Rezension

Tracy Chevalier – Der Ruf der Bäume

Tracy Chevalier Der Ruf der Bäume
[Rezensionsexemplar]
Tracy Chevalier Der Ruf der Bäume

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Autorin: Tracy Chevalier

erschienen: Januar 2017

313 Seiten

Preis: 19,99€*

Knaus Verlag

Buchrücken

Amerika, Mitte des 19. Jahrhunderts: Die Goodenoughs träumen von fruchtbarem Ackerland im Westen, bleiben aber mit ihrem Planwagen kläglich im Sumpfland von Ohio stecken. Der verzweifelte Versuch, hier eine Apfelplantage anzulegen, endet tragisch. Fasziniert von Erzählungen über Bäume, die angeblich in den Himmel wachsen, zieht der jüngste Sohn Robert weiter westwärts, bis nach Kalifornien. Doch am Ziel seiner Träume wird er von seiner tragischen Familiengeschichte eingeholt.

Meine Meinung

Eine große Familiensaga soll es sein. Darauf bin ich angesprungen. Ich mag Familiensagen. Als das Buch dann ankam, war ich erstmal vom Umfang enttäuscht. Ganz schön dünn. Wann lerne ich endlich mal vorher zu gucken, wie viele Seiten das Buch hat?

Aber trotz nur 313 Seiten schaffte es Frau Chevalier mich mit ihrer Erzählung zu überzeugen. Mehr Seiten hätten trotzdem nicht geschadet, denn das Buch endet an der Stelle, an der eine neue Familie ihre Zukunft bedingt. So kann man sich selbst überlegen, ob es wohl gut ausgeht. Wenn es mir erzählt worden wäre, vielleicht auch noch die ersten zehn Jahre des neuen Lebens, hätte es mich gefreut.

Aber gut, ich kann ja nur rezensieren, was auch tatsächlich geschrieben wurde. Nicht das, was ich mir wünschen würde, was noch geschrieben worden wäre.

Am Anfang lernen wir die Familie Goodenough kennen. Vater, Mutter und fünf Kinder. Ziemlich chaotisch, ziemlich gewalttätig und ziemlich unglücklich. So alles in allem. Dann passiert das große Drama (nein, ich spoiler hier nicht) und wir bekommen nur noch von Robert erzählt, wie sein Leben weitergeht. Wie es den anderen Familienmitgliedern währenddessen ergeht, erfährt man erst am Ende in einem Rückblick.

Robert schlägt sich so durch, beteiligt sich am Goldrausch, arbeitet hier und arbeitet da und endet im Endeffekt als Baumsammler für einen Engländer, der amerikanische Bäume an reiche Engländer verkauft. Eine Arbeit, die ihm liegt und die er gerne tut.

Soweit alles gut, wäre da nicht die Familientragödie, die ihn wieder einholt. Und sein eigenes kleines Drama, das er erschaffen hat mit seinem Leben.

Sagen wir so: Sein Leben wandelt sich gewaltig und dann ist das Buch auch schon vorbei. An dem Punkt, an dem es so richtig losgehen könnte. 

Es ist ein gutes Buch. Es liest sich gut, die Charaktere sind echt und nicht platt, der Erzähl- und Schreibstil sagt mir sehr zu, aber komplett überzeugt hat es mich nicht. Mir fehlt etwas. Die geschichtliche Tiefe, die das Buch zu einer Familiensaga machen würde und nicht nur zu einem normalen Roman.

Es ist feinsinnig in der Art des Erzählens und gleichzeitig gewalttätig im Erzählten. Es ist unterhaltsam und gleichzeitig ist die Handlung eigentlich sehr langweilig. Es hat sehr, sehr viel Potential, das meiner Meinung nach aber leider nicht voll ausgeschöpft wird, weil Seiten fehlen um es zu nutzen.

Als Roman super, als Familiensaga nicht. Und der Umschlag verspricht eine Familiensaga. Dieses Versprechen wird in meinen Augen leider nicht gehalten. Es ist die Vorgeschichte zu einer Familiensaga, aber nicht das fertige Werk.

Der Ruf der Bäume von Tracy Chevalier ist feinsinnig und unterhaltsam und konnte doch nicht auf ganzer Linie überzeugen.

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