Gedanke

Feminismus als Lösung: Sexismus am Valentinstag

Feminismus und Valentinstag

Heute ist: Valentinstag!

Die einen lieben diesen Tag und planen ihn schon seit Wochen. Andere hassen ihn und beschimpfen jeden, der sich anders äußert als Konsumopfer. Und wieder anderen ist dieser „Tag der Liebe“ völlig egal.

Ich gehöre normalerweise zur dritten Gruppe. Aber in diesem Jahr wurde ich von so viel sexistischer Werbung überrollt, oder ich bin nur sensibler dafür als früher, dass ich einfach etwas dazu schreiben muss. Denn ich habe Mitleid.

Sie tun mir so, so leid. Die Männer.

Ich möchte ihnen allen sagen: Ihr müsst euch keine Liebe kaufen! Ihr müsst nicht nur an Sex denken, wir mögen euch auch, wenn ihr mal keine Lust habt. Auch ihr Männer habt ein Anrecht darauf, manchmal einfach nur kuscheln zu wollen. Ihr seit auch dann „echte“ Männer, wenn ihr keine extra-teuren Schmuckstücke kaufen könnt.

Wie schlimm muss es sein, so sehr in eine Rolle gedrängt zu werden? Ich stelle es mir grausig vor, von überall zugerufen zu bekommen, dass man nur dann etwas wert ist, wenn man seiner Partnerin teuren Schmuck und exquisite Pralinen kaufen kann. Auch die Vorstellung, nur dann Sex zu haben, wenn man sich ihn vorher mit Geschenken verdient hat, jagt mir Schauer über den Rücken.

Wer denkt dann bitte an all die Männer da draußen, die nicht reich sind, die heute mal keine Lust auf Sex haben, die vielleicht keine Partnerin, aber einen Partner haben oder die ganz glücklich damit sind, dass sie beides nicht haben?

Geschlechterklischees überall

Ich meine, die Frauen sind auch nicht besser dran an diesem Tag. Es kann noch so ein beschissener Tag gewesen sein, wenn Abends der Mann nach Hause kommt und Blumen, Pralinen und Schmuck dabei hat, dann hat man gefälligst in seinen durchsichtigsten (und teuersten!) Dessous bereit zu stehen, sich über die unpersönlichen Geschenke zu freuen und danach lässt man sich schön passiv besteigen. Wehe, man hat keine Lust, schließlich ist es der Tag der Liebe und man ist es dem Mann schuldig, dass er heute (ausnahmsweise!) mal Sex bekommt. Noch schlimmer wäre es ja nur, wenn man selbst gerade Lust hätte und nicht passiv darauf wartet, dass er anfängt, sondern selbst die Initiative ergreift. Wo kämen wir denn dahin, dann wären die ganzen Geschenke ja unnütz gewesen!

Die armen homosexuellen Menschen. Wie schwer muss es sein.

Zwei Männer, die sich gegenseitig beschenken und am Ende keinen Sex haben, weil sie sich streiten, wer denn jetzt den ersten Schritt gemacht hat. Zwei Frauen, die nichts geschenkt bekommen und ohne Sex nebeneinander im Bett liegen, weil keine den ersten Schritt machen kann. Oder wie stellen sich die Werbe-Leute diese Konstellationen sonst vor? Ich weiß es nicht, sie wurden mir nicht präsentiert…

Valentinstag – ein Tag wie jeder andere?

Vielleicht ist es die Lösung. Den Valentinstag als einen ganz normalen Tag sehen. Wenn man Lust hat, dann macht man lieben Menschen an diesem Tag ein Geschenk. Warum auch nicht, schließlich ist es ein lieber Mensch? Und wenn man keine Lust hat, dann halt nicht. So wie jeden anderen Tag auch.

Wenn ich als Frau etwas geschenkt bekomme, dann freue ich mich, fühle mich aber nicht verpflichtet den Abend Sex zu haben. Wenn ich als Mann nichts verschenke, schließt das nicht aus, dass ich den Abend Sex habe. Und wenn Geschenke und Sex zusammen kommen an diesem Tag, dann hängt das vielleicht zusammen, vielleicht aber auch nicht.

Es könnte nämlich sein, aber das ist nur so eine Vermutung von mir, dass Sex viel besser ist, wenn beide Lust haben und nicht, wenn beide sich verpflichtet fühlen, weil es der Tag verlangt.

Aber was weiß ich schon, ich bin jetzt eine Ehefrau in einer heterosexuellen Paarbeziehung. Es ist der erste Valentinstag seit unserer Hochzeit, ich bin also dazu verpflichtet heute Abend (möglichst passiv!) mit meinem Mann zu schlafen. Aber nur, wenn er auch mindestens ein Monatsgehalt für möglichst unpersönliche, dafür glitzernde und zuckerhaltige Geschenke in Herzform ausgegeben hat.

Oder habe ich meine Rolle falsch verstanden? 


Und ja, genau das ist der Grund, warum wir Feminismus brauchen. Damit Männer nicht auf „Sex-Mit-Geschenken-Kaufend“ und Frauen nicht auf „Geschenke-Mit-Sex-Bezahlend“ reduziert werden.

Ich habe nämlich nicht grundsätzlich etwas gegen den Valentinstag. Wenn es Paare glücklich macht sich heute zu beschenken und ihre Liebe, wie auch immer, zu feiern, dann sollen sie es tun. Es spricht absolut nichts dagegen und eine Menge dafür. Nur die dazu vermittelten Geschlechterklischees gehen mir gegen den Strich.

Oder wie siehst du das?

16 Kommentare

  • Danke für den tollen Text!
    Er fasst wirklich alles zusammen und das auch noch von allen Seiten. Wirklich gut!

    Lieben Gruß | Barbara
    P.S. Und was machen die, die zwar verheiratet aber an dem Tag an verschiedenen Orten sind? 😀

    • Danke für den lieben Kommentar. Freut mich, dass er bei dir so ankommt, wie ich ihn mir gedacht habe. 🙂

      Hm, ich würde sagen: Dafür gibt es Kuriere die Geschenke bringen 😉 Aber natürlich wird die Rolle so nicht perfekt erfüllt. Wenn man wirklich glücklich verheiratet wäre, hätte man alles drangesetzt am Valentinstag nicht getrennt zu sein… 😉

      LG Lexa

  • Ich liebe deinen Text sehr! Das ist einer der Gründe, warum mich der Valentinstag wirklich annervt weil das einer der Sexismus-Höhepunkte des Jahres ist, und das macht mich ziemlich rasend. Dafür liebe ich deinen Text, weil du das ganz wunderbar herausgestellt hast!

    Alles Liebe
    Lisa

  • Sehe ich ganz genauso! Mein Freund und ich feiern diesen Tag auch nicht, wir gönnen uns lediglich ein leckeres Essen zusammen und entspannen gemeinsam in der Badewanne 🙂 Geschenke braucht es nicht und wenn dann würden wir uns eh gegenseitig etwas schenken.

    • Moin Adrienne,
      das klingt doch nach einer sehr schönen Paarbeschäftigung. Wir passen leider nicht mal alleine in unsere Wanne, da wird das nichts mit dem zusammen baden 😀
      LG Lexa

  • Oh man ja 🙁 Von der Warte habe ich den Tag noch gar nicht betrachtet – wirklich schlimm! Zum Glück interessiert uns der Tag beide nicht… Mein Freund beweist mir jeden Tag seine Liebe, wenn er mir einfach nur ein süßes Hunde-GIF schickt, weil er weiß, dass ich es mag und im Gegenzug auch nichts davon erwartet…

  • Jaja, der Valentinstag…
    Die Geschlechterklischees finde ich auch ziemlich nervig, früher habe ich mich sogar manchmal gefragt, ob ich keine „richtige“ Frau bin, weil ich mit Blumen nix anfangen kann und mich über 3 Tafeln ja!-Schokolade mehr freue als über teure Pralinen, die ich eh nicht mag. Am schlimmsten finde ich aber vor allem diese „Es ist Valentinstag, da ist keiner gern alleine!“-Mentalität. Nur weil ich diesen Tag alleine verbringe heißt das doch nicht, dass ich einsam bin oder hässlich oder dumm oder sonstwie abstoßend und deswegen keinen Partner habe. Vielleicht bin ich einfach zufrieden so wie es ist und nicht der Auffassung, dass ich einen Partner brauche um glücklich zu sein. (was nicht heißen soll, dass ich das jedem Pärchen unterstelle, das ich sehe)

    Aber auch dieser Druck, der (meines Erachtens vor allem auf die Männer) ausgeübt wird, stört mich. Es ist wie du schon sagst, Männer werden in die Rolle gedrängt, sich mit Geschenken Sex kaufen zu wollen bzw zu müssen, was ich absolut bescheuert finde, schließlich haben auch Männer andere Interessen als Sex und es soll ja tatsächlich Männer geben, die gerne auch mal nur kuscheln oder sogar reden wollen…
    In meinen Augen werden die Männer zu einem Steinzeitmenschen degradiert, der nur Essen und Sex im Kopf hat (und natürlich Fußball!), Frauen hingegen sind die frigiden Spaßbremsen, die es sich anscheinend zur Lebensaufgabe gemacht haben, ihrem Mann das Leben so unschön wie möglich zu machen. Das ist aber leider nicht nur am Valentinstag so, auch sonst vermitteln die Medien vielfach diese Rollen.

    Dass alles außer heterosexuellen Pärchen völlig ausgegrenzt wird, macht die Sache auch nicht besser, andererseits würde es mich glaube ich noch mehr stören, wenn auch hier Klischees bedient und gestärkt würden. (Schwule trinken viel Prosecco, reden komisch und interessieren sich nur für Schuhe und Handtaschen; Lesben hassen Männer, sind dick und ungepflegt; etc pp…)

    Ich denke, es ist noch ein weiter Weg bis diese Klischees aus den Köpfen der Menschen (und aus den Massenmedien) verschwunden sind, aber nur wenn man darüber redet und kritisiert, kann das überhaupt passieren und deshalb brauchen wir Blogposts wie deinen!

    Liebe Grüße,
    Charly 🙂

    • Ich fühle mich fast ein bisschen schlecht, aber mir fällt nicht mal eine nur zu einem Drittel so tolle Antwort ein, wie es dein Kommentar ist. Ich kann nur sagen: Absolute Zustimmung in allen Punkten und Danke! 🙂
      LG Lexa

      • Vielen Dank für die Blumen 🙂
        Und ich hatte mich schon gefragt, ob es nicht irgendwie blöd ist, wenn ich immer so ellenlange Kommentare hinterlasse… 😀

        • Oh, nein. Ganz und gar nicht! Ich finde es super, wenn sich hier jemand die Mühe macht und meine Artikel liest und dann auch noch ausführlich kommentiert. Eine bessere Wertschätzung gibt es gar nicht.
          Also gewöhne dir das bloß nicht ab, du zauberst mir damit jedes Mal ein Lächeln aufs Gesicht 🙂
          LG Lexa

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