir brauchen es nicht zum überleben. Wir müssten so viel für Fleisch zahlen, dass es sich für den Bauern lohnt seinen Tieren ein besseres Leben zu ermöglichen. Nehmt die Subvention von der Milch und die Menschen würden viel bereitwillige mal den Mandel-, Hafer- oder Reisdrink ausprobieren (ihr seht, es geht auch ohne Soja 😉 ). Jetzt kommt da keiner drauf, weil Kuhmilch viel billiger ist. Selbst lactosefreie Milch ist billiger.

Das waren jetzt auch schon meine Worte zu Teil 2. Teil 3 wird nicht so lange auf sich warten lassen. Versprochen.

8 Kommentare

  • Ein sehr interessantes Thema, muss ich sagen. Bei Fisch achte ich eigentlich mittlerweile immer auf das MSC-Siegel, das muss meiner Meinung nach schon sein.

    Das mit der Preissteigerung wäre wohl wirklich mal ne Idee, auch wenn ich viel und gerne Fleisch esse. Ich hatte auch mal überlegt, statt lactose-freier Milch auf pflanzliche Alternativen umzusteigen, da ich aber keinen Plan habe, ob die schmecken und sie auch noch doppelt so teuer waren (zumindest die, die ich gesehen hatte) hab ich das dann doch gelassen.

    Letztendlich finde ich kompletten Verzicht nicht sinnvoll, eher ein maßvolles Konsumieren, bei dem man auch auf die Herkunft achtet. Bei Rindfleisch zum Beispiel nehmen wir eigentlich nur noch welches, das wir direkt vom Bauern gekauft haben. Allerdings ist das vielleicht auch nicht immer machbar.

    Ich bin schon gespannt auf den 3. Teil!

    Liebe Grüße,
    Charly 🙂

  • Ich bin da auch furchtbar. Mir ist auch bewusst, dass nicht alle Tiere ein super schönes Leben haben. (Ich glaube aber auch, dass nicht alle Tiere furchtbar leiden, die Kühe bei unserem Nachbarbauernhof, hatten es eigentlich recht nett, meines Ermessen nach)
    Trotzdem esse ich viel Fleisch. Einerseits sicher auch gesellschaftlich geprägt, denn ich kenne genau eine Veganerin gut,a nsonsten sind alle Verwandten, Freunde, … Fleischesser. Und zwar recht überzeugte.
    Andererseits fehlt mir ohne die Abwechslung. Gemüsepfannen ohne Hühnchen finde ich recht fade, am Brot ist mir Wurst immer noch am liebsten (Ich bin nicht der riesen Frischkäsefan/Aufstrich, richtiger Käse schmeckt mir nicht ohne Wurst, Hüttenkäse ist auf die Dauer auch fade…, und jedesmal Marmelade mit Butter auch nicht so gesund)

    Milchalternativen probier ich ja gerade, noch gibts nichts was mich überzeugt hat und auch wenn, würde ich aus kostengründen weiterhin meistens zur normalen Kuhmilch greifen. Denn ganz ehrlich – mir ist das Geld, dass ich für Obst ausgebe schon zu viel. Ich habe jetzt mal meinen Freund Obst kaufen geschickt (weil er immer miene Smoothis wollte) und er heute morgen so zu mir: „Jeden Tag machen wir das aber nicht, das wär ja voll teuer…“

    • Und da sehe ich momentan das größte Problem. Den Knackpunkt, warum viele sich so ernähren, wie sie sich ernähren. Das Geld.
      Ich kann dich gut verstehen. Aber Kuhmilch ist nur so billig, weil der Staat sie so hoch subventioniert. Und bei Fleisch ist es das Gleiche.
      Eigentlich, so rein logisch betrachtet, müsste der Staat doch Obst und Gemüse stark subventionieren, damit sich das jeder in Massen leisten kann. Es ist nunmal so, dass die fertige Hähnchenpfanne von Aldi günstiger ist, als wenn man sich die Zutaten für eine frische Gemüsepfanne kauft. Und das kann doch eigentlich nicht sein. Da ist doch einfach irgendwas falsch im System.

    • Ich kenne die Hähnchenpfanne vom Aldi jetzt nicht, habe aber die Erfahrung gemacht, dass zwar die Zutaten erst mal teurer sind, wenn man ein Gericht selbst kocht anstatt die Fertigvariante zu nehmen, aber man letztlich auch viiiiel mehr dabei raus bekommt. Ich denke, da relativiert sich der Preis dann auch wieder.
      Sehe das mit dem Obst und Gemüse genauso. Wobei, wenn man sich von Saisongemüse/-obst ernährt, dann ist das auch mehr als erschwinglich. Bei mir würden die höheren Preise bei Fleisch und Milch bestimmt funktionieren 😀

    • Ich kenn die auch nicht 😀 War als übergeordnetes Beispiel für diese ganzen Fertigprodukte in der TK-Truhe gedacht 😉
      Und du hast recht, es kommt auch drauf an wo und was man kauft. Das ne Mango teurer ist als ein Apfel ist ja eigentlich klar.. Oder sollte klar sein.

  • Ich finde ja deine „Sorte“ von Fleischessern weitaus sympatischer als jene, die „auch fast kein Fleisch“ essen und dabei das Wurstbrötchen gekonnt ausblenden, das sie wenige Minuten vorher verspiesen hatten.
    Mir scheint, es ist schon viel Wert, sich der Divergenz zwischen dem Ideal und seinem eigenen Verhalten bewusst zu sein und sie auszuhalten. Das rede ich mir jedenfalls ein bei den Dingen, die ich tue, obwohl ich weiss, dass sie nicht ideal sind. 😉

    • Das mit der Divergenz ist ein interessanter Punkt. Da muss ich nochmal drüber nachdenken. Hmm… werde ich in meinem persönlichem Fazit mal drauf eingehen. Danke für den Anreiz.

Schreibe einen Kommentar