Ernährung

Leitungswasser – empfehlenswertes Trinkwasser?

trinkwasser-leitungswasser

Letzte Überarbeitung am 5. Mai 2017

Vor einigen Tagen bekam ich bei Facebook eine Nachricht mit einer Frage zu meinem Artikel über Wasser.

[…] Wir sind eine vierköpfige Familie, wenn wir alle so viel trinken wie empfohlen, dann wäre ich nur am Wasserflaschen schleppen. Ist Leitungswasser eine Alternative? […]

(sinngemäß zitiert)

Ist Leitungswasser also auch empfehlenswertes Trinkwasser?

Leitungswasser in Deutschland kommt zu ungefähr 68% aus Grundwasser, zu 15% aus Oberflächenwasser, zu 8% aus Uferfiltrat und zu 9% aus künstlich angereichertem Grundwasser. ¹  Es ist also kein aufbereitetes Abwasser, das da aus unseren Hähnen kommt. Dieses Gerücht hält sich anscheinend auch weiterhin hartnäckig.

Die Trinkwasserverordnung in Deutschland

Die Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch regelt in Deutschland sehr genau, was im Trinkwasser sein darf und was nicht. So kommt es hier zu Lande dazu, dass unser Leitungswasser strengeren Richtlinien und Kontrollen unterliegt als das Wasser aus der Flasche. 

Pro und Contra von Flaschenwasser

– viel Auswahl
– unterschiedliche Geschmacksnuancen
– Mineralstoffanreicherung
– transportabel

– teurer
– schwer zu tragen

bei Plastik:
– Möglichkeit von Hormonen und sonstigen Rückständen im Wasser
– starke Umweltbelastung

Für das Wasser aus der Flasche spricht eindeutig die Vielfalt des Angebots. Wasser ist nicht gleich Wasser und jede Marke schmeckt etwas anders. Jeder findet also das Wasser, was ihm am Besten schmeckt.
Auch die Anreicherung mit Mineralstoffen wie Calcium oder Magnesium kann vorteilhaft sein. Aber achte beim Kauf ganz genau auf das Etikett, nicht alle Flaschenwässer haben mehr Mineralstoffe als Leitungswasser. Es gibt starke Unterschiede von Marke zu Marke. Und: Ein normaler, gesunder Mensch deckt seinen Mineralstoffbedarf über die Nahrung. Die täglich getrunkene Menge spielt nur eine sehr kleine Rolle. An Osteoporose erkrankte hingegen sollten darauf achten ein Wasser mit mindestens 400mg Calcium/l zu trinken.

Der Nachteil von Flaschenwasser ist für jeden merkbar die Schlepperei der Flaschen nach Hause und der hohe Preis im Vergleich zu Wasser aus dem Hahn.

Aber auch die Gefahr von Plastikflaschen die Inhaltsstoffe des Kunststoffes an das Wasser abgeben können ist nicht zu unterschätzen. Ein großes Problem stellen Plastikflaschen für die Umwelt da. Für uns nicht direkt bemerkbar, aber die Müllberge weltweit wachsen und unser hoher Plastikflaschenverbrauch hat da einen nicht unerheblichen Anteil dran.

Pro und Contra von Leitungswasser

– günstig
– kein Schleppen
– sehr gut kontrolliert

– nur stilles Wasser
– nur ein Geschmack
– Möglichkeit der Verunreinigung durch Bleirohre
– Möglichkeit von Medikamentenrückständen

Trinkwasser aus der Hausleitung ist gegenüber Flaschenwasser sehr günstig und die nervige Schlepperei entfällt. Hahn auf, Glas unter, und fertig. Außerdem wird die Qualität des Wasser sehr engmaschig kontrolliert.
Allerdings nur bis zum Hausanschluss, danach unterliegt die Kontrolle dem Hauseigentümer. Das heißt, wenn die Hausleitungen alt oder mangelhaft sind, kann auch sehr hochwertiges Leitungswasser Spuren von Blei, Kupfer oder anderen Metallen enthalten.

Hinzu kommt die Gefahr von Medikamentenrückständen, die nicht gefiltert werden konnten. Bei Grund- oder Quellwasser ist diese Gefahr eher nicht vorhanden, wenn du aber in einem Gebiet wohnst, in dem das Leitungswasser überwiegend aus Uferfiltrat gewonnen wird, besteht die Möglichkeit.

Gemeinden und Wasserwerke geben über die Art der Trinkwassergewinnung aber meist bereitwillig Auskunft. Frage also einfach nach, wenn du dir unsicher bist.
Im Gegensatz zum Flaschenwasser kommt Leitungswasser mit nur einem Geschmack aus dem Hahn. Dieser Geschmack ist von Region zu Region verschieden und gefällt nicht jedem. Gerade wer von Flaschenwasser auf Leitungswasser umsteigt, ist vom oft Geschmack nicht begeistert. Meist gewöhnt man sich aber daran.
Bei sehr kalkhaltigen Wasser kann zum Beispiel ein Wasserfilter* helfen. Durch die Filterung des Kalks ändert sich auch der Geschmack. Ansonsten helfen Kräuter wie Zitronenmelisse, Minze oder Zitronengras dem Wasser etwas Geschmack zu geben. Auch Früchte können helfen das Wasser etwas aufzupeppen.

Und wem die Kohlensäure fehlt, der freundet sich vielleicht mit einem Wassersprudler* an.

Fazit

Sowohl Flaschenwasser als auch Leitungswasser haben Vorteile und Nachteile. Die Entscheidung liegt letztendlich bei dir.

Ich kann dir nur empfehlen: Informiere dich über deine Hausleitungen und die Art der Trinkwassergewinnung in deiner Region.

Und wenn beides in Ordnung ist, dann probiere es doch einfach mal mit Leitungswasser.

Welche Vor- und Nachteile haben Leitungswasser und Flaschenwasser? Was ist gesünder für uns und die Umwelt? Die Antworten gibt es hier.

Nimm mich mit zu Pinterest


Weiterführende Links:

¹ = http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/bericht-des-bundesministeriums-fuer-gesundheit-des-2

Österreich: Verordnung des Bundesministers für soziale Sicherheit und Generationen über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasserverordnung – TWV)

Umweltbundesamt: Rund um das Trinkwasser

 

8 Kommentare

  • Ich trinke schon seit vielen Jahren nur Leitungswasser. Für unterwegs aber nehme ich Sprudel mit.
    Früher hatten meine Eltern, um Sprudel zu sparen, einen Sodastream. Nach einiger Zeit schmeckte uns das aber nicht mehr.
    Es heißt immer, das Leitungswasser sei nicht bedenklich und sehr gut (zumindest in Aachen). Sogar in Rom habe ich Leitungswasser getrunken. Ich würde das aber nicht in allen Ländern machen, aber in so vielen war ich auch noch nicht. 😉

    • Man muss ja auch nicht nur Leitungswasser trinken und völlig auf Mineralwasser verzichten, aber die Menge macht es. Wie bei allem 😉
      In Italien weiß ich gar nicht, wie die Qualität da sein soll… aber in den DACH-Ländern ist es auf jeden Fall in Ordnung/sogar gut Leitungswasser zu trinken.

  • Bei uns gibt es beides: Flaschen- als auch Leitungswasser.
    Allerdings ist das Wasser hier ziemlich kalkhaltig, so dass wir es nicht „pur“ trinken, sondern es vorher durch einen Filter laufen lassen. Es ist auch vorrangig für unterwegs, zu Hause trinken wir meist gekauftes Wasser in Glasflaschen. Wir bilden uns ein, dass das gesünder ist als das aus Plastik, was wir früher hauptsächlich gekauft haben.

    • Glasflaschen haben abgesehen von dem Gewicht viele Vorteile. Gesünder sind sie bestimmt, schließlich gibt Glas nichts ab im Gegensatz zu Plastik.
      Hier ist das Wasser auch sehr kalkhaltig und um Tee zu kochen nutze ich auch einen Filter vorher. Trinken tue ich es allerdings direkt aus dem Hahn, ich habe mich an den Geschmack gewöhnt. Hat etwas gedauert, aber jetzt schmeckt es 😉

      • Ja, das dachten wir uns auch, deshalb sind wir umgestiegen, auch wenn die Plastik-Selter natürlich günstiger ist 😉 Und die Kisten sind zwar schwerer, aber einmal in der Woche kann man das schon mal schleppen *g*
        Ich muss sagen, dass ich eher selten pures Wasser (aus dem Hahn trinke). Ich trinke hauptsächlich Tee, täglich um genau zu sein, und dafür nehme ich gefiltertes Wasser, auch, um den Wasserkocher zu schonen. Und ansonsten eben Selter, reines Wasser gibt es nur, wenn ich eben schnell einen Schluck brauche, z.B. für ne Schmerztablette oder so.

  • Oh, das ist so ein Thema….. Ich achte immer auf Qualität und kaufe bewußt meine Lebensmittel. Ich weiß, dass Leitungswasser durchaus trinkbar ist, ich kann mich da einfach nicht überwinden. Zum einen wg der Rohre und zum anderen wegen der Wasserhähne. Ich bin so ein Bakterienphobiker – ein echt schwieriges Thema für mich.

    • Hm, das ist dann natürlich eine etwas andere Situation bei dir. Da gibt es einen guten Grund, warum du kein Leitungswasser trinkst.
      Der Artikel war mehr als Aufforderung für die gedacht, die bis jetzt einfach nicht dran gedacht haben, das Trinkwasser ja auch aus dem Hahn kommt 😉
      In deinem Fall ist es dann aber halt so. Du musst dich ja nicht zu etwas zwingen, was dir unangenehm ist, wenn es auch eine Alternative gibt.
      Jeder so, wie er am Besten damit leben kann. Nur den Gedanken, ob es Alternativen gibt die vielleicht besser wären, besser für einen selbst oder für die Gesellschaft/Welt, den sollte man zulassen. Aber das tust du ja.

Schreibe einen Kommentar