Leben

Der Grillabend – Vorstellung und Realität

Grillabend

Letzte Überarbeitung am 10. November 2016

Die Kluft zwischen Vorstellung und Realität

Ihr kennt das doch sicherlich alle, sobald die Sonne scheint werden die ersten ungeduldig und die Grills angeschmissen. Vielleicht gehört ihr ja selbst zu den Menschen, die im November abgrillen und im Februar schon wieder angrillen?
Ich gehöre ganz sicher nicht zu den Menschen, die sich im Sommer nichts besseres als grillen vorstellen können. Aber trotzdem habe auch ich nichts gegen einen netten Grillabend unter Freunden. Sowas kann wirklich viel Spaß bringen und lecker sein. In meiner Vorstellung und in Einzelfällen.

Meine Vorstellung von einem idealen Grillabend

So ein paar Grundvoraussetzungen brauche ich, damit ich hinterher mit vollster Überzeugung sagen kann: „Das war toll! Lass uns das bald wieder machen!“
Mein idealer Grillabend gestaltet sich dann also so:
Fürs Wochenende ist gutes Wetter angesagt und man beschließt spätestens am Freitag gemeinsam mit ein paar Freunden, dass man am Samstag grillen will. Wo? Am Besten bei irgendjemanden zu Hause, der einen Garten hat. Und warum schon am Freitag? Damit man genug Zeit hat das Nötigste einzukaufen und vorzubereiten. Es gibt so leckere Salate und Brotvariationen, aber die brauchen oft ein bisschen Vorbereitungszeit und lassen sich nicht mal so eben schnell in 10 Minuten zubereiten. Am Samstag strahlt dann die Sonne vom Himmel und man trifft sich schon recht früh (so 15-17 Uhr) und beginnt langsam mit dem Grillen. Bis man dann endlich isst, ist es sowieso schon 17-19 Uhr und alle haben langsam auch Hunger. Tageslicht hat man dann auch noch. Einfach herrlich, wenn man sehen kann, ob das Putenfleisch schon durch ist oder noch nicht. Wenn man doch später anfangen sollte, gibt es wenigstens die kleine Wahrscheinlichkeit, dass der Gastgeber irgendeine Art von Licht im Garten hat. Welch ein Luxus!
Dadurch, dass alle rechtzeitig bescheid wussten stehen die unterschiedlichsten Salate auf den Tisch und es gibt selbst mariniertes Fleisch und nicht nur die Reste aus dem Supermarkt. Lecker!
Oh, und die Getränke sind kalt. Bier aus dem Kühlschrank. Martini aus dem Eisfach. Klingt himmlisch, oder? Achja, es gibt warmes Brot mit Kräuterbutter aus dem Ofen. Keine verkohlten oder eiskalten Stangen aus der Glut vom Grill. Nein, nein. Und erst die Wohltat, wenn man zwischendurch einfach mal so auf Toilette gehen kann.
Da freut sich dann auch jeder, wenn der Grillabend zur Grillnacht wird und um 23 Uhr der Grill nochmal für eine zweite Runde angeschmissen wird, weil alle wieder Hunger haben.
Wie ihr seht, so hoch sind meine Anforderungen gar nicht: Menschen die ich mag, ein bisschen Zeit zum Vorbereiten und nach Möglichkeit die Annehmlichkeiten einer Küche und einer Toilette in der Nähe.

Die Realität der meisten Grillabende

Gut, wie sieht es nun meistens aus:
Variante 1: Freitag und Samstag schlechtes Wetter und es soll auch Sonntag nicht besser werden. Sonntag dann strahlender Sonnenschein und nichts zum Grillen im Haus.
Variante 2: Samstag, 17 Uhr, das Handy klingelt, Freund A ruft an: „Schon was vor heute Abend? Wir treffen uns um 19 Uhr zum Grillen im Park. B und C kommen auch.“ „Okay, bin dabei. Und wie hast du es geschafft, dass B und C beide kommen?“ „Warum?“ Na die sind doch getrennt/B schuldet C noch Geld/C hat mit Bs Schwester geschlafen/B hat bei C in der Wohnung was kaputt gemacht und will das nicht zahlen/….irgendein anderer Grund, warum die beiden sich normalerweise aus dem Weg gehen…“ „Oh, das wusste ich gar nicht. Die wissen nichts das der andere kommt. Ach, wird schon gehen.“ „Na dann bis später.“
Okay, noch 2 Stunden Zeit. Haben wir was zum Grillen im Haus? Ne, natürlich nicht. Also auf dem Weg dahin noch in Supermarkt. Was brauchen wir sonst noch? Brett, Besteck, was zu trinken…
Im Supermarkt dann alles leergekauft. War ja den ganzen Tag schönes Wetter und die meisten sitzen schon vorm Grill. Nur mein Freundeskreis fängt jetzt erst an aufzuwachen… ^^ …also gekauft, was halt da ist. Das heißt: Fleisch, Fleisch und noch mehr Fleisch und Kräuterbaguette. Bier und Wein mit Drehverschluss statt Korken.
19 Uhr im Park: „Wo sind denn die Anderen?“ „D und E kaufen noch schnell nen Grill, der alte ist irgendwie verloren gegangen. Sind aber bestimmt gleich zurück.“ B und C trudeln natürlich ein bevor die anderen zurück sind und es herrscht eisiges Schweigen.
20 Uhr: Der Grill ist da. Langsam dämmert es.
21 Uhr: Endlich kann gegessen werden. Die Sonne ist komplett weg, die Luft wird kalt. Das Bier ist lauwarm und irgendwer hat vergessen den Wein wieder zuzudrehen, weswegen er ausgelaufen ist. Aber egal, wir haben ja Fleisch, Fleisch und noch mehr Fleisch. Und mittlerweile sind wir auch soweit allein im Park, dass man sogar als Frau mal ungesehen hinter einem Busch verschwinden kann.
23 Uhr: Alle packen zusammen und sind kalt. Heute Abend noch feiern gehen? Hmm, erst mal die Sachen nach Hause bringen und dann sehen wir weiter.
24 Uhr: Whats App: A: „Puh, ich glaube ich bleibe heute zuhause.“ B: „Ich habe auch keine Lust nochmal los.“ C meldet sich nicht. D und E waren vorhin schon zu betrunken um jetzt noch irgendwas schreiben zu können, was man mit unter 2 Promille versteht.
Versteht mich nicht falsch, ich habe wunderbare und total lustige Abende so verbracht beim spontanen Grillen. Aber richtig geniale Abende, die ich jederzeit und immer wiederholen möchte hatte ich nur, wenn wir bei irgendjemandem zu Hause waren und es auch was anderes zu Essen gab als Fleisch, Fleisch und noch mehr Fleisch.
Und wie sieht euer Grillabend so aus? Habt ihr auch diese Standardvarianten, die sich immer wiederholen?

17 Kommentare

  • „Standartgrillen“ gibt es bei mir nicht. Wäre ja langsam. Doch ich bestehe darauf, dass alles geplant ist. Variante 2 wäre für mich eine Katastrophe. Mal davon ab das ich sowas wie mit den sozialen Krams mal gar nicht ausstehen kann. Sowas geht bei mir gar nicht.

    Und ich gehöre zu den Leuten, die am 31. Dezember abgrillen und am 1. Januar angrillen.:)

  • Ich bin schon auf spontane Grillabende neidisch. Ich kenn niemanden der grillt.
    Wobei ich glaub ich wäre so genervt von den realen Grillabenden, dass ich eh nie wieder hingehen würde.
    Aber wenn es im Sommer abends dann immer nach gegrilltem Fleisch reicht werd ich schon neidisch.
    Wir machen dafür öfter Raclette. Grillen für Leute ohne Garten 😛

    • Schmecken mit Käse sogar noch besser 😉 Aber was schmeckt mit etwas Käse denn nicht 😉
      Ja das wieder aufhören ist echt ne Qual – aber langsam wirds wieder 😀

    • Raclette ist auch super lecker 🙂 Meistens wird es dann ja doch sehr lustig und ein schöner Abend. Aber ohne nerviges drumherum wäre es halt noch schöner…
      Und du kennst niemanden der grillt? Wirklich niemanden? Das kann ich mir irgendwie gar nicht vorstellen …

    • Stören mich persönlich jetzt nicht so. Mückenstiche merkt man ja erst, wenn man wieder zu Hause ist. Und gestochen wird man im Garten genauso, wie im Park. Das gehört halt zum Sommer dazu. Wobei ohne natürlich schöner wäre 😉

  • Toller Post! Den könnte ich geschrieben haben! Ich hasse es auch, wenn Sonntag schönes Wetter ist und man nichts Grillbares im Haus hat… Habe von „No games. Just sports“ den Tipp bekommen, Grillfleisch einzufrieren, um auch an Sonn- und Feiertagen grillen zu können.(ich geb den Tipp mal weiter an dich! ;-))
    Oh und wie ich das hasse wenn alles soooo lang dauert und man erst essen kann, wenn man schon halb erfroren ist und kein Tageslicht mehr usw. Oder auch wenn jemand nichts dabei hat, man netter Weise was abgibt und dann nicht satt wird HRMPF oder wie es mir letztens passiert ist:
    „Was isst du denn da?“ – „Das ist Rohkost-Vollkornbrot.“ – „Das schaut ja komisch aus. Schmeckt das denn? Wir haben doch auch Baguette da!“
    nervig. Will essen was ich essen will, nicht was die anderen wollen, was ich esse…Ach und dieses unangenehme „Hinter dem Busch verschwinden“. Ätzend! Aber trotz allem machts dann doch meistens irgendwie Spaß 😉

    • Da bin ich merkwürdig. Gegrilltes muss frisch sein. Frag mich nicht warum, ich weiß es nicht. Anderes Fleisch frier ich immer ein, wenn es nicht am gleichen Tag gegessen wird, aber Grillfleisch gibt es nur frisch oder gar nicht… Aber irgendne Macke hat ja jeder, ne? ^^

  • Fleeeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiiiisch :)))
    Na gut, Gemüse darf auch auf den Grill. Und es muss nicht mal Alkohol im Spiel sein. Aber zu hause oder auf einem Stückle grill ich eigentlich immer. So dass es auch immer kalte Getränke gibt und man unter sich ist.

    • Hat ja auch eindeutig viele Vorteile. 🙂 Mal sehen, vielleicht wenn mein Freundeskreis langsam älter wird…dann können die vielleicht mal zu Hause bleiben und es zieht sie nicht immer so in die Öffentlichkeit.

  • haha…ich finde das Thema allein ja schon super…
    Ich bin erstmal kein Grill-Fan… organsiere das nie und so. ABER: ich bin gerne dabei, wenn sich andere kümmern (um grill, welcher park, uhrzeit, etc pp.) darum nörgel ich eigentlich auch nie., mache nen salat, besorge bier und wein. DONE!
    Ich gehöre dann in deiner Aufzählung eher zu den Betrunkenen…
    Nur diese Toiletten-Geschichte… das läuft iwie selten optimal (bei begehrten Grillplätzen sind die Büsche meist empfehlenswerter als die anliegende Kneipe).

    Eigentlich brauche ich aber nur SONNE und coole Leute. Das reicht (fast) immer 😉

    • Ja, mehr als Sonne und Leute die man mag ist auch nicht nötig, damit es trotz sonst suboptimaler Bedingungen ein lustiger Abend wird 🙂

    • Ohne andere Menschen? In meinen Augen grillt man nur, weil man mit anderen zusammen essen will. Wie Raclette. Darauf alleine zu grillen (oder auch nur zu zweit) würde ich nie kommen ^^

  • Also seine Vorstellung von Grillabenden klingt fast so gut, dass ich meine Abneigung gegen das grillen vergessen könnte 😉

    Die Realität klingt aber schon eher nach dem, was ich zu Hause immer geboten bekam: Stiefvater lädt zu seinem Geburtstag zum Grillen ein. Es gibt Bratwurst, Steak und rippchen und helles Toast dazu, sowie Senf und Ketchup. Wenn man ganz viel Glück hat, dann hat er im Laufe des Tages sogar Brötchen besorgt… Aber Beilagen sind sonst Fehlanzeige.
    Also: Er hätte genug Zeit für Vorbereitungen, aber gestaltet das leider immer so lieblos, dass ich als Vegetarier inzwischen gar nicht mehr zu solchen Geburtstagen gehe.

    Liebe Grüße

    • Moin Tabea,
      also wenn du nur solche Erfahrungen gemacht hast, dann kann ich verstehen, wenn du kein Fan vom Grillen bist. Es ist eine super Zubereitungsart (auch für Gemüse), aber man muss es auch wollen und nicht einfach nur „Grillen = Fleisch + Feuer“ denken. 😉

      Vielleicht hast du ja irgendwann mal die Möglichkeit mit den richtigen Leuten ganz tolle Dinge zu grillen und wirst dann auch überzeugt, dass es schön sein kann.

      LG Lexa

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