Gedanke

Ist das schon Ahnenforschung?

MyHeritage

Wie ich letztens feststellte, gehöre ich zu den „Digital Natives„. Und ich als zugehörige zu dieser Gruppe bin eher selten ohne mein Smartphone unterwegs. Vor allem, wenn ich gar nicht unterwegs bin sondern zu Hause auf der Couch sitze und im Fernsehen irgendwas langweiliges läuft.

Heutzutage zappt man nicht mehr durch die Programme, man lässt den Fernseher vor sich hindüdeln und beschäftigt sich stattdessen mit seinem Smartphone.

So ging es mir vor ein paar Wochen. Ich kann nicht mal mehr sagen, was genau eigentlich lief, es interessierte mich auf jeden Fall nicht. Meine Aufmerksamkeit wurde erst in der Werbung geweckt.

Ja, genau. In der Werbung. Ausgerechnet.

https://www.facebook.com/video.php?v=941466262532689

(Das Video einbinden funktioniert leider irgendwie nicht, aber der Link führt direkt zu der Werbung, die ich gesehen habe.)

Ich erinnerte mich daran, dass ich vor einigen Jahren schon mal angefangen hatte einen Stammbaum zu erstellen. Ich bin nicht weit gekommen, ich habe auch nicht viel Arbeit reingesteckt. Aber die Idee dahinter, gefiel mir noch immer. Herausfinden, wo man eigentlich her kommt. Welche Gene immer noch irgendwo in einem schlummern. Und mit welchen lebenden Personen man vielleicht verwandt ist, ohne es zu wissen.

Also nutze ich das Smartphone, das sich bereits in meiner Hand befand und lud mir die App von MyHeritage runter. Einfach mal gucken, was damit so geht. Ein bisschen Zeit rumkriegen, bis es endlich nicht mehr zu früh war um ins Bett zu gehen. 😉

Ich trug den Rest des Abends Daten ein. Alles, was mir so einfiel. Über mich, meine Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins… und dann wars das auch schon. So richtig viel kam dabei nicht zusammen, ich wusste nicht unbedingt viel über meine Familie. An den meisten Geburtsdaten scheiterte es schon. Die Tage ging ja noch, aber die Jahre?

Am nächsten Morgen gefiel mir die Idee immer noch dieses Mal einen richtigen Stammbaum zu erstellen. Mich mal reinzuhängen und etwas über meine Familie herauszufinden. Aber nur mit der App war mir das dann doch zu mühselig, ich tippe nicht gerne auf dem Smartphone.

Also öffnete ich die Internetseite von MyHeritage und war positiv überrascht, dass die Synchronisation wirklich einfach so funktionierte.

Und dann kam die nächste positive Überraschung, als ich das bisschen, was ich über die Familie meines Opas wusste vervollständigte: Smart Matches

MyHeritage sucht nach Übereinstimmungen mit fremden Stammbäumen. Und als ich meinen Opa und seinen Bruder eingetragen habe schlug mir MyHeritage einen weiteren Stammbaum zur Ansicht vor, in dem diese Personen wohl auch vorkommen. Diese Übereinstimmung kann man dann ablehnen oder annehmen. Diese Treffer nennen sich Smart Matches. In meinem Fall stimmte es, die Personen die ich eingetragen habe kamen auch in diesem fremden Stammbaum vor und ich konnte mir ansehen, welche Personen dort noch eingetragen waren, die ich so noch gar nicht aufm Plan hatte.

Smart Matches gehören zu den Sachen, warum das Internet unser Leben um so vieles einfacher machen kann. Ich wusste, dass ich Verwandschaft in Dänemark habe, dass die Familie meines Opas aus Dänemark kommt. Was ich aber nicht wusste ist, dass es in Dänemark jemanden gibt, der mit MyHeritage seinen Stammbaum erstellt und und die Vorfahren meines Opas (also meine Vorfahren) bis zum Jahr 1637 zurück verfolgt hat. 1637!

Bis ich dahin vorgestoßen wäre, hätte ich auf „altmodische“ Weise wohl einige Jahre gebraucht. Auf jeden Fall viele, viele Arbeitsstunden. So ist es immer noch sehr zeitintensiv sich die vorhandenen Daten anzusehen und wenn man möchte bei sich einzutragen, aber die Hauptarbeit hat schon jemand anderes für einen geleistet.

Und deswegen frage ich mich ein bisschen: Ist MyHeritage Ahnenforschung?

Oder ist es nicht eher nur ein Spielplatz für all jene, die schnelle und viele Erfolge sehen wollen ohne etwas dafür zu tun?

Denn diese Suche nach Übereinstimmungen birgt auch Gefahren. Falsche Informationen werden so noch schneller verbreitet und vielleicht auch ohne Prüfung übernommen. Es muss ja nicht mal Absicht sein, es reicht ein einfacher Zahlendreher der immer weiter gegeben wird.

Ich werde auf jeden Fall Vorsicht walten lassen bei den 128 Smart Matches, die laut der gestrigen Mail für mich neu gefunden wurden. Sie mir genau ansehen und lieber nicht bestätigen, wenn ich mir nicht sicher bin oder mir irgendwas komisch erscheint.

Außerdem habe ich mir vorgenommen mich über Smart Matches zu freuen, meine Hauptinformationen aber woanders zu bekommen. Ich werde mich jetzt nach und nach mit meinen Großeltern zusammen setzen und sie über die Familie ausquetschen. Den Laptop immer dabei 😉

Denn eigentlich, ist es doch das, worum es geht, wenn man einen Stammbaum erstellt: Seine Familie kennenlernen.

Und das tut man halt nicht nur über die Geburts- und Sterbedaten von Vorfahren von vor 10 Generation (nochmal 1637!), sondern in dem man sich Geschichten anhört. Und diese Daten von so weit früher, die sind toll und interessant, aber noch interessanter ist es mit den Menschen zu sprechen.

Ich bin jetzt bei 120 Personen in meinem Stammbaum und habe bisher nur mit einer Großmutter gesprochen. Die meisten fehlen mir also noch und ich bin gespannt, was ich so erfahren werde.

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Jetzt wüsste ich gerne von dir: Interessiert dich sowas wie einen Stammbaum erstellen? Oder glaubst du, du weißt schon alles, was du über deine Familie wissen willst?

9 Kommentare

  • Ahnenforschung ist schon relativ cool, birgt aber die üblichen Logos-Gefahren.

    Ich persönlich habe das Glück, dass in den letzten 20 Jahren auf beiden Seiten meiner Familie schon relativ viel gemacht wurde. Darum weiß ich, dass ich mütterlicherseits Verwandte in Puerto Rico habe (die dorthin ausgewandert sind) und väterlicherseits ziemlich sicher Hugenotten als Vorfahren habe.
    Während väterlicherseits nicht viel mit dem Stammbaum gemacht wurde (außer ihn zu kopieren und weiterzugeben), hatten die Leute aus Puerto Rico schon den Wunsch, ihre deutschen Wurzeln zu entdecken und deswegen besteht da auch über Facebook Kontakt.
    Ahnenforschung kann da also angenehme neue Kontakte bringen.

    Manchmal zeigt Ahnenforschung aber auch, dass man mit jemandem doch nicht über x Ecken verwandt ist. In Brandenburg gibt es, soweit ich weiß, zwei komplett verschiedene Familiengruppen mit meinem Nachnamen. Und irgendwie gab’s da wohl auch den Fall, dass Leute zusammengearbeitet haben, dann aber komplett das Interesse aneinander verloren, als sie festgestellt haben, dass sie doch nicht verwandt sind. Als ob es etwas ändert, ob man nun vor 250 Jahren einen gemeinsamen Vorfahren hatte oder nicht?

    Am Ende ist es bei der Ahnenforschung also wie bei vielen Dingen: es kommt drauf an, was man am Ende selbst daraus macht.

    • Ich muss zugeben, mit dem Begriff „Logos-Gefahren“ kann ich jetzt gar nichts anfangen. Meinst du damit, dass ich mir selbst und meiner Familie durch meine Ahnen ein Logo aufdrücke? Also wenn ich zum Beispiel nur Verbrecher entdecke, denke, dass ich ja zwangsläufig auch kriminell werden muss?

      Es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Und in meinem Fall bin ich einfach neugierig überhaupt mal etwas über meine Familie zu erfahren. Denn bis jetzt hat es mich eigentlich nie wirklich interessiert, wer alles dazugehört.

      Und nein, ich glaube nicht, dass ein gemeinsamer Vorfahre vor 250 Jahren (oder halt nicht) etwas ändert. Nicht daran, wie man sich heute verhält. Allerdings sagt diese Haltung sehr viel über die Menschen aus, die dadurch doch ihr Verhalten ändern.

      • Logos ist „das Wort“, es ist das, womit etwas identifiziert wird und was dann uneingeschränkt gilt. Wenn ich als Frau identifiziert werde, dann folgt daraus, dass ich A) kein Mann bin und B) vermutlich einige typisch weibliche Eigenschaften habe. Aus dem Wort, mit dem ich bezeichnet werde, ergeben sich also bestimmte Regeln für mein Verhalten.

        Problematisch wird es dann, wenn die Selbst-Identifikation nicht mit der Fremd-Identifikation übereinstimmt oder man mit den zugeschriebenen Eigenschaften nicht in Ordnung ist. Ich identifiziere mich zum Beispiel als weiblich und ich mag rosa/pink, aber ich kann beim Möbelaufbauen gut mit anpacken und bin auch nicht dumm. So als ganz einfaches Beispiel.

        Und Ahnenforschung hat dieses Problem und diese Gefahren in zwei Richtungen:
        Zunächst der Fall, den ich beschrieben habe, also dass sich Menschen nur aufgrund der Annahme gemeinsamer Ahnen füreinander interessieren und über das andere Gemeinsame, das sie sich zusammen erarbeiten, total vergessen.
        Oder eben auch, dass mit dem Begriff „Ahnenforschung“ ein bestimmtes Niveau verbunden wird („Richtige Ahnenforschung ist es ernst, wenn ich mindestens fünf Generationen abdecke.“ oder Ähnliches), damit Druck entsteht und dann jemand dieses Hobby entmutigt aufgibt.

        • Ah, danke für die Erklärung. Jetzt habe ich verstanden was du meinst.
          Und du hast recht, Ahnenforschung birgt wirklich diese Gefahren. Sehe ich auch so.

          Allerdings zählt im Endeffekt ja nur, was man daraus macht und nicht, was möglich gewesen wäre 😉

  • Ahnenforschung ist verdammt cool. Theoretisch, wenn man sich für seine Vorfahren wirklich interessiert. Mir ist das relativ egal (wie auch der traditionelle Begriff der „Familie“… aber das ist was anderes).

    Meine Mutter hat mal zurückgeforscht und kam da ins Jahr 17hundert-irgendwas. Echt. Nachweislich, mit Geburtsurkunden und Übersetzern und so.

    • Da hast du recht, man muss sich halt dafür interessieren.
      Ehrlich gesagt kann ich noch nicht sagen, wie weit ich mich wirklich dafür interessiere, oder ob es nur eine momentane Laune ist. Das wird sich zeigen, wenn es wirklich zu Arbeit wird mehr rauszubekommen 😉

      Das ist doch interessantes Wissen über eure Familie. Und auch, wenn es dich nicht interessiert, die Aufzeichnungen solltest du auf jeden Fall aufbewahren. Vielleicht gibt es irgendwann jemanden, den es interessiert. Oder du änderst irgendwann doch noch deine Meinung dazu.

  • Hm,

    mein Opa hat sowas früher mal zusammen gestellt. Ich muss mal schauen, wo das jetzt ist. Vielleicht bei meinen Eltern oder deren Geschwistern. Er hat das relativ weit zurück geschafft, das weiß ich noch – bis irgendwann Anfan 1800.

    Es wäre nun wirklich interessant, diese Daten mal in so ein modernes System einzugeben und zu schauen ob es dadurch weitere Linien der Familie zu entdecken sind.

    Danke für einen weiteren Punkt auf meiner „Muss man mal machen“ Liste… 🙂

    LG Thomas

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