Leben

Von jemandem, der bei mir einguckte und Bierbricken mitbrachte

Bierbricken

Letzte Überarbeitung am 25. August 2016

Wenn ihr den Titel ohne Nachdenken verstanden habt, dann kommt ihr höchstwahrscheinlich aus dem Norden Deutschlands, oder?

Vielleicht ja sogar irgendwo innerhalb des roten Kreises?

Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich groß.

Wie ich darauf komme und warum ich das frage?
Ich habe mich mal wieder unterhalten. Und dabei muss ich relativ oft erklären, was ich meine.
Ich bin nämlich nach dem Abitur von innerhalb des roten Kreises 300km weiter südlich gezogen zum studieren.
Man sollte meine, keine große Entfernung innerhalb eines Landes. Die Sprache sollte die selbe sein. Aber ne. Pustekuchen.

Es ist echt erstaunlich, wie oft ich drauf angesprochen werde, ob ich „aus’m Norden“ komme. Man würde meinen Dialekt ganz deutlich hören.
(Witzige Nebenanekdote: Meistens kommt diese Frage nach der Aussage: „Wir sind hier ja in Norddeutschland!“ … wo ich mir dann immer denke: „Ja, eindeutig. Deswegen sprecht ihr mich auch auf meinen Dialekt an. Ist klar und logisch. :D“)

Und jetzt frage ich mich: Geht euch das auch so?
Habt ihr in eurem Leben die Region in der ihr lebt gewechselt und musstet auf ein Mal erkennen, dass ihr Wörter benutzt, die nicht verstanden werden?
Mir persönlich war es nämlich zum Beispiel nicht klar, dass das Wort „Bierbricken“ nicht für jeden ganz normal ist. Bis ich in der Kneipe fragend angeguckt wurde. Ein Bierbricken ist übrigens ein Bierdeckel.

Und auch als in einer Freundin sagte, sie könne ja am nächsten Morgen kurz auf ’nen Kaffee eingucken, wenn sie sowieso in der Gegend sei, erntete ich nur verständnislose Blicke. Damit meinte ich doch nur, dass sie mal vorbeisehen könne, bei mir Klingeln sollte. „Hallo“ sagen, sozusagen. Aber halt nicht für einen langen Besuch, sondern nur für einen kurzen Schnack. Zwischen zwei anderen Terminen.

Schnack, auch so ein Wort. Bedeutet einfach mit jemanden reden. Über belangloses Zeugs. Nichts wirklich wichtiges, nicht tiefschürfendes. Klatsch und Tratsch und Neuigkeiten austauschen.

Ich mein, wenn ich zum Studieren nach Bayern gezogen wäre, dann hätte ich damit gerechnet zum Teil nicht verstanden zu werden und nicht zu verstehen. Aber bei der Entfernung?
Es traf mich unvorbereitet.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?
Oder wisst ihr Wörter, die nur in euer Region genutzt werden und die sonst nicht bekannt sind?

Und zur Information für alle angeblichen Nordlichter:

Alles unterhalb der Elbe gehört zu Nord-Italien! Klick um zu Tweeten

Und ja, ich weiß, dass die Elbe über Magdeburg bis nach Dresden (und weiter) geht (oder eher andersrum…aber von Nord nach Süd halt 😉 ). Aber Sprichwörter sind Sprichwörter!

14 Kommentare

  • Haha, 300km weiter südlich? Ernsthaft? So klein ist die Welt. Meine Heimatregion! <3 Und wir kennen hier definitv die Wörter eingucken und schnacken. Bierbricken kenn ich nur, weil ich regelmäßig dort Urlaub mache, wo du herkommst 😉
    Und wenn die Leute dich verwundert angucken, kannst du nur in BS gelandet sein, oder?:D Das ist nämlich ein sehr seltsames Völkchen 😉

    Und nö, sonst hab ich eher keine Probleme. Bin aber auch noch nicht so weit rumkommen, bin jetzt nur etwa 150 km von der Heimat weg. Hier ist vieles ähnlich. Auch das Platt.

    • Ja, du hast recht damit, wo ich gelandet bin.
      Vielleicht liegt es wirklich direkt hier an der Stadt und nicht an der ganzen Region. Interessanter Gedanke!

  • Ich wohne in Bayern, gehe aber 7km weiter westlich nach Baden-Württemberg in die Schule. Leute, die in Baden-Württemberg wohnen und dagegen 7km Richtung „Grenze“ fahren, haben uns in den ersten Schuljahren auf dem Gymnasium auch nicht immer verstanden, vor allem, wenn wir „viertel zwei“ statt „dreizehn Uhr fünfzehn“ gesagt haben. 😀

  • Haha ja das kenn ich auch 😀 Hier in Hannover versteht mich jeder, das größere Problem ist eigentlich die Kommunikation mit meinem Freund der aus Köln kommt. Ich sag zum Beispiel „Ieh du hast Käsemauken!“ Und er guckt mich nur fragend an, andersrum sagt er „Ich nehm einen Plymo mit.“ und ich brauch eine Woche bis ich verstehe dass er seine Bettwäsche mitbringen will 😀 Ist echt witzig was es da für Missverständnisse entstehen und wie die Sprache sich von Region zu Region unterscheiden kann. Bis auf „Bierbricken“ kannte ich übrigens alle Wörter und Floskeln in deinem Text 😉 Komme aus einer Gegend in der noch viel platt gesprochen wird! (:

  • Ohja, das kenne ich zu gut.
    ich komme aus dem gebiet ostwestfalen lippe (nrw) und studiere jetzt in baden Württemberg….man man man hier ist so einige anders.
    die Leute hier sagen frägt, als wäre das grammatikalisch richtig 😀 ganz komisch. Mit den Uhrzeiten kam ich am Anfang gar nicht klar dreiviertel drei und sowas.
    was auch mal lustig war. Ich saß im Bus und war es gewohnt dort essen zu dürfen – fehlanzeige, hier geht das ja mal gar nicht ! Der Busfahrer hat aufeinmal zu mur nach hinten gerufen ‚hier wird nicht gevespert!‘ und ich ‚wie bitte?‘ er also wieder ‚hier wird nicht gevespert‘ …bis ich ihm erklärt habe, dass ich nicht weiss was gevespert bedeutet xD vespern ist hier so ne Art Brotzeit also pausenbrot, butterbrot alles irgendwie 🙂
    und alle meinen man hört, dass ich nicht von hier komme 🙂

  • Ich komme von etwa zwei Daumen runter – und dort wird Recht „gutes“ Deutsch gesprochen; von daher fallen mir Dialekte besonders auf. Schweizer, Hessisch, Brandenburg, Berlin, Pott, Platt… Akkes richtig schlimm.

    Bei uns soll woll das Wor „Ur“ bzw „urst“ sehr oft benutzt wird. Beispiel: „Das ist ur geil!“ oder „Das ist urst der gute Film“.

    „Eingucken“ kenne ich zwar nicht. Aber im selben Sinne kenne ich „reingucken“, wobei das öfter bei Geschäften der Fall ist.

  • Haha, wie genial! 😀
    Ich komme aus Rostock und habe drei Jahre lang in Magdeburg gelebt. Und dieses „Du kommst aus m Norden“ Ist mir sooowas von bekannt 😀

    Aber mir gings mit den Wörtern eher immer andersrum. Die Magdeburger hatten Worte (Sprechweisen -mir & mich vertauscht), mit denen ich nichts anzufangen wusste.

    Ich hab mich dann einfach immer mehr auf zu Hause gefreut 😀

  • Als ich für eine Auslandssemester in China war hatten wir dort auch eienige Studenten aus NRW die einen manchmal echt nicht verstanden haben. Komische Menschen sind das da im Westen 😀

  • Hey 😀 ein guter Post! Als – zugezogene – Hamburgerin, aber waschechtes Nordlicht muss ich vor allem bei einer sache sehr, sehr zustimmend nicken: Südlich der Elbe ist Norditalien. Punkt! ☺ Traue mich auch kaum noch rüber, deshalb kann ich dir über Sprachbarrieren wenig berichten. Aber sehr verständnislos den Kopf schütteln, wenn Touristen hier komische Dinge sagen 😀

  • Lustiger Post! 🙂

    Bei uns gibt es in jedem Dialekt so viele eigene, spezielle Wörter, dass es immer wieder vorkommt dass ich einzelne Wörter nicht verstehe. Vom Französisch, Italienisch und Rätoromanisch wollen wir gar nicht erst anfangen. Daher finde ich es ganz normal dass man einzelne Wörter (bzw. fast die ganze Sprache) im selben Land nicht unbedingt versteht… 😉

  • […] Als meine Heimat empfinde ich den Kreis Ostholstein und die angrenzende Hansestadt Lübeck. Hier bin ich aufgewachsen und hier hat es mich nach meinem Studium wieder hingezogen. Die gesamte Region ist zum Verlieben, denn die Landschaft ist wunderschön (grün, weitläufig und immer Wasser in der Nähe), die Menschen haben ihre ganz eigene Herzlichkeit (wenige, dafür ehrliche Emotionen) und die Sprachmelodie lässt mir das Herz aufgehen und mich zu Hause fühlen. […]

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