Leben

Was ich studiere und warum eigentlich?

studiere Integrierte Sozialwissenschaften

Letzte Überarbeitung am 17. August 2016

Schon Ende April bin ich auf diese tolle Blogparade aufmerksam geworden. Aber der Zeitpunkt den Beitrag zu schreiben passt irgendwie immer nicht. Aber jetzt, als geplanter Post wenn ich nicht anwesend sein kann ist der super.

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Ein typisches erstes Gespräch mit jemanden läuft bei mir seit Oktober 2010 (meinem Studienbeginn), oft wie folgt ab:

xy: Und was machst du so?
Ich: Ich studiere. Und du?
xy: BlaBla…. und was studierst du?
Ich: Integrierte Sozialwissenschaften.
Ab hier sind drei verschiedene Reaktionen möglich.
xy1: Was ist denn das?
xy2: Und wann wusstest du, dass du mal mit Kindern arbeiten willst?
xy3: Achso, ja. Ich kenne noch jemanden der das studiert.

Reaktion 1 ist in meinen Augen verständlich. Reaktion 2 ist einfach nur völlig falsch, kommt aber so oder in Abwandlungen häufig vor und Reaktion 3 ist eher selten, da es den Studiengang erst seit 2008 gibt und es nur ca. 40-80 Erstsemester im Jahr gibt.
Menschen mit Reaktion 2 haben irgendwann mal von dem Studiengang „Soziale Arbeit“ gehört und denken Sozialwissenschaften seien genau das. Außerdem gehen sie fest davon aus, dass man damit Kindergärtnerin wird. Anders gesagt: Sie haben keine Ahnung, aber auch keine Lust die Wahrheit zu erfahren.

Aber was ist denn nun „Integrierte Sozialwissenschaften“?

Im ersten Jahr hatte ich Kurse und Vorlesungen in Politik, Soziologie und Volkswirtschaftslehre. Außerdem Englisch Kurse (Fachspezifisch) und so Sachen wie „Kreatives Schreiben“ oder „Kommunikative Kompetenz“.
Im zweiten Jahr weiterhin Politik und Soziologie. VWL hätte ich auch weitermachen können, habe mich aber stattdessen dagegen entschieden und habe stattdessen um Vorlesungen in BWL und Psychologie erweitert. Pflichtprogramm war im zweiten Jahr die Quantitative Sozialforschung. Heißt nichts anderes als mit Hilfe eines Computers Datensätze auswerten. Die einen hassen es, den anderen macht es Spaß. Wie man selbst qualitativ (also zum Beispiel durch Interviews) Daten erhebt hatte ich schon im ersten Jahr in Soziologie gelernt.
Im dritten Jahr konnte ich mir dann mehr oder minder frei auswählen was ich machen will. Ich habe Soziologie vertieft und weitere Vorlesungen in Psychologie und BWL belegt. Außerdem das Modul „Politische Kommunikation“.
Ein Pflichtpraktikum gibt es auch, das habe ich auf 6 Monate erweitert und ein Semester lang in der Personalabteilung eines großen Unternehmens hier in der Gegend gearbeitet. Und zwar gegen Bezahlung. Von wegen Sozialwissenschaftler verdienen nie Geld. Man muss sich nur den richtigen Bereich suchen 😉
 
Ihr seht also schon auf den ersten Blick. Ein sehr vielfältiger Studiengang. Man muss sich seinen Studienverlauf selbst zusammenpuzzlen. Statt BWL und Psychologie hätte ich zum Beispiel auch Vorlesungen in Recht oder Medienwissenschaften belegen können. Aber diese Vielfältigkeit ist es, die mich an diesem Studiengang so gereizt hat.
Nach dem Abitur wusste ich nämlich ehrlich gesagt so gar nicht, was ich eigentlich machen will. Ich hatte so eine wage Idee, dass Markt- und Meinungsforschung ja ganz spannend sein könnte. Aber die Idee war doch sehr wage und ich wollte mich da nicht drauf festlegen.
Deswegen war dieser Studiengang für mich perfekt! Denn wenn ich meine Kurse und Vorlesungen anders gewählt hätte, hätte ich mich damit super für Stellen in der Markt- und Meinungsforschung qualifizieren können. Allerdings bemerkte ich während des Studiums, dass das Themengebiet zwar ganz nett ist, mich der Aspekt der Personalarbeit aber viel mehr reizt.
Deswegen hießen meine Vorlesungen zum Beispiel auch: Personalpsychologie, Personalführung, Arbeitspsychologie, Dienstleistungsmanagement, Organisation …
Politik hat für mich persönlich einen geringen Stellenwert im Studium eingenommen. Ich hatte von der ersten Vorlesung an eher den Hang zur Soziologie. Wobei meine allererste Politikvorlesung von unserem Prof mit den Worten: „Ich könnte euch beibringen die Welt zu regieren. Aber ich tue es nicht, denn die Weltherrschaft gehört mir!“ eingeleitet wurde. Und ich weiß nicht, ob es an der Eröffnung lag, aber die meisten aus meinem Studiengang haben ihren Schwerpunkt später bei Politik und nicht Soziologie gesetzt. Und wisst ihr was? Ich glaube ihm, dass er das könnte.
Mit einer anderen Spezialisierung im Studium, wäre ich der Antwort wie man die Welt beherrscht jetzt vielleicht näher. Stattdessen kann ich jetzt analysieren warum Menschen so handeln wie sie handeln. Oder halt auch nicht. Ich kann empirisch untersuchen ob die Individualisierung der Gesellschaft Auswirkungen auf die Einstellung gegenüber berufstätigen Frauen in Deutschland hat. Übrigens das Thema für meine Bachelorarbeit 😉
Was ich und meine Kommilitonen am Anfang verstörend und dann nur noch witzig fanden ist die Herablassung mit der man von anderen Studierenden oft behandelt wird. Nicht immer. Aber es kommt immer öfter vor. Wir wildern halt viel im sonstigem Studienangebot unserer Uni und müssen uns jedes Jahr aus neue mit Vorurteilen auseinandersetzen. Da bekommt man vom BWL-Prof schon mal einen mitleidigen Blick. In der VWL-Vorlesung werden besonders den SozialwissenschaftlerInnen die Übungen ans Herz gelegt. Die anderen müssten die Klausur auch ohne schaffen… Und in Psychologie erhebt sich ein Gekicher, wenn man in der ersten Vorlesung aufgefordert wird zu sagen, von welchem Studiengang man kommt.
Aber das tolle ist ja. In jeder Vorlesung kommt irgendwann der Punkt an dem man sich denkt: „Warum machen die da so einen Terz drum? Das haben wir doch schon im ersten Jahr gelernt…. Achso, das behandeln die erst tiefer in der Mastervorlesung weil das jetzt zu schwierig ist?“ 
Und das ist das integrierte an „Integrierte Sozialwissenschaften“. Es werden tolle Grundlagen gelegt, mit denen man auch in Nachbardisziplinen punkten kann und oft sogar mehr weiß als diejenigen, die es im Hauptfach studieren. Sicherlich nicht wenn es um reins fachliche geht. Da kann ich mich mit meinen paar Vorlesungen nicht mit „echten“ Psychologen oder BWLern messen. Aber was das methodische angeht habe ich mehr früher gelernt. Die mitleidigenden Blicke sind also absolut nicht angebracht.

4 Kommentare

  • Das klingt in der Tat nach einem interessanten Studiengang! Ich find’s cool, wenn wieder vermehrt auch interdisziplinär gedacht wird. Was hast du während des Praktikums in der Personalabteilung denn so gemacht? Für mich ist es nach wie vor ein Rätsel, was da hinter den Kulissen so alles passiert.

    • In war in der Abteilung, die für die Weiterbildung und allgemein für die Führungskräfte zuständig war. Da wurden dann Seminare organisiert und Vorstellungsgespräche geführt zum Beispiel. Aber halt auch viel rein organisatorisches. Welche Stellen können/sollen geschaffen werden. Wie müssen die Qualifikationen aussehen. Extern ausschreiben oder nur intern. Die meiste Arbeit ist schon getan, wenn dann mal eine Anzeige geschaltet wird für eine neue Stelle 😀

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