Leben

Vom Risiko, zu leben

gratwanderung

Letzte Überarbeitung am 3. Januar 2017

Seien wir doch mal ehrlich, Leben ist höchst gefährlich.

Wer in den eigenen vier Wänden bleibt kann stolpern, sich den Kopf anschlagen und sterben.

Wer raus geht, kann von einem Auto überfahren werden.

Wer schwimmt, kann ertrinken.

Wer isst, kann sich verschlucken und ersticken.

Wer seine Meinung sagt, kann sich unbeliebt machen und ermordet werden.

Wer sich in große Menschenansammlungen begibt kann erdrückt werden oder einem Anschlag zu Opfer fallen.

Wer lebt, der stirbt. Klick um zu Tweeten

Daran ist nicht zu rütteln, wir alle sterben irgendwann. Die Frage ist nur: Wann? Unter welchen Umständen? Und wie haben wir vorher gelebt?

Das erste Wort des Projektes *.txt ist Gratwanderung. Eigentlich, eigentlich wollte ich das Projekt nutzen um tolle Texte zu schreiben. Fiktive Texte. Geschichten erzählen. Meine Fantasie benutzen und euch durch Kurzgeschichten verzaubern.

Und jetzt, jetzt kann ich diesen Plan schon beim ersten Wort nicht in die Tat umsetzen.

Zu nah geht mir dieses Wort: Gratwanderung. Eine Vorgehensweise, bei der schon der kleinste Fehler großes Unheil anrichten kann.

Und auch, wenn ich weiß, das es übertrieben ist. Und wenn ich mir noch so oft sage, dass es nicht stimmt. Mein Leben ist momentan eine Gratwanderung. Meine Gefühle sagen mir nur eins: Panik!

Jetzt, in diesem Moment, habe ich meine Zukunft in der Hand. Das erste Mal in meinem Leben habe ich, ich ganz allein, ganz bewusst die Kontrolle dadrüber, wie es weitergeht. Kindergarten, Schule, Studium sind vorbei. Zwar habe ich auch da Entscheidungen getroffen, die meine Zukunft maßgeblich beeinflusst haben, allerdings hatte ich auch während des Studiums immer ein Gefühl von Starrheit. Als ob mein Leben auf einer Schiene verlaufen würde. Ich saß im Zug und konnte zwar ab und zu mal eine andere Weiche wählen, aber der Weg war doch vorbestimmt.

Jetzt sind die Schienen zu Ende. Ich bin umgestiegen auf ein klitze kleines Segelboot und vor mir liegt das große weite Meer.

Kein Land in Sicht. Weder vor mir, noch hinter mir.

In schlimmen Momenten möchte ich mich unter meiner Decke verkriechen und „Mami! Hilfe! Regel mein Leben für mich!“ rufen.

In guten Momenten freue ich mich riesig über all die Möglichkeiten und Chancen, die in dieser Weite stecken. Es gibt viele kleine Inseln zu entdecken.

Ich habe Glück, ich habe tolle Menschen an meiner Seite die mich unterstützen und an mich glauben. Auch, oder gerade, dann, wenn ich selbst nicht an mich glaube.

Aber manche Dinge muss man alleine bewältigen. Die Angst vor der Zukunft zum Beispiel. Man muss sich selbst an die Hand nehmen und sagen: „Einfach machen. So schlimm wird es schon nicht werden.“

In einem Jahr lache ich vielleicht über diese Zeit und sehe im Rückblick, das die Herausforderung gar nicht so groß war. Vielleicht habe ich bis dahin schon ganz andere Hürden gemeistert. Vielleicht bin ich dann auch schon gekentert. Ich weiß es jetzt nicht.

Ich weiß nur: Ich will leben, bevor ich sterbe.

Und dafür muss ich den sicheren Hafen verlassen und mich auf das große Meer hinauswagen.

__________________________________________

Viele andere Texte zu dem Wort „Gratwanderung“ findet ihr hier: Die Beiträge

 

2 Kommentare

  • Schöner Text, wahre Worte! Diese Gratwanderung liegt noch vor mir, diese Fahrt aufs offene Meer hinaus. Momentan sitz ich noch im einigermaßen sicheren Studiums-Zug, der zwar manchmal stockt oder Verspätung hat 😉 , aber doch irgendwie am Ziel ankommen wird. Aber ich krieg jetzt schon Bauchweh wenn ich an das Segelboot denke. Aber auch das kriegen wir hin und dann sehen wir uns irgendwann auf einer karibischen Insel wieder 😀 (Hach, tolle Metaphern hast du gefunden!)

    • Danke 🙂
      Schön, das du mich verstanden hast. Ich hatte schon die Befürchtung, das den Text alle nur mit einem Fragezeichen im Gesicht lesen werden.

      Auf die karibische Insel freue ich mich schon. Viele nette, glückliche Menschen. Leckere kalte Getränke und gerade so viel Regen, das man die Sonne noch zu schätzen weiß 😉

Schreibe einen Kommentar