Gedanke

Die Informationsflut – ein deutsches „Problem“?

Informationsflut

Letzte Überarbeitung am 28. Juli 2017

BlogF hat mal wieder zur Blogparade aufgerufen. Dieses Mal zum Thema Informationsflut. Und ich bin mehr als spät dran. Denn eigentlich kommt heute schon die Zusammenfassung. Aber auch, wenn ich vielleicht nicht mehr „drin“ bin, möchte ich dazu schreiben. Denn das Thema ist mehr als aktuell.

Thema ist die „Informationsflut“, der wir alle „ausgesetzt“ sind. Und das gewählte Symbolbild von BlogF ist dazu doch mehr als passend, oder?
Die Wellen/Informationen, die auf uns einschlagen. Uns durchnässen. Ob wir wollen oder nicht?! Die Naturgewalt, gegen die man sich nicht wehren kann. Die man nicht steuern kann?!
Die gestellte Frage ist zum Beispiel: „Wie lässt sich das beherrschen und wie kommt ihr an die relevanten Inhalte?“
Eine Frage, wie sie in meinen Augen falscher, und typischer, nicht sein könnte. Die Informationsflut muss nicht beherrscht werden. Und relevant ist immer das, was einen interessiert. Relevant ist das, was man bekommt. Was man hört, was man sieht und was man liest.
Bleiben wir bei dem Bild der Flut. Bei dem Bild des Wassers, dass einen mitreißt ob man will oder nicht. Was soll man im tiefen Wasser tun, wenn einen eine Strömung mitreißt? Nicht kämpfen. Kräfte schonen und treiben lassen.
Damit will ich nicht sagen, dass wir uns alle 24/7 vor unsere Bildschirme hocken sollen und uns berieseln lassen. Aber wir sollten lernen entspannt mit den Informationen umzugehen.
Irgendwer sagte mal zu mir: „Die Deutschen sind zu gründlich. Sie haben ein Problem, weil sie das Gefühl haben ALLES lesen zu müssen.“
Und auch, wenn ich nicht mehr weiß, wer er war (irgendein Austauschstudent auf irgendeiner Studentenparty), weiß ich doch, das er recht hatte.
Diese typisch „deutsche Tugend“, die Gründlichkeit, wird vielen im Informationszeitalter zum Verhängnis. Wir werden von Informationen überflutet. Facebook, Twitter, Instagram, tumblr, unzählige Blogs, noch mehr Videos auf Youtube und die ganzen „lustigen“ Bilder nicht vergessen. Man kann nicht ALLES mitbekommen. Nicht, wenn man noch ein Leben abseits des Internets haben will. Aber viele fühlen sich „verpflichtet“ immer über alles bescheid zu wissen.
Wer hat wann wo was gepostet? Kann ich darauf antworten? Ist mein „Freund“ sauer/beleidigt/traurig, wenn ich nicht auf seinen zehnten Tweet über seinen blöden Chef reagiere? Wo finde ich dieses tolle neue Video, von dem jetzt alle reden? Und woher kommt dieses neue Meme? Kann ich daraus was basteln, um mir meine 5 Minuten Ruhm abzuholen? Oh, schon wieder 200 neue Bilder von den 500 Menschen denen ich bei Instagram folge? Besser mal alle durchherzen. Von nichts kommt nichts. Und gut, dass ich die „wichtigsten“ klassischen Medien bei Facebook geliked habe. Dann weiß ich immer, wenn etwas auf der Welt passiert. Merkel da zu besuch, Steinmeier da gestolpert, und was macht eigentlich Fischer? Besser, ich like auch noch die Zeitungen, die ich in der Papierform nie anfassen würde. Vielleicht bekomme ich dann ja noch mehr mit. Oh, verdammt. XYZ hat schon wieder ein irre lustiges Bild gefunden und geteilt. Besser so tun, als ob ich es schon kenne. Ich will ja nicht den Eindruck vermitteln ich lebe hinterm Mond. Zeit, ins Bett zu gehen. Das Handy kommt mit. Lieber nicht auf Stumm schalten oder gar aus machen. Nachher verpasse ich was.
 
Ja, das ist überspitzt. Aber gebt es doch zu. Eine abgeschwächte Form dieser Gedanken hatte ihr schon mal 😉 Ich gebe es zu. Ich musste erst lernen (und ich bin immer noch dabei) auch mal nichts mitzubekommen. Ich musste erst akzeptieren, dass man nicht immer alles sehen/hören/lesen/wissen kann. Nein, ich habe den neuesten Youtube-Hit nicht gesehen. Ist aber auch nicht schlimm, nächste Woche gibt es einen neuen. Videos sind sowieso nicht so mein Medium. Da muss ich da auch nicht versuchen mitzuhalten.
Ja, ich greife morgens nach dem Aufwachen oft erstmal zum Handy. Um den Wecker auszumachen.
Und wenn ich mich dann dich auf den „neuesten“ Stand bringe, dann gebe ich mir höchsten 5 Minuten pro Medium. Was ich dann bei Instagram oder Twitter nicht gesehen habe, wird später nochmal auftauchen, wenn es wichtig sein sollte. Facebook nutze ich momentan fast nur noch für Megapolis (so ein blödes süchtigmachendes Browsergame, dass perfekt ist um sich von der Bachelorarbeit abzuhalten…) und um die Blogger Lounge nach neuen Beiträgen durchzuscrollen.
Eure Blogs lese ich mit Feedly. Morgens werden einmal alle gelesen, die sich über Nacht angesammelt haben. Und dann vielleicht Abends nochmal. Beiträge, die mich auf den ersten Blick nicht interessieren, werden aber einfach weggeklickt. Ich muss nicht (mehr) immer alles lesen. Ich sortiere aus! Manche Blogs sind irgendwann einfach nicht mehr relevant.
Da ist sie, die Relevanz! Woher ich meine relevanten Informationen bekomme? Ich sehe die Tagesschau. Ich schaffe es nicht täglich. Aber ich versuche es. Dadurch ist die Anschlusskommunikation ermöglicht. Ich kann mich mit meiner Familie und meinen Freunden über das aktuelle Zeitgeschehen unterhalten. Alles, was mich näher interessiert, kann ich mir im Internet genauer durchlesen. Wenn ich es möchte. Aber ich muss nicht. Wenn ich mich nicht mit ernsthaften Themen beschäftigen möchte sondern mir lieber witzige Bilder ansehe? Dann mache ich das halt! Davon geht die Welt nicht unter.
Und wenn ich morgens vergesse mein Handy auf Laut zu stellen und deswegen Nachrichten erst 2 Stunden später lese? Dann ist das halt so.
Wenn meine Freunde von irgendeinem Twitter-Phänomen reden, dass ich nicht mitbekommen habe, da ich den „falschen“ Leuten folge? Dann frage ich worum es geht und entscheide dann, ob das für mich relevant ist.
Nur, weil wir die Möglichkeit haben, müssen wir sie nicht nutzen!
Wir sind nicht verpflichtet die Informationsflut zu beherrschen!
Wir dürfen uns treiben lassen!
Was wirklich wichtig ist, das bekommen wir so oder so mit.

7 Kommentare

  • Das Thema „Relevanz“ ist halt groß, Ich liebe es viele Informationen zu sammeln. Ich bin einer, der sich erst lang und breit über eine Thema informiert, Aussagen abgleicht, eigene Schlüsse einfließen lässt und dann ein Fazit zieht. Manchmal kommt es sogar dazu kein Fazit zu ziehen. Das nervt.

    Allerdings mag ich auch zu behaupten ich sei trainiert damit mit vielen Informationen umzugehen, diese zu filtern und auszuwerten. Dinge, die mich nicht interessieren, weiß ich schlichtweg nicht. Glücklicherweise interessiere ich mich für vieles und kann mit vielen Wissen und zusammenhängen glänzen.

    Zur Relevanz: Etwas, was für dich Relevanz hat, muss für mich keine Relevanz haben. Beispielsweise gucke ich absolut kein Fernsehen. Das schließt die Tagesschau mit ein. Die Themen darin interessieren mich nicht, oder es reicht eine wöchentliche Zusammenfassung zu lesen; denn wirklich ändern kann man in dem Moment eh nichts :p Die selben Nachrichten kann ich z.B. direkt bei SPON lesen und dann auch noch eigene Recherchen anstellen, oder Backgroundinfos erhalten, welche nicht in das 15 Minuten Fenster der Tagesschau passen… aber halt nur für Themen, die mich wirklich interessieren.

    Ja. Bei solchen Themen bin ich Deutsch. 😀

    Und den „ich will alles wissen und nichts verpassen“-Gedanke…. so tief ist der bei mir nicht. Entweder ich weiß alles über ein Thema, oder es ist mir recht schnurz piepe 🙂

    • Ich habe ja oben auch geschrieben: Relevant ist, was einen interessiert 😉
      Die Möglichkeit zur Anschlusskommunikation die durch das sehen der Tagesschau gegeben ist, ist halt sehr wichtig in meinen Augen. Es geht nicht darum ob es mich interessiert, ob es in dem Moment für mich und mein Leben irgendeine Bedeutung hat. Aber es sind 15 Minuten (eigentlich sogar weniger, Sport und Wetter sehe ich nicht 😉 ), die es mir ermöglichen mich mit vielen Menschen zu unterhalten. Einfach, weil sie über die gleichen Themen informiert würden (oder auch nicht informiert…). Das ist ein Aspekt, den man nicht unterschätzen darf.
      Du informierst dich anders über diese Themen. Du überfliegst anscheinend zum Beispiel die Titelseite von SPON. Auch da schnappst du Überschriften auf, deren Artikel du nicht liest. Auch du hast damit einen groben Überblick, was von den Medien gerade als wichtig erachtet wird. Und kannst dich dementsprechend dadrüber unterhalten.

  • Ich bin bei Facebook auch nur noch wegen Criminal Case. Auch son süchtig machendes Spiel. Aber du hast so recht mit dem, was du schreibst. Wenn ich mal überlege, wie viel Zeit ich am Tag damit verbringe durch Twitter, Instagram und YouTube zu stöbern..

    • Und es ist ja theoretisch nicht schlimm, wie viel Zeit man damit verbringt. Schließlich macht es ja Spaß. Schlimm wird es nur dann, wenn es anfängt ein Zwang zu werden, weil man das Gefühl „eine Leistung nicht zu erbringen“, wenn man etwas verpasst.
      Dann ist der Spaß irgendwann weg und man hat zusätzlich noch weniger Spaß, weil man sich auch mit nichts anderem mehr beschäftigt.

  • Ich beobachte seit längerem schon einen Gegentrend zu…äh… ich weiß nicht, wie ich es nennen soll. Ich zitier dich mal eben: „Oh, verdammt. XYZ hat schon wieder ein irre lustiges Bild gefunden und geteilt. Besser so tun, als ob ich es schon kenne. Ich will ja nicht den Eindruck vermitteln ich lebe hinterm Mond.“

    Also Gegentrend bei uns:
    Person A fragt per SMS, FB-PN, Mail, auch gerne Face-to-Face: „Hast du schon Bild/Video/Artikel/Post gesehen? Voll krass..“
    Person B: „Ne…ich hab da echt was Besseres/Notwendigeres/Interessanteres zu tun“
    (die ganz coolen Kids im Sandkasten sagen nicht mal mehr, was genau denn jetzt so wichtig ist)
    …aber: alle anderen sind mega neidisch auf dieses vermeintlich interessante Leben.

    Die Antwort-Variante für Fortgeschrittene: „Nö. Ich bin doch gar nicht mehr bei Facebook“ (und wieder, wer cool ist, bringt das ohne Erklärung)

    Das ist ein bisschen wie bei Partys:
    Party-People Kategorie 1: Immer dabei. Kommen als Erste, gehen als Letzte – Coolness-Faktor: 5
    PP Kat. 2: Kommen immer zu spät: Weil noch so viel anderes los war – Coolness-Faktor: 6-7
    PP Kat. 3: Kommen gar nicht. Coolness-Faktor: 0 oder 10 (gefährliches Pflaster)

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