Ernährung

Denn wir wissen nicht, was wir essen …

Entfremdung-von-Essen

Letzte Überarbeitung am 16. Oktober 2016

Woher kommt die Milch?

Von der Kuh, ist deine Antwort? Verständlich, denn Kuh-Milch wird am häufigsten verwendet. Aber auch alle anderen Säugetiere geben Milch.

Warum geben Säugetiere Milch?

Um ihren Nachwuchs zu versorgen.

Ein Umstand, der gerne verdrängt oder vergessen wird.

Denn wir wissen nicht, was wir essen! #Entfremdung #Ernährung Klick um zu Tweeten

Eine Milchkuh gibt halt doch nicht „einfach so“ Milch. Erst muss sie trächtig sein, dann gibt sie Milch. Und diese zwei Schritte durchläuft sie viele Male in ihrem Leben.

Getreide wächst auch nicht „einfach so“ auf Feldern. Der Boden muss passen oder passend gemacht werden. Es muss gesät und gepflegt werden. Und zum Schluss geerntet. Aber kaum einer kauft pures  Getreide. Wir kaufen Brot, Mehl, Nudeln, Grieß und andere Verarbeitungsformen.

Aber wie genau werden die eigentlich hergestellt?

Wie leben die Hühner, die unsere Eier legen? Kann man den Stempeln vertrauen, oder trickst da irgendwer dran rum? Ist „Bio“ wirklich biologisch wertvoll oder bedeutet es etwas ganz anderes? Wenn auf der Packung steht „artgerechte Haltung“, was bedeutet das dann? Wenn der Apfel wirklich nicht gespritzt ist, warum hält er dann so lange?

Entfremdung von Essen

Es gibt viele Fragen, die man sich zu Lebensmitteln stellen kann. Egal ob Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch oder Milchprodukte. Es bleiben immer Fragen offen, wenn man erstmal anfängt zu fragen.

Wir und unser Essen, wir kennen uns nicht mehr!

Und das ist, meiner Meinung nach, einer der Hauptgründe für Übergewicht und schlechte Ernährung im allgemeinen.

Idealisiert und überspitzt gesagt: Früher, viel früher, wusste jeder ganz genau, was er isst. Denn er hatte es selbst angebaut oder aufgezogen.

Jetzt wissen Milchbauern wo die Milch herkommt. Schweinebauern wo die Schweine herkommen und jeder weiß, dass Basilikum und andere Kräuter auch auf dem Fensterbrett wachsen können.

Die Entfremdung vom Essen

Es gibt Kinder, die ernsthaft glauben Kühe wären lila. Im ersten Moment möchte man lächeln und dann wird einem klar, wie traurig es ist. Es gibt Menschen, die haben noch nie in ihrem Leben ein echtes Schwein oder Schaf gesehen. Und im Fernsehen zählt nicht. Andere waren vielleicht schon einmal in einem Streichelzoo, aber konnten noch nie erleben, wie gut ein Radieschen frisch aus der Erde gezogen schmeckt.

Entfremdung von Essen Ziegen

Worauf ich hinaus möchte ist: Wie sollen wir unser Essen schätzen, wenn wir es nicht kennen?

Wir haben nur die Möglichkeit den Wert von Nahrung an ihrem Preis im Supermarkt festzumachen. Wir wissen nicht, wie es wächst/lebt oder wie groß der Aufwand ist etwas zu produzieren.

Und weiter noch: Oft finden wir Nahrung in ihrer Ursprungsform irgendwie eklig.

So ein ganzer Fisch mit Kopf und Flossen? Muss nicht sein. Das fertige Filet lässt sich leichter zubereiten und man muss auch nicht so bewusst dran denken, dass es mal ein Lebewesen war.

Würstchen sind gut. Da könnte theoretisch alles verarbeitet sein und der Gedanke an das Tier ist beim Essen ganz weit weg.

Supermarkt-Kühlregal-Milch schmeckt nach vielen, aber wenig nach Milch.

Gemüse und Obst muss möglichst gut aussehen und glänzen. Eine krumme Gurke oder eine Birne mit einer merkwürdigen Form? Lieber eine andere nehmen…

Wir wertschätzen nur, was wir kennen.

Da wir unsere Nahrung aber nicht mehr kennen, wertschätzen wir sie auch nicht mehr. Wir haben uns von ihr entfremdet. Das kann dazu führen, dass wir sinnlos alles in uns reinstopfen, was in Reichweite ist. Das kann dazu führen, dass wir uns gar keine Gedanken um Qualität machen und nur das kaufen, was gerade günstig ist. Das kann dazu führen, dass wir nur noch die Dinge kaufen, die vermeintlich einfach zuzubereiten sind. Das kann dazu führen, dass wir nur noch die Produkte kaufen, die gerade in der Werbung sind.

Wir kaufen dann nicht die Dinge ein, die gut für uns wären. Wir kochen nicht mit frischen Zutaten, sondern machen nur die Mikrowelle an. Wir essen zu viel Fleisch und zu viele Milchprodukte. Zu wenig Gemüse und Obst. Zu wenig Vollkornprodukte.

Kurzum: Wir ernähren uns nicht gesund, sondern billig.

Natürlich gibt es auch das andere extrem und eine ganze Menge dazwischen. Aber dieser Artikel soll dich zum Nachdenken bringen. Soll dir zeigen, wie es laufen kann, wenn man sich gar keine Gedanken macht. Gemeint sind nicht die Menschen, die urbanen Gartenbau betreiben, oder ihr Fleisch und ihre Eier vom Bauern nebenan beziehen. Gemeint sind auch nicht die, die einen eigenen Gemüsegarten und Obstbäume haben. Wenn du dir Gedanken dazu machst, wie du dich ernährst, wo deine Lebensmittel herkommen und wie ihr Weg bis zu deinem Teller aussah, dann beglückwünsche ich dich. Ein wichtiger Schritt zu einer gesunden Ernährung ist schon getan.

Alle anderen kann ich nur auffordern: Denke nach!

Lese dir Verpackungen durch, informiere dich über Produktionsbedingungen. Frage dich ab und zu mal: „Wie sah der Weg meiner heutigen Mahlzeit aus? Wo kommt sie her, was sind ihre Bestandteile?“

Lerne dein Essen kennen und du wirst es wertschätzen. Du wirst bewusster essen und dich wahrscheinlich automatisch ein bisschen gesünder ernähren. Probiere es einfach aus. Was kann schon passieren?

6 Kommentare

  • Vielen Dank für diesen tollen Beitrag, liebe Alexandra. Was Du hier beschreibst, begegnet mir in den Beratungen oft – der Bezug zum Lebensmittel und auch zur Essenszubereitung (gleichzeitig auch die Zeit, die man dafür aufbringen muss) aufgrund der vielen Fertigprodukte geht leider immer mehr verloren.
    Deshalb herzlichen Dank für Deine wachrüttelnden Worte – Recht hast Du!

    • Hallo Stephanie,
      dank für deinen Kommentar. Es freut mich, dass er auch wirklich so rübergekommen ist wie gedacht 🙂 Bei solchen Themen bin ich mir immer nicht ganz sicher vor der Veröffentlichung, dass ich mich nicht missverständlich ausgedrückt habe.
      Liebe Grüße
      Alexandra

  • Du weißt, dass ich dir da 100% zustimme, Alexandra. Ich erlebe das so häufig, auch im meinem Freundeskreis, es wird auf die Qualität des Essens kaum Wert gelegt und ja, es soll nicht viel kosten und am besten gleich verzehrfertig sein. Convenience ist das große Wort. Auch ich kann nicht immer frisch kochen, aber gesunde Alternativen sind mir bekannt, weil ich mich intensiv mit dem Thema Lebensmittel und auch der Herstellung bzw Gewinnung auseinander gesetzt habe.

    Es fällt mir schwer zu sehen, dass es keinen interessiert, warum so viele Antibiotika in der Tierhaltung eingesetzt werden. Kranke Tiere wegen unsagbar schlimmer Tierhaltung – teils auch wg falscher Ernährung der Tiere, eine Verarbeitung der Lebensmittel, die auf maximalen Gewinn aus ist und damit nicht hygienisch. Jeder muss gucken, was für ihn wichtig ist, aber etwas mehr Bewusstsein wäre schön. Doch umdenken und neue Wege beschreiten, das möchten auch nicht wirklich viele.

    Gesunde Ernährung, ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt.

  • Was Du über die Würstchen sagst, zum Beispiel, wird gerne immer wieder vergessen – bekannt ist es ja doch.
    Aber das scheint eine allgemeine Bequemlichkeit zu sein.
    Bekannte „belügen“ ihre Kinder; auf die Frage, was für ein Fleisch sie bekommen, heißt es „das ist Hack“. Also nicht vom Tier, oder doch, darüber wird nicht gesprochen. Insofern: Die Diagnose „Entfremdung“ ist schon wahr, aber auch Entfremdung der Menschen untereinander, auf unterschiedlichen Ebenen.

    • Hallo Klaus-Peter,
      ich persönlich denke, oft ist es nicht nur Bequemlichkeit sondern auch oft Verdrängung.
      Und gerade bei Hack geht das sehr gut. Allerdings habe ich, traurigerweise, festgestellt, dass manche wirklich nicht wissen, was sie da essen. Auf der Packung steht nur „Halb und Halb“ und auf die Idee mal genauer nachzugucken, kommen manche einfach nicht. Deswegen könnten sie ihren Kindern die Frage gar nicht beantworten, weil sie es nicht wissen.
      Liebe Grüße
      Alexandra

Schreibe einen Kommentar