Rezension

Will Hofmann – Götter

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Will Hofmann Götter

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Autor: Will Hofmann

erschienen: Februar 2016

400 Seiten

Preis: 19,95€*

Fabulus Verlag

 

Buchrücken

In Deutschland gibt es vier geheime Reservate, in denen, nach Geschlechtern getrennt, Männer und Frauen wie Sklaven gehalten und körperlich sowie sexuell durch sogenannte Götter ausgebeutet werden. Diese gebärden sich zu ihrem eigenen Vorteil als Herren über Leben und Tod und führen über ihre Untertanen ein strenges Regiment bis hin zur Todesstrafe.
Diesem Terrorregime entfliehen unabhängig voneinander Agnes und Günter. Sie treffen sich zufällig in der Freiheit, tun sich zusammen und müssen das zivilisierte Leben von Grund auf neu lernen. Mithilfe von Freunden gelingt ihnen dieser Prozess erstaunlich schnell. Zugleich entsteht bei ihnen der Wunsch, die vermeintlichen Götter zu entmachten. Werden sie diesen Kampf erfolgreich bestehen?

Meine Meinung

Es gibt vier Kapitel: Prolog, Flucht, Freiheit und Rache. Und am Anfang war Verwirrung. Auf jeden Fall bei mir. Verschiedene Erzählstränge, die so gar nicht zusammenpassen zu schienen. Was sollte Rudolph denn jetzt mit Agnes zu tun haben? Und wie passte Clemens da rein?

Auch die Zeiten, wann genau jetzt was passierte, verwirrte mich am Anfang.

Die Geschichte selbst fesselte mich aber von Anfang an. Und mit jeder Seite wurde sie spannender und erschreckender, da realistischer. War es am Anfang noch leicht alles als Hirngespinst und absolut unmöglich abzutun, wurde es zum Ende hin immer schwieriger. Zu gut die Erklärungen, warum niemand davon etwas gemerkt hatte, zu gut die Begründungen, wie diese ganze Grausamkeit so lange geheim bleiben konnte.

Und grausam ist es wirklich. Vier von der Außenwelt abgeschlossene Dörfer mitten in Deutschland. Außer ein paar ausgewählten Personen weiß niemand von ihrer Existenz. Diejenigen, die es wissen, spielen sich in den Dörfern als Götter auf und beuten die Menschen in den Dörfern aus. Die Frauen wissen nicht, dass es Männer gibt und die Männer wissen nicht, dass es Frauen gibt. Von Elektrizität oder anderen modernen Erfindungen haben sie noch nie etwas gehört. Und das es eine Welt und andere Menschen außerhalb den Mauern ihres Dorfes gibt wissen sie auch nicht.

Ein Szenario, dass so unrealistisch und abstruss ist, dass es schon fast wieder wahr sein könnte. Und mit diesem Gedanken spielt Will Hofmann geschickt. Er säht mit jeder Seite den Zweifel, ob nicht doch… und wenn ja, wie? Und wo?

Theoretisch ist schließlich alles möglich.

Und mal abgesehen von der außergewöhnlichen Rahmenhandlung, ist auch die Handlung selbst gut geschrieben und interessant. Agnes und Günther fliehen, unabhängig voneinander, aus ihren Dörfern und treffen sich zufällig. Wie sie dann zusammenfinden, wie sie das für und ganz normale Leben entdecken, welche Personen von ihren Entscheidungen noch beeinflusst werden und wie Rudolph und Clemens im Endeffekt dazu gehören, das wird gut erzählt.

Die Geschichte ist auf keiner Seite langweilig. Aber jetzt auch nicht süchtigmachend spannend. Solide, aber nicht herausragend. Gut zu lesen, aber eigentlich mehr wegen der Gedanken hinter der eigentlichen Handlung empfehlenswert. Kann man verstehen, was ich sagen will?

Ich mag dieses Buch und ich kann es dir auch ohne schlechtes Gewissen empfehlen. Aber wenn dieses Schreckensszenario nicht so realistisch wäre, dann wäre es nur ein Buch unter vielen, das nicht lange in Erinnerung bleiben würde. So denkt man nach der letzten Seite noch länger drauf rum und fragt sich: „Was wäre wenn…?“

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