Ernährung

Gicht – eine vermeidbare Erkrankung?

Gicht

Letzte Überarbeitung am 10. November 2016

Gicht ist eine der Erkrankungen, deren Verlauf sich gut über die Ernährung beeinflussen lassen. Durch eine bewusste und vollwertige Ernährung lassen sich Gichtanfälle vermeiden oder wenigstens abmildern.

Was ist Gicht?

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der Harnsäure sich an verschiedenen Stellen des Körpers, besonders im Bereich der Gelenke, ablagert. Die Veranlagung für Gicht ist teilweise erblich, teilweise sind andere Erkrankungen oder Medikamente der Auslöser für den ersten Gichtanfall. Dieser betrifft oft das Großzehengrundgelenk, das in der Nacht nach einer Feier mit reichlich Essen und Alkohol von einer Schmerzattacke getroffen wird.

In Deutschland leiden etwa 2,8% aller Männer und 0,4% aller Frauen zwischen 30 und 59 Jahren an Gicht (Quelle).

Was ist Harnsäure?

Harnsäure ist das Stoffwechselendprodukt von in der Nahrung enthaltenen Purinen.

Purine sind in der Natur weit verbreitete Substanzen, deren Grundgerüst aus Kohlenstoff- und Stickstoffatomen besteht. Sie kommen nicht nur in der Nahrung vor, sondern werden auch von unserem Körper selbst produziert. Purine sind für die Erbsubstanz und den Aufbau neuer Zellen nötig. Zu Harnsäure abgebaut werden die überschüssigen Purine aus abgestorbenen Zellen oder aus Nahrung. Das Risiko für Gicht (und auch Harnsteine) steigt, wenn die die Purinbildung aktivierenden Enzyme stärker aktiv sind als normal, denn dann müssen mehr Purine abgebaut werden, was zu einer erhöhten Menge von Harnsäure im Blut führen kann.

Eine Möglichkeit die Menge der Harnsäure im Blut zu reduzieren, und damit das Gichtrisiko, ist es, sich purinarm zu ernähren.

Purinarme Ernährung

100mg Purine entsprechen etwa 300mg Harnsäure. Wer also 100mg Purine mit der Nahrung aufnimmt, veranlasst seinen Körper indirekt dazu 300mg Harnsäure zu bilden.

Es wird empfohlen, das Gichtpatienten nicht mehr als 500mg Harnsäure am Tag über die Nahrung aufnehmen sollten. Außerdem nicht mehr als 3000mg Harnsäure in der Woche. Bei akuten Gichtanfällen können die Grenzen vom behandelten Arzt auch weiter nach unten verschoben werden.

Besonders purinreich sind vor allem Innereien, Fleisch, Wurst und Fisch. Auch Hülsenfrüchte, Pilze und einzelne Gemüsearten wie Brokkoli, Schwarzwurzeln, Spinat und Rosenkohl sollten gemieden werden.

Die Deutsche Gicht – Liga e.V. stellt auf ihrer Internetseite eine Nährwerttabelle mit Harnsäurewerten und eine Übersicht des Puringehaltes von typischer Hausmannskost für Sie bereit.

Weitere Ratschläge

  1. Alkohol vermeiden – Alkohol steigert die Bildung von Harnsäure und verringert gleichzeitig die Harnsäureausscheidung. Bier ist zu dem noch sehr purinreich.
  2. Kochen statt Braten – Beim Kochen gehen 10-20% der Purine ins Kochwasser über. Wenn dieses dann nicht weiterverwendet wird, sind so einige Lebensmittel für Gichtpatienten besser zu vertragen. Allerdings senkt Kochen auch den Vitamingehalt von Gemüse, es sollte also nur bei besonders purinhaltigen Lebensmitteln angewendet werden.
  3. Haut nicht essen – Die Haut von Geflügel, Schwein und Fisch sollten Gichtpatienten komplett meiden.
  4. kein Fasten – Fasten, wenn überhaupt, nur unter ärztlicher Aufsicht. Beim Fasten bilden sich Ketonkörper und diese verringern die Ausscheidung von Harnsäure.
  5. viel Trinken – Ausreichend zu trinken ist für Gichtpatienten besonders wichtig. Mindestens 2 Liter Flüssigkeit (am Besten Wasser) am Tag sollten es sein um die Gefahr einer Harnsteinbildung einzuschränken.
  6. Normalgewicht – Wenn Sie Übergewicht haben sollten, sollten Sie Normalgewicht anstreben. Mit jedem Kilogramm weniger reduziert sich auch die Harnsäurekonzentration im Blut. Eine langsame und stetige Abnahme ist am gesündesten.

Insgesamt gelten auch für Gichtpatienten die Regeln für eine vollwertige und ausgewogene Ernährung. Sie sollten nur zusätzlich den Puringehalt der Nahrungsmittel im Auge behalten.

Fazit

Übergewicht vermeiden, sich purinarm ernähren und ausreichend trinken (keinen Alkohol), mehr braucht es gar nicht, um das Gichtrisiko zu senken und auch bei einer bestehenden Krankheit die Symptome abzumildern.


Solltest du den Verdacht haben Gicht zu haben oder wenn es in deiner Familie Fälle von Gicht gibt solltes du einen Arzt konsultieren. Eine bewusste und ausgewogene Ernährung unterstützt die vom Arzt verordnete Theraphie, sie ersetzt sie aber nicht.

 

Schreibe einen Kommentar