Rezension

Franz-Oliver Giesbert – Ein Diktator zum Dessert

Ein Diktator zum Dessert - Franz-Oliver Giesbert
[Rezensionsexemplar]

Bei Amazon ansehen*

Autor: Franz-Oliver Giesbert

erschienen: März 2015

1 MP3-CD, 8 Stunden 53 Minuten Laufzeit

Preis: 7,95€*

der Hörverlag

Buchrücken

Mit ihren 105 Jahren ist Rose eine der besten Köchinnen von Marseille. Rose schreibt ihre Memoiren, um das Leben zu feiern. Ein Leben wie eine abenteuerliche Reise durch die Weltgeschichte, auf der sie ihre Familie verliert und sich auf manchmal gar nicht so subtile Weise an den Gewaltherrschern rächt. Rose hat vor nichts und niemandem Angst. Ihre Waffe ist immer griffbereit in ihrer Handtasche. Und weil sie nach wie vor an die Kraft der Liebe und des Lebens glaubt, lässt sich Rose auf dem Sozius ihres jugendlichen Restaurantgehilfen durch Marseille kutschieren, treibt sich im Internet auf Singlebörsen herum und hört dazu Patti Smith. Doch damit nicht genug …

Meine Meinung

Meine Erwartungen an dieses Hörbuch waren völlig falsch. Nachdem ich die Beschreibung gelesen hatte und das eher bunter Titelbild sah, erwartete ich eine lustige Road-Story.

Das ist es aber absolut nicht. Wirklich nicht.

Hier werden die ganz großen Geschütze aufgefahren. Wortwörtlich. Rose, die Erzählerin der Geschichte, die Erzählerin ihrer Lebensgeschichte, begegnet allen schlimmen Menschen ihrer Zeit. Himmler und Hitler sind da fast schon nur Randfiguren, die in ihren Erzählungen gar nicht so schlimm rüberkommen, wie so manch anderer. Natürlich weißt sie darauf hin, dass ihre Taten grausig waren, aber zum Zeitpunkt des Zusammentreffens mit ihnen, kamen sie ihr als Menschen nicht so schlimm vor. Eher waren sie ganz schön arme Schweine. Wenn man nicht weiß, wozu Menschen fähig sind und was sie tun, dann merkt man es ihnen nicht immer an.

Rose ist also 105 Jahre alt, Köchin und sagt von sich selbst, dass sie das Leben liebt. Allerdings hat sie dazu, wie sie dann erzählt, eigentlich keinen Grund. Das Leben hat ihr nämlich ziemlich übel mitgespielt und so manch einer wäre an den Erlebnissen zerbrochen. Nicht so Rose. Sie will ihre Lebensgeschichte aufschreiben um ihre Sicht auf die Weltgeschichte zu erzählen. Aber dazu muss sie erst mal Nachforschungen anstellen (lassen), um herauszufinden, was aus einigen Menschen geworden ist, die ihr Leben für kurze Zeit und vor langer Zeit kreuzten.

Diese Nachforschungen bringen Entwicklungen ans Licht, mit denen man/ich vorher so nicht gerechnet hat. So ist sowieso die gesamte Geschichte: Voller unerwarteter Wendungen.

Und trotzdem: Für mich persönlich sprang der Funke einfach nicht über. Die Geschichte hat spannende Momente, aber ich fand nicht rein. Der rote Faden war zwar da, aber er lud mich nicht dazu ein ihm zu folgen. Zur Story selbst will ich nicht weiter erzählen, denn ich weiß nicht, wie ich das ohne Spoiler bewerkstelligen soll. Daher bleibt mir nur zu sagen, was ich beim Hören empfand. Und das war leider herzlich wenig.

Die einzelnen Bruchstücke der Geschichte waren zwar spannend, aber irgendwie kamen sie bei mir auch nur als Bruchstücke an. Der große Zusammenhang fehlte und Rose Handlungen waren für mich größtenteils nicht nachvollziehbar. Dazu ist die Geschichte auch zu unrealistisch, obwohl nichts passiert, was nicht theoretisch möglich wäre. Aber eine 105 jährige, die einen Kleinkriminellen zur Strecke bringt und einen Jungen begehrt, der ihr Urenkel sein könnte? Ne, nicht meine Art von Geschichte.

Ein nettes Hörbuch, mit einer spannenden Idee und einer sehr aktiven 105 jährigen, die ihr Leben erzählt. Gut, aber nicht herausragend gut.

Nimm mich mit zu Pinterest

 

Schreibe einen Kommentar