Leben

Ich bin unperfekt – und du?

unperfekt

Letzte Überarbeitung am 16. Juni 2017

Da klickte ich mich letztens von Anne zu Ulli um dann bei Katja zu landen und dachte mir hinterher: Tolle Idee! Da mach ich mit.

Worum es geht? 

Dazu zu stehen, wer man ist. Mit all den kleinen Makeln, die man so hat und die man sonst eher nicht öffentlich präsentiert. Die einen aber auch zu dem Menschen machen, der man nun mal ist. Hier kommt sie also, meine Liste der Dinge, die ich nicht kann.

Ich bin unperfekt, weil…

1. …ich keine Schleife binden kann.

Da, das kann ich nicht. Ich mache zwei Schlaufen und einen Knoten. Funktioniert genau so gut. Hält auf jeden Fall. Und den meisten Menschen fällt der Unterschied nicht auf.

2. …ich Small Talk hasse.

Ich finde es einfach grässlich und kann es auch nicht. Wenn ich mich mit Menschen unterhalte dann entweder, weil ich sie kennen lernen will oder weil ich sie schon kenne und mag. Aber zu Reden, nur um des Redens willen? Bitte nicht!

3. …ich keine einzige Grammatikregel kenne.

Ich schreibe rein aus dem Gefühl heraus. Meistens klappt das auch ganz gut. Es hat mir geholfen, dass ich schon immer viel gelesen habe. Aber ich habe jeden Grammatiktest in der Schule komplett in den Sand gesetzt. Ich konnte es mir einfach nicht merken, vielleicht wollte ich auch nicht… Und in Aufsätzen hieß es immer: Inhalt 1, Grammatik 5 oder 6. Bei Zeichensetzung funktioniert mein Gefühl leider nicht so gut, aber ich hatte/habe einen Faible für Bandwurmsätze. Passt nicht zusammen 😉

4. …ich nicht unpünktlich sein kann.

Klingt nicht nach einem Fehler? Kommt mir aber so vor. Ich bin bei Verabredungen grundsätzlich mindestens 5 Minuten vorher am Treffpunkt und wenn ich einen Termin habe tigere ich meistens eine halbe Stunde fertig durchs Haus bis es endlich so spät ist, das ich nicht mehr viel zu früh da bin.

Jetzt scheine ich aber bei Freunden treffsicher immer die raus zu greifen die chronisch zu spät kommen. Ich bin also 10 Minuten zu früh, die sind 15 Minuten zu spät und schon steh ich 25 Minuten irgendwo rum und warte…

Das hat mich irgendwann so genervt, dass ich versucht habe zu spät zu kommen bei den Freunden von denen ich wusste, das sie nie pünktlich sind. Aber es hat nicht funktioniert. Ich konnte noch so viel zu spät losgehen, ich war trotzdem pünktlich. Irgendwie ist die Pünktlichkeit so tief in mir verankert, dass ich sie nicht überwinden kann.

Deswegen verabrede ich mich mit solchen Freunden jetzt nur noch dort, wo man angenehm warten kann. Bei mir zu Hause, in einer Buchhandlung oder sonst wo. Aber nicht an Haltestellen im Winter und nicht in vollen Restaurants wo man böse angesehen wird wenn man einen Tisch für 4 besetzt und alleine dort sitzt.

5. …ich mich stark fremdschäme.

Aber richtig stark. Ich kann keine „Reality Soap“ gucken. Das tut mir körperlich weh, wenn die sich im Fernsehen zum Affen machen oder gemacht werden. Ich muss manchmal sogar „Das perfekte Dinner“ oder „mieten, kaufen, wohnen“ ausschalten, weil mir das Verhalten dort zu schlimm ist. Casting-Vorentscheide zum Beispiel gehen gar nicht. Oder so Sendungen wie „Frauentausch“…da reichen 5 Minuten und ich habe mich so tief in den Sofakissen verkrochen, dass ich da nie wieder rausfinde.

6. …ich die Klappe nicht halten kann.

Nicht, dass ich alle mit anvertrauten Geheimnisse ausplauder. Nein, das nicht. Sondern im Sinne von „bösartigen“ Kommentaren zu Situationen, Verhalten oder Sätzen von anderen. Dabei meine ich das nicht bösartig, wenn man mich nicht kennt, gewinnt man nur leider den Eindruck. Mein Humor ist eben eher trocken und sarkastisch als nett und flauschig. Damit kommen nicht alle klar und ich musste mir schon einige male anhören, warum ich denn so unfreundlich war? Dabei war ich nicht unfreundlich, ich war nur gut drauf…

7. …ich nicht pfeifen kann.

Weder so noch mit Fingern im Mund. Mehr als ein zischen kommt da nicht raus. Klar, angeblich kann das jeder lernen, aber ich bin bestimmt die Ausnahme von der Regel. Geht einfach nicht. Ich habs wirklich probiert.

8. …ich nicht merke wenn ich hicksen muss.

Ich erschrecke mich immer selbst, wenn ich hickse. Mein Freund behauptet immer man würde das doch vorher merken und könnte den Hickser dann kontrollieren, also unterdrücken, wenn es unangebracht ist. Aber das halte ich für ein Gerücht. Ich merke erst, dass ich hicksen muss wenn der erste Hickser raus ist. Und leider muss ich relativ häufig hicksen… zu Hause kein Problem, aber in Restaurants oder in der Supermarktkassenschlange oder vorm DVD-Regal im Laden eher nervig.

9. …ich keinen geraden Schnitt hinbekomme.

Scheren und ich, wir mögen uns einfach nicht. Ich kann nicht gerade an einer Linie entlang schneiden. Das wird immer schief. Immer.

Zusätzlich kann ich dann auch nicht knitterfrei einpacken (und Schleifen binden ja auch nicht 😉 ). Ich freue mich schon riesig drauf, wenn ich mal ein Kind haben sollte, dann kann ich immer behaupten das Kind hätte das Geschenk eingepackt. Wahrscheinlich kann mein Kind das aber schon in sehr jungen Jahren besser als ich. Aber naja, der Inhalt zählt ja, nich?

10. …ich wichtiges immer vor mir herschiebe.

Ich bin ein richtiger Schisser. Wenn mir etwas wichtig ist, dann wird es immer ganz zu letzt erledigt. Vorher finde ich tausend andere Sachen, die auch gemacht werden müssen. Und zwar unbedingt jetzt sofort. Dabei entstehen dann auch mal neue Hobbys, oder mein Bücherregal wird neu sortiert oder sonst was „erledigt“ das vorher noch nicht erledigt werden musste… Alles nur, damit ich wichtige Entscheidungen möglichst spät treffen muss.

So, das waren mal 10 meiner Makel. Mir würden sicherlich noch mehr einfallen, aber das reicht an Selbstreflektion für heute. Ein anderes Mal vielleicht mehr.

Wie sieht es bei euch aus? Was könnt ihr so gar nicht, was aber anscheinend jeder andere kann?

15 Kommentare

  • Haha, das mit dem Pünktlich sein kenne ich auch. War immer wieder ein Streitpunkt mit meinem Exfreund, der leider auch notorischer Zu-Spät-Kommer war. Ich war also immer schon 5 Minuten vor der Abfahrtszeit fertig, während er sich dann gerade mal unter die Dusche begeben hat oder so… Inzwischen gebe ich mir echt Mühe, dass ich nicht immer zu früh komme (bei Freunden z.B.), aber es ist mega anstrengend für mich, wenn ich zu spät kommen „muss“.

  • Eine schöne Liste! Toll, dass du auch ehrlich sein möchtest. 🙂
    Sind einige Punkte dabei, die auch auf mich zutreffen. Meine eigentlich lustig gemeinten Kommentare, werden auch häufig als unfreundlich oder zickig aufgefasst. Dabei bin ich einfach nur ziemlich sarkastisch und merke das manchmal gar nicht, dass das komisch rüberkommt… =/
    Und Small Talk finde ich auch ganz schrecklich. Ich bin da eher eine stille Vertreterin und quatsche lieber mit Leuten, die ich kenne…

  • Also bei dem Fremdschämen habe ich mich direkt wiedergefunden 😀
    Ich gucke eigentlich nie Fernsehen, diese ganzen Reality-Formate sind mir einfach viel zu schlimm…generell alles was nicht mit halbwegs guten Schauspielern gemacht ist. Ich kanns mir einfach nicht angucken.

  • Was für ein wunderbarer Beitrag – ich musste mehrmals schmunzeln. Das mit der Pünktlichkeit kenne ich nur zu gut – besonders schlimm ist es, wenn ich auf einen Zug muss. Dann bin ich manchmal sogar 30 Minuten zu früh dort und friere 😀
    Liebe Grüsse
    Ariana

    • Oh ja, mit Zügen kenne ich das auch nur zu gut 😀 Da ist es immer klasse, wenn die schon am Bahngleis stehen, aber man noch nicht einsteigen darf…

  • 4 (Pünktlichkeit), 5 (fremdschämen), 6 (missverstandenen Kommentare),7 (pfeifen) und 10 (wichtiges aufschieben) – ich bin dabei 😀
    schön wenn man nicht alleine unperfekt ist 😉

  • 4, 5 und 7. Feine Liste hast du! 😀
    Ich kann nicht zu spät kommen. Also.. doch, ein- oder zweimal habe ich es „geschafft“, und es war mir schrecklich peinlich.
    Fremdschämen kann ich mich auch sehr gut. Casting-Shows konnte ich eine Zeit lang schauen, mittlerweile geht das gar nicht mehr. Ob das mit den Jahren schlimmer wird? 😉
    Ja, und peifen hatte ich auch in meiner Liste drin. Geht nüscht.

  • Dass du keine Schleifen binden kannst, finde ich bemerkenswert. Ich habe neulich ein Mädchen getroffen, 12 Jahre alt, die konnte das auch nicht. Und alle Erwachsenen reagierten so: „o_O“ und zeigten sich empört darüber, wie das denn wohl sein könnte und so weiter, und so fort. Ich habe ihr gesagt, dass das nicht schlimm ist, es gibt ja schließlich Schuhe mit Klettverschluss 🙂
    Ich find’s auch wirklich, wirklich, wirklich überhaupt nicht dramatisch!

    Eine feine Liste ist das, Pfeifen kann ich übrigens auch so vollends überhaupt gar nicht.

    HA!

    Danke dir für’s Mitmachen und liebste Grüße,
    Katja

    • Ach, man kann trotzdem Schuhe mit Schnürsenkeln tragen. Tue ich ja auch. Wie gesagt, ein Knoten aus zwei Schlaufen sieht fast genau so aus und erfüllt den gleichen Zweck. Den Unterschied merkt kaum einer. Nur, wenn einem mal jemand beim „Schleife binden“ zuschaut sorgt das für Irritation 😀

  • Hey!
    Ich finde allerdings, dass sind keine Makel 😀 Da macht doch jeder einzelne Punkt irgendwie sympatisch, oder nicht?
    Das Fremdschähmen kenne ich und das zu pünktlich sein auch. Also ich mag es 🙂

    Lieben Gruß

    • Moin Petra,
      danke 🙂

      Da lässt sich aber sicherlich drüber diskutieren, ob das Makel sind oder nicht. Zumindest bei einigen Punkten. Zu früh kommen ist kein „anerkannter“ Makel, allerdings nervt mich diese Eigenschaft an mir doch manchmal, wenn ich mal wieder warte und warte… 😉

      LG Lexa

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