Gedanke

Social Freezing – Entscheidungen werden zu Verpflichtungen

Social Freezing Entscheidungen werden zu Verpflichtungen

„Social Freezing“

Das Schlagwort der letzten Tagen. Facebook und Apple bieten an ihre Mitarbeiterinnen dabei zu unterstützen ihre Eizellen zur späteren Verwendung einzufrieren. In Deutschland hat das Thema eine Debatte über die Moral solcher Angebote ausgelöst. Natürlich musste Jauch drüber „talken“ (EmKa berichtete), Alice Schwarzer hat eine Meinung, die Zeit schrieb drüber und die FAZ und und und…

Und ich? Ich habe beim Verfolgen der ganzen Debatte immer nur ein Schlagwort im Kopf.

Feminismus

Wir brauchen Feminismus. Und zwar echten Feminismus. Wir brauchen gleiche Chancen und Möglichkeiten für Frauen und Männer. Die Gleichbehandlung der Geschlechter. Kein Anpassen der Frauen an das herrschende System, sondern eine Änderung des Systems.

Der Fehler liegt allein schon darin, dass momentan ernsthaft diskutiert werden muss, ob dieses „Angebot“ als Chance oder als Verpflichtung angesehen werden soll. Ist es positiv oder negativ?

Social Freezing an sich ist positiv. Es ist gut, dass Frauen heutzutage theoretisch frei entscheiden können, wann sie Kinder bekommen wollen (ob es klappt, ist eine andere Frage). Verhütung und künstliche Befruchtung machen es möglich.

Es ist negativ, dass aus diesen Möglichkeiten leider immer auch Verpflichtungen entstehen. Die Pflicht sein Leben zu planen und das Beste rauszuholen. Die Zuschiebung von „Schuld“, wenn es mal nicht ideal läuft. Wenn zu lange gewartet wird oder die Frau unerwartet schwanger wird.

Familienplanung ist Frauensache

Dabei sollte so eine Entscheidung doch im Idealfall immer zwei Menschen betreffen, oder?

Unvergessen die Antwort eines Kumpels auf die Frage, ob sie denn Beide die Schwangerschaft wollten: „Ja, schon…(langes Schweigen) aber Frauen haben da ja mehr zu sagen, ne?“ 

Haben sie? Wahrscheinlich schon. Rein biologisch bedingt. Ich habe auch gerne das letzte Wort, wenn es um meinen Körper geht 😉 Aber ich finde auch, die Entscheidung sollte immer eine gemeinsame sein. Gemeinsam mit dem Partner. Egal ob es um Verhütung geht oder darum, ob man ein Kind möchte.

In der Praxis beobachte ich leider gegenteiliges. Verhütung ist in der Partnerschaft meist alleinige Frauensache. Kondome, ja das wären seine Aufgabe. Aber da man sich keine Gedanken mehr um Krankheiten macht, soll sie sich gefälligst um die Langzeit-Verhütung kümmern.

Dafür entscheidet sie dann auch, wann sie schwanger werden will. Er kann nur nicken oder sie trennen sich.

Eine gleichberechtigte Partnerschaft sieht in meinen Augen anders aus.

Die Technik verändert uns kulturell

Sie verändert wie wir uns und unsere Möglichkeiten wahrnehmen. Einfach, weil wir ganz andere Möglichkeiten haben. Und doch gibt es Muster, die so tief verwurzelt sind, dass es wohl noch Jahrzehnte dauern wird, bis sie sich ändern.

Ein paar Situationen, die ich dieses Jahr erlebt habe:

1. Ein Großelternteil lässt mir gegenüber mehr als deutlich durchblicken, dass es schon sehr erfreulich wäre, wenn es bald mal Urenkel geben würde. „Du wirst ja auch nicht jünger!“

2. Eine andere verwandte Person wundert sich laut, dass ich und mein Freund schon so lange zusammen sind und immer noch nicht verheiratet. „Ihr meint es wohl nicht ernst, was? (*zwinker* *zwinker*)“

3. Bei einer Hausbesichtigung fragt der Makler mich, wann wir denn Nachwuchs erwarten. Auf meine Antwort, dass keiner geplant sei fragt er dann ganz verwundert nach, wofür wir denn vier Zimmer bräuchten. Meinen Freund hat er übrigens nur nach seiner Einkommenssituation gefragt, mich dafür nicht (und nein, ich habe mir nicht „studiert noch“ auf die Stirn tätowiert).

4. Mein Frauenarzt erkundigt sich auch, ob ich noch in einer festen Beziehung sei. Schließlich wäre jetzt das beste Alter um Kinder zu bekommen.

5. Von Freunden und Bekannten kommt schon länger öfter mal die Frage, wann wir *endlich* Kinder bekommen würden. …

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich dieses Jahr 24 geworden bin, ob es an der mittlerweile siebenjährigen Beziehung liegt oder daran, dass wir zurück in die Heimat gezogen sind, aber unsere Umwelt erwartet von uns bald die Familiengründung.

Auch hier ist auffällig: Ich bin die Ansprechpartnerin für diese Angelegenheiten. Sei es in der Familie (egal ob seine oder meine), bei Freunden oder auch bei wildfremden Menschen. Seine Aufgabe ist es anscheinend nur, mich zu schwängern, wenn ich mich dazu entschlossen habe Mutter werden zu wollen.

Gleichbehandlung gesucht und nicht gefunden… Mein Körper, der weibliche Körper, ist Allgemeingut, wenn es darum geht ob und wann er Kinder gebärt. Lässt sich übrigens auch wunderbar im Supermarkt beobachten, wenn man mitbekommt wie schwangere Frauen von fremden Menschen angesprochen werden und die ungefragt den Bauch tätscheln wollen…

Gleichzeitig wird diese höchst persönliche Frage immer politischer. Eine Entscheidung wird von jeder Einzelnen verlangt, nur, weil die Möglichkeit besteht sich zu entscheiden. Die Rechtfertigung muss gleich mitgeliefert werden. Egal, wie die Entscheidung im Endeffekt aussieht. Denn die Entscheidung für oder gegen Kinder und die Auswahl des Zeitpunktes sind keine persönlichen Entscheidungen mehr. In den USA entscheidet jetzt sogar der Arbeitgeber mit.

Nur die Väter, die haben irgendwie immer noch nichts zu sagen.

Traurig.

Die technische Entwicklung macht es möglich.

 

Wie sind eure Erfahrungen? Was haltet ihr von dem Angebot von Facebook das Social Freezing zu finanzieren?

9 Kommentare

  • Ich weiß nicht, dieses einfrieren find ich einfach gruslig, hab mich damit aber acuh nicht auseinander gesetzt.
    Aber ich bin ganz ehrlich. Ich muss ein Kind mal austragen, also bin ich die die das Sagen habe.
    Würde mein Freundnoch keine Kinder wollen würde ich das dann natürlich akzeptieren, aber wenn es um ein JA geht, dann ist es meiner Meinung nach die Frau die das Sagen haben sollte.
    Aber da mein Freund doch schon älter sit als ich und mit Kindern schon klar kommen würde ist die Rolle der Entschiederin ohnehin bei mir, denn ich brauch noch eine Zeit lang keine Kinder.
    Die Fragen wann es bei uns Nachwuchs gibt bekommt mein Freund aber schon auch gestellt. Vor allem weil seine Schwester gerade ein Baby bekommen hat.
    Mich wundert es aber das mit 24 von dir die Leute schon erwarten zu heiraten und Kinder zu bekommen. 24 ist doch noch so jung? Das mit dem Frauenarzt find ich schon fast lustig. Sehr schräg 😉

    • Natürlich solltest du das letzte Wort haben, aber du triffst die Entscheidung ja mit deinem Partner zusammen. Er wird nicht ausgeschlossen und vor vollendete Tatsachen gestellt.

      Und bei euch bekommt sie dein Freund gestellt, die Frage nach Kindern? Interessant. Mein Freund ist auch älter, aber wird darauf gar nicht angesprochen. Aber da ist die Schwester mit Kind sicherlich ein entscheidender Faktor.

      Liegt vielleicht an der langen Beziehung. Oder ich wirke so alt 😀 Keine Ahnung. Oder weil wir vom Dorf kommen… keine Ahnung. Kann viele Gründe haben.

  • Hey,

    Ich finde diese ganze social freezing-Sache erschreckend. Ich denke nämlich absolut nicht, dass es so gesund ist, wenn man so „alt“ noch schwanger wird. Die Risiken für Krankheiten (und Behinderungen) bei Mutter und Kind sind da viel höher. Aber das nur am Rande.
    Ich finde es auch sehr verwunderlich, dass man dich schon mit 24 nach Nachwuchs fragt. Das ist doch echt noch kein Alter? Ich weiß für mich, dass ich vermutlich mit +-30 Jahren schwanger werden möchte. Bis ich mein Studium und das Referendariat hinter mich gebracht habe, bin ich nach jetziger Planung 26 Jahre alt und danach möchte ich arbeiten und mein selbst verdientes Geld genießen. Mein Freund wäre gern schon mit 25 Vater, allerdings bin ich dann gerade mal 23 und noch voll im Studium. Insofern: Ja, wir richten uns mit einer eventuellen Schwangerschaft nach mir. Aber ich sehe es auch so, dass ich gern noch mehr erleben und in gesicherten Verhältnissen leben möchte, ehe ich die Verantwortung für ein Kind übernehme.

    Gruselig finde ich aber auch die Frage nach dem Makler. Oder dass Frauen in jungen Jahren oft indirekt bei Einstellungsgesprächen nach ihrem Kinderwunsch gefragt werden. Ich hoffe, dass da langfristig ein Umdenken stattfindet, aber dazu müssten erst mal die Betreuungsmöglichkeiten weiter ausgebaut werden.

    LG

    • Ja, ob das wirklich so gesund ist ist natürlich noch ein weiterer Punkt. Auch ist ja nicht gesagt, dass die eingefrorenen Eizellen wirklich „funktionieren“ wenn es dann soweit ist. Die Frauen können trotzdem kinderlos bleiben. Über das Risiko spricht kaum einer.

      Aber ihr scheint ja miteinander drüber geredet zu haben. Und wenn ich es mal so plump sagen darf: Warte mal erst mal ab, wie du es siehst, wenn du 25 bist 😉 Solche Einstellungen ändern sich ja auch manchmal während man so vor sich hinlebt. Müssen sie nicht, aber kommt oft genug vor.

      Die Art des Maklers fand ich ganz schlimm. Der hat auch ne richtig schlechte Bewertung von mir bekommen.

      Oder es muss ein Umdenken stattfinden, damit dann auch die Betreuungsmöglichkeiten verbessert werden. Beides kann Ursache sein. Es muss Hand in Hand geschehen. Aber sowas dauert.

  • Liebe Lexa,
    toll, dass du das Thema auch aufgegriffen hast. ich habe mich in meinem Bericht zu Jauchs Talkshow ja schon zum Social Freezing geäußert (wieso eigentlich „social“????? „Bio“ wäre iwie passender?!)
    Ich zitiere einmal Ulrich Beck – um auf etwas anderes einzugehen: „[I]n der individualisierten Gesellschaft muss der einzelne […] lernen, sich selbst als Handlungszentrum, als Planungsbüro in bezug auf seinen eigenen Lebenslauf, seine Fähigkeiten, Orientierung, Partnerschaft, usw. zu begreifen“.
    Das Schlagwort hier ist mal wieder PLANUNGSBÜRO. Wir alle müssen(!) unser Leben durchplanen ohne Ende, und wenn was schief läuft dann….. selbst schuld! Hättest dich ja anders entscheiden können. Die Möglichkeiten sind ja alle da.
    Es reicht schon, dass dieser heraufbeschworene „American Nightmare“ unsere Generation im einzelnen ganz schön unter Druck setzt. Wenn dann auch noch „Tipps“ und „Ratschläge“ der Peer Group und der Family dazukommen und Vorstellungen aus den Medien und der Gesellschaft das ganze abrunden… dann bin ich immer kurz vorm Platzen.

    Zum Glück hat meine Mama mittlerweile ein halbes Volkskunde-Studium hinter sich (sie liest alle meine Hausarbeiten Endkorrektur und findet letzte fehlende Kommata) und hat Dinge wie „Konstuktion von Wirklichkeit“ und „Die Technik verändert uns kulturell“ schon ganz gut verinnerlicht. Sie liest sogar ausgewählte Essays aus Fachzeitschriften und so….
    Sie lässt mich mein Leben machen und weiß, dass mein Lebensentwurf genauso seine Berechtigung hat wie ihrer. Das ist dann schon eine gute emotionale Stütze wenn aus der Oma/Opa-Richtung wieder mal was kommt (Deine gelisteten Punkte kenne ich auch….)
    Und meine Freunde bringen solchen Sachen nicht.

    Ich finde mittlerweile, dass man in der Schule schon mal Die Konstruktion von Wirklichkeite von Berger/Luckmann lesen sollte. Pflichtlektüre. Meinetwegen auch noch was von Judith Butler.
    Vllt hilft das….

    • Ich denke „social“ im Gegensatz zu „career“. Das private Leben wird für die Karriere eingefroren, nicht andersrum. Also in den grade diskutierten Fällen.

      Eine Mama als Unterstützung ist immer super 🙂 Bessere Hilfe kann man nicht bekommen. Finde ich super, dass deine Mutter „mit dir studiert“. Meine hat meine Hausarbeiten auch immer zu lesen bekommen.

      Ich bin gegen Pflichtlektüre. Nicht, weil ich es schlimm fand. Ich habe alles zu lesen geliebt und tue es immer noch ;), sondern weil ich mitbekommen habe, wie sich meine Klassenkameraden gegen Pflichtlektüre gewehrt haben. Sobald es gelesen werden musste, wurde sich gar nicht mehr damit auseinander gesetzt. Deswegen glaube ich, würde der Versuch gehörig nach hinten losgehen. Leider…

      Und ich hoffe, es ist okay, dass ich mir deine Überschrift „geborgt“ habe. Mir fiel einfach nichts besseres ein. Das passte zu gut.
      Dein Artikel war ja auch der Grund, dass ich drüber geschrieben habe. Ich habe mich schon so über das Ganze aufgeregt, dass ich das Thema aufm Blog eigentlich außen vor lassen wollte…

  • Wenn ich nur das Wort höre „Feminismus“ kriege ich die Krätze, momentan. Die Idealvorstellung finde ich gut und unterstützendswert, was aber momentan daraus gemacht wird, finde ich eher suboptimal. Es wird gedeutet, wie du gerade geschrieben hast. Die Praxis ist wie du geschieldert hast, dass ein Geschlecht jeweils, in „seinem“ Bereich mehr Kompetenz zugeschrieben bekommt.
    Ich persönlich weiß nicht was ich davon halten soll. Es ist… Schwierig. Letzten Endes muss das Paar damit Leben können. Abtreibung oder Elternteil werden, heiraten oder nicht heiraten, zusammenziehen oder getrennt leben, Polygamie oder monogam. Solange beide(oder halt mehr) damit leben können, soll es mir egal sein. Ich Zweifel kann ich persönlich mich zurückziehen.
    Daher Lüge ich auch, was das angeht. Je nachdem wer fragt, habe ich drei Kinder, bin schwul oder lebe in Scheidung. Manchmal we hsel ich auch innerhalb eines Satzes meine Aussage. Besonders witzig bei Befragungen oder nervige Verwandtschaft 😀

    • Ja, der Feminismus hat ein Imageproblem. Ein großes. Und das ist ganz schön traurig. Aber ein Grund mehr, positiv Beispiele in seinem Namen zu liefern 😉

      Das ist wohl das wichtigste an jeder Entscheidung. Die, die sie treffen müssen damit Leben können. Egal, was andere davon halten (solange, niemanden anderen Schaden zugefügt wird natürlich). Aber soweit sind wir noch lange nicht, wie die aktuelle Diskussion ja gerade zeigt…

      Drei Kinder und geschieden? Weil du festgestellt hast, dass du eigentlich schwul bist? Na, du hast ja ein Leben 😀

  • Ich habe das Gefühl, dass die meisten Menschen einfach das Gefühl dafür verlieren, welche Themen sie allein etwas angehen, welche Themen auch andere Menschen einbeziehen – oder im Gegenteil, in welche Themen sie sich überhaupt nicht einzumischen haben.

    Familienplanung ist primär Sache des Paares. Des ganzen Paares. Natürlich wächst das Kind mal in meinem Körper heran, ich hab die Lücke in der Erwerbsbiographie, blabla, aber mein Partner hat genauso einen Lebensentwurf, den er verwirklichen möchte und den er auch verwirklichen soll. Eine glückliche Beziehung steht immer im Spannungsfeld der Interessen des Individuums und den Interessen des Paars. Ob und wann ich ein Kind bekomme, geht meinen Partner genauso sehr etwas an, zumindest wenn ich möchte, dass mein Kind mal mit einem intakten Elternpaar aufwächst.
    In einer Frauenzeitschrift habe ich mal einen Erfahrungsbericht von einer Frau gelesen, die heimlich die Pille abgesetzt hat, obwohl ihr Partner zu dem Zeitpunkt noch kein Kind wollte. Sie hat es lange Zeit als „Unfall“ verkauft, bis das Kind dann da war und es eine Vater-Kind-Beziehung gab, danach habe er es dann auch nicht mehr schlimm gefunden, dass sie beim Schwangerwerden gemogelt hat. Ich war von diesem Artikel einfach nur angewidert.

    Eventuell geht meine Familienplanung auch noch das Unternehmen an, in dem ich arbeite, zumal wenn es ein kleines Unternehmen ist und mein Arbeitsausfall die wirtschaftliche Lage deutlich beeinflussen würde. Ich fänd’s auch von mir später als Lehrerin echt doof, die Klassenlehrerrolle kommentarlos zu akzeptieren, wenn ich konkrete Pläne habe, demnächst schwanger zu werden – man hat nicht immer die Wahl, Klassenlehrerin zu werden oder nicht, das ist klar. Aber Ideal ist es nicht, vor allem bei den kleineren Jahrgängen, wenn die wichtigste Vermittlerperson zwischen Schule und Klasse plötzlich wegfällt.
    Eventuell geht meine Familienplanung auch den Makler etwas an, wenn der Wohnungsbesitzer explizit jungen Familien eine Chance geben möchte. Eine Familie mit zwei Kindern braucht eine Vier-Raum-Wohnung in Spielplatznähe und neben einer Grundschule eher als ein Paar, das einfach zwei getrennte Arbeitszimmer haben oder sich den Luxus eines Gästezimmers leisten möchte. (Nur Anspielung auf dein Beispiel, ich weiß ja nicht, wie die Wohnung konkret aussah und was ihr mit der Wohnung vorhabt.)
    Das ist alles im Einzelfall abzuwägen und kommt dann auch sehr darauf an, wie es kommuniziert wird. Man kann das sehr menschlich vermitteln, aber eben auch echt creepy.

    Das Einfrieren von Eizellen ist generell als Chance und etwas Positives zu sehen, das wäre das Einfrieren von Sperma allerdings auch. Stammzellentechnik ist an sich auch total super. Es gibt viele Bereiche des technischen Fortschritts, die total super sind, bis sich Menschen einklinken, die es eigentlich nichts angeht.
    Meiner Nachbarin kann absolut egal sein, ob ich Eizellen einfriere oder nicht. Meinen Eltern übrigens auch, weil ich als Kind nicht dazu verpflichtet bin, sie irgendwie glücklich zu machen (trotzdem möchte ich das, freiwillig). Einem alten, grauhaarigen Mann, der im Fernsehen den Untergang des Abendlandes beschwört, erst recht.

    Ob ich Eizellen von mir einfrieren würde? Ich weiß es nicht. Es gibt bei der Frage so viel hätte, könnte, müsste und so viele irrationale und unbegründete Schuldzuweisungen, die einfach nicht fair sind – eben weil, wie ich oben schrieb, viele Menschen das Gefühl dafür verlieren, wann sie sich einmischen dürfen oder sollten. „Hättest du Eizellen eingefroren, dann hättest du vielleicht die Chance auf ein eigenes Kind sicherlich erhöht!“ – Ja, super, als ob man sich mit 42 und mehreren erfolglosen Befruchtungsversuchen nicht selbst schon genug Vorwürfe macht.

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