Rezension

A.J. Colucci – Die Kolonie

Colucci Die Kolonie

Letzte Überarbeitung am 31. Oktober 2016

„Die Kolonie“, ein Buch so voller Gegensätze, dass ich wirklich nicht genau weiß, was ich jetzt davon halten soll. Auf der einen Seite eine Story mit unglaublich viel Potential, auf der anderen Seite viele Klischees. Einerseits Charaktere die man sympathisch findet und mit denen man mitleidet, andererseits unnötige und störende Anhäufungen von personenbezogenen Adjektiven. Eine Geschichte, die man gerne weiter liest und bei der man unbedingt wissen möchte wie es endet, aber pure Enttäuschung, wenn man das Buch zuklappt.

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Titel: Die Kolonie
Autor: A.J. Colucci
Erscheinungsjahr: 2013
Seiten: 300
Genre: Thriller
Verlag: MIRA, hier beim Verlag direkt kaufen

Original: The Colony: A Novel (2012)

 

 

 

Buchrücken

Eine Serie bizarrer Todesfälle versetzt New York City in Angst und Schrecken. Die Opfer sterben qualvoll – nach Angriffen einer unbekannten Ameisen-Art.
Paul O’Keefe, berühmter Wissenschaftler und Pharmakonzernberater, wird vom Bürgermeister der Stadt beauftragt, sich der Sache anzunehmen und steht vor einem Problem: Die Tiere breiten sich rasend schnell aus und sind nahezu unverwundbar. Um ihm zu helfen, lässt er Kendra Hart, Ameisenexpertin und ehemalige Öko-Aktivistin, einfliegen. Bald sehen sich die beiden nicht nur mit Billionen von Ameisen konfrontiert, sondern auch mit korrupten Politikern und machthungrigen Militärs.
Wird es ihnen gelingen die Kolonie zu stoppen, bevor die Ameisen die Insel Manhattan verlassen und ihren erbarmungslosen Beutezug über den gesamten Kontinent beginnen?

Meine Meinung

Ob sie es schaffen die Ameisen zu stoppen, verrate ich euch hier natürlich nicht, aber es sei gesagt, dass mich das Ende sehr enttäuscht hat. Das perfekte Ende wäre für mich auf Seite 286 gewesen. Hätte das Buch hier geendet, wäre es eines dieser Bücher gewesen, die man zuklappt und noch einen Moment nicht aus der Hand legt, weil man drüber nachdenkt und nicht sofort wieder in die Realität zurück möchte. Leider endete die Geschichte hier nicht und beim endgültigen Zuklappen war es dann eines dieser Bücher die man ins Regal stellt und nie wieder hervorholt. Nett gelesen zu haben, aber nicht weiter erwähnenswert. Aber bis zum Zuklappen passiert so einiges, was doch noch erwähnt werden soll.
Wo auch anders als in New York spielt dieses Katastrophenszenario. Katastrophen ereignen sich immer in New York. Aber okay, sehen wir über den Klischee-Schauplatz einmal hinweg. Was haben wir dann noch? Billionen von Ameisen die die Stadt terrorisieren und grausam morden. Und dies wird auch ziemlich detailgetreu beschrieben. Nichts für Menschen mit Vorstellungskraft und empfindlichen Mägen, nur so als Warnung.

Und wer soll diese Ameisen aufhalten? Der als sexy und weltberühmt beschriebene Wissenschaftler Paul. Und, nicht zu vergessen, seine Ex-Frau Kendra. Ihres Zeichens auch bildhübsch, nur nicht ganz so berühmt. Dafür auch eine geniale Wissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt der Ameisenforschung. Und einem Kindheitstraume, das aber nur kurz aufblitzt. Hier wird wieder sehr viel Spannung verschenkt.
Wer jetzt auf bissige Dialoge hofft, so ein Ex-Ehepaar sollte doch für Streit gut sein, wird leider enttäuscht. Die beiden arbeiten so schnell harmonisch zusammen, dass man das Gefühl hat das Buch war auf 300 Seiten beschränkt und mehr durfte einfach nicht sein.
Der Rest der Geschichte ist dann vom Inhalt eher vorhersehbar: Zwei, die auszogen die Welt zu retten.

Und dabei, natürlich, auf vielerlei Widerstände stoßen. Sei es nicht funktionierende Technik, Ausrüstung die kaputt geht oder Mitarbeiter, die sich als nicht hilfsbereit erweisen. Vom gesamten Pleiten, Pech und Pannen Programm ist etwas dabei. Nur leider nichts überraschendes. Man hat nie einen „Aha!“-Moment. Eher einen andauernden „Ja, das habe ich mir schon gedacht.“-Gedanken.
Aber insgesamt nett geschrieben, wirklich.
Leider hat das deutsche Lektorat ziemlich geschlampt. Und das habe selbst ich, die kein Gespür für Grammatik und schon gar nicht für Zeichensetzung hat, gemerkt. Die Sätze wirken zum Teil sehr abgehakt und der Lesefluss wird immer wieder unterbrochen, weil man sich wundert, warum da zwei halbe, anstatt ein ganzer Satz stehen.

Zu empfehlen ist das Buch deswegen nur denjenigen, die wie ich über Fehler einfach drüber lesen können ohne sich darüber allzu sehr zu ärgern.
Auf eines freue ich mich aber wirklich: Auf die Verfilmung! Denn von der Story, den Ideen die dahinter stecken und den beschriebenen Szenen her liefert dieses Buch eine super Vorlage für einen wirklich guten Film.
Nur als Buch in der vorliegenden Fassung würde ich persönlich es mir nicht kaufen. Es war aber nicht so schlimm, dass ich es bereue mich bei Blogg dein Buch dafür beworben zu haben. Danke an dieser Stelle für das Rezensionsexemplar.

Wie ihr merkt, mein Satz vom Anfang war keine Masche. Ich bin mir wirklich nicht sicher, was genau ich davon halte. Eigentlich ein positiver Gesamteindruck, aber zu viele Mängel (Lektorat, das Ende …), als dass ich es ruhigen Gewissens jedem empfehlen könnte.

Nachtrag vom 19.11.2013
Ich bekam heute Nachmittag eine Mail vom MIRA-Verlag, in der sich für die Rezension bedankt und nach konkreten Textstellen für die abgehakten Sätze gefragt wurde. Damit Verbesserungsvorschläge an das Lektorat weitergegeben werden können.
Ich finde, eine solche Initiative eines Verlages verdient eine Erwähnung. Denn ehrlich gesagt bin ich davon ausgegangen, dass sich beim Verlag nach der Verteilung der Rezensionsexemplare niemand mehr dafür interessiert. Nach dem Motto: „Jede Werbung ist gute Werbung.“ Das sie aber wirklich an der Meinung der Leser interessiert sind, überrascht mich jetzt sehr positiv.
Und nach dem erneuten Lesen meiner eigenen Rezension plagt mich jetzt ein schlechtes Gewissen, dass ich die abgehakten Sätze ganz selbstverständlich dem deutschen Lektorat zugesprochen habe und gar nicht daran gedacht habe, dass die Autorin auch so geschrieben haben könnte und es nur korrekt übersetzt ist. Falls dies der Fall sein sollte (was ich nicht prüfen werde, weil ich das Original nicht lesen werde), entschuldige ich mich hiermit für die falsche Behauptung, dass das Lektorat geschlampt hat.
Wieder etwas gelernt für meine nächsten Rezensionen 😉
Meine ursprüngliche Meinung zum Buch und dem Inhalt ändert sich aber nicht.

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