Gedanke

Fan sein..? oder: Warum mir Menschen egal sind!

fan sein

Irgendwann im Mai begann es, in meiner Filterblase (sowohl on-, als auch offline) wurde auf einmal viel übers „Fan sein“ diskutiert. Die EM stand vor der Tür, es starb mal wieder irgendwer berühmtes und dann auch noch die Vorwürfe gegen Johnny Depp. Auf einmal waren alle am überlegen, ob sie denn überhaupt noch Fan sein konnten. Schließlich kann jeder Mensch potentiell ein Arschloch sein und kein guter Mensch.

Wie würde unsere Welt aussehen, wenn Georg Clooney sich als Idiot entpuppt?

Ich kann dir sagen, wie meine aussehen würde: Genau wie jetzt auch.

Menschen sind mir egal! Ich bin kein Fan.

Mir stellt sich die Relevanz nach Johnnys Schuld in Bezug auf mein Mögen oder Nicht-Mögen seiner Filme nicht. Ich trenne ganz klar zwischen Mensch und Produkt. Deswegen finde ich folgende Twitter-Frage zwar sehr interessant, aber auch ziemlich unwichtig:

Ich würde mir trotzdem noch seine alten Filme ansehen, denn er hat seine Arbeit gemacht und das Ergebnis gefällt mir. Ich würde auch einen Tisch behalten, wenn ich erfahre, dass der Tischler als Serienmörder überführt wurde.

Über Schuld und Unschuld muss das Rechtssystem entscheiden. Nicht ich. Ich kann nur mit den Konsequenzen leben. Es wird einen anderen Schauspieler geben, der die Lücke ausfüllt. So wie es einen anderen Tischler geben wird, der mir einen Tisch baut. Für mich sind „Künstler“ Handwerker. Sie arbeiten, sie produzieren und fertigen Musik, Filme und andere Dinge. Wenn sie schlechte Menschen sind, Unrecht begehen, dann müssen sie dafür gerade stehen und ein anderer nimmt ihren Platz ein. So einfach ist das.

Sie verdienen keine Sonderbehandlung und es interessiert mich nicht, was sie für Menschen sind. Ihre Arbeit ist wichtig. Es ist nicht der Mensch, der mich unterhält, sondern es ist das Produkt seiner Arbeit. Ich bin kein Fan von Diana Gabaldon, ich bin ein Fan der Highland-Saga. Ich bin kein Fan von Till Lindemann, ich bin ein Fan der Musik, die Rammstein produziert. Es interessiert mich nicht, was da für Menschen hinterstehen. Ob sie nett oder hübsch sind. Sie müssen ihre Arbeit gut machen, so wie wir alle. Und wenn sie sich nicht vernünftig verhalten, dann müssen sie die Konsequenzen tragen. So wie wir alle. Nur weil sie in der Öffentlichkeit agieren, kennen wir diese Menschen noch lange nicht. 

Nur weil sie Arbeit verrichten, die viele Menschen erreicht, verdienen sie keine Sonderbehandlung. Das Gesetz sollte für sie genau so gelten wie für jeden anderen. Ihre Arbeit sollte immer losgelöst von der Person betrachtet werden. So sehe ich es. Aber ich weiß, ich stehe ziemlich allein mit meiner Meinung da.

Oder doch nicht? Gibt es Menschen hier, die auch noch nie Fan einer Person waren und zwar akzeptieren, dass andere es sind, aber es nicht so richtig verstehen können?


Nachtrag:

Durch Frau Margarete wurde ich auf zwei Artikel aufmerksam, die sich auch mit dem Thema beschäftigen. Nur anders:

  1. Schließen wir unsere Augen oder: Sympathie ist eine Bitch
  2. Die Freitagsfrage #15: Könnt ihr die Kunst vom Künstler trennen?

4 Kommentare

  • Hallo! 🙂
    Erstmal muss ich wohl gestehen, dass ich gar nicht mitbekommen habe, was Jonny Depp gemacht haben soll xD
    Dennoch finde ich deine Aussagen schon richtig: man ist Fan von dem Endprodukt, nicht vom Produzenten. Außerderm sollten sie vom Gesetz nicht anders behandelt werden, als andere.
    Muss jetzt aber doch mal gucken, was ihm denn da vorgeworfen wird 😉

    Liebe Grüße

  • Oh, da ist ja ein Zitat von mir 😉

    Also. Ich bin gerne Fan, dazu stehe ich auch, egal ob Fan einer Serie, einer Band oder eines Schauspielers. Aber deine Aussage „Nur weil sie Arbeit verrichten, die viele Menschen erreicht, verdienen sie keine Sonderbehandlung. Das Gesetz sollte für sie genau so gelten wie für jeden anderen.“ unterstütze ich trotzdem voll und ganz. Das wollte ich mit meinem Tweet auch ausdrücken. Denn bei dieser Johnny Depp Sache wurde bei vielen aus der Fanliebe heraus vermutet, dass er das gar nicht getan haben kann, dass er unschuldig sein muss. Und das finde ich auch nicht richtig.
    Ja, die Filme, die Johnny Depp gemacht hat, ändern sich nicht und die kann man auch weiterhin gut finden. ICH würde ihn trotzdem in einem anderen Licht sehen, wenn seine Schuld bewiesen wäre.
    In der heutigen Zeit ist es auch einfach so, dass sich Schauspieler nicht nur über ihre Filme definieren, sondern auch durch ihr Auftreten in den Medien, durch ihr Image. Man kann es so halten wie du und sagen: Das drumherum ist mir egal. Ist ja auch nicht verkehrt. Aber Prominente haben eben auch eine gewisse Vorbildfunktion, junge Menschen orientieren sich an Stars und da wünsche ich mir dann schon einen kritischen Umgang mit Straftaten bei Promis auch in den Medien. Abgesehen davon steuern wir als Konsumenten die Arbeit dieser Menschen (http://norobotsmagazine.de/schliessen-wir-unsere-augen-oder-sympathie-ist-eine-bitch/) – wenn wir also wissen, dass jemand etwas falsches getan hat, dafür aber nie (richtig) bestraft wurde, ist es dann richtig, denjenigen weiterhin durch den Kauf seiner Ware zu unterstützen?
    Wenn dein Tischler also als Mörder überführt wird, dann musst du den Tisch natürlich nicht wegschmeißen. Aber würdest du weiterhin Tische von ihm kaufen, wenn du wüsstest, dass er zB rechtsradikale Theorien im Internet verbreitet, dafür aber nicht bestraft wird?

    Also, wie gesagt: ich bin gerne Fan. Es macht Spaß. Aber ich bin nicht blind. Wenn jemand eine Straftat begeht oder sich (meiner Meinung nach) falsch verhält, dann muss er dafür auch grade stehen, egal was sein Job ist. Da bin ich bei dir. Für mich schließt das eben das Fan-Sein nicht aus.

    • Hallo,
      ich wollte dir auch keine blinde Fanliebe unterstellen. Dein Tweet konnte ihr nur eingebunden werden, die offline Unterhaltungen nicht 😉 Ich glaube zwar nicht, dass du glaubst, dass ich dir Blindheit attestieren wollte, aber ich will es trotzdem nochmal betonen.

      Hm, mit der Vorbildfunktion sprichst du etwas an, an das ich wirklich gar nicht gedacht habe. Für mich war das nämlich nie relevant. Ich konnte und wollte mir noch nie merken welcher Star was gemacht hatte, aussah oder auch nur den Namen. Deswegen hatte ich das nicht aufm Schirm. Aber du hast natürlich recht: Mit der Öffentlichkeit sollte auch ein Bewusstsein für die Vorbildfunktion einhergehen. Was ja aber oft nicht der Fall ist.

      Und auch der zweite Aspekt deines Kommentars ist interessant. Wenn das Rechtssystem nicht greift, aber die Schuld trotzdem bewiesen ist. In dem Fall würde auch ich denjenigen nicht durch den Kauf der Ware unterstützen.
      Wobei das bei Musikern zum Beispiel schon wieder echt schwierig wäre: Die bekommen schließlich zum Beispiel für jedes mal im Radio Geld. Egal, ob im Gefängnis oder schuldig nicht im Gefängnis. Da bringt es dann auch nichts, wenn die Sender nur alte Lieder spielen (vor der Tat/Verurteilung), da die Einnahmen für den Künstler trotzdem aktuell sind…
      Hm, das Thema ist viel vielschichtiger, als ich bisher dachte.

      Also vielleicht wäre der völlige Boykott aller Waren von Straftätern doch besser. Aber das ist schon fast wieder eine logistische Meisterleistung. Gerade für Menschen wie mich, die mit Schauspielernamen nichts anfangen können.
      Und wie sieht es aus, wenn die Strafe abgesessen wurde? Dürfte man dann die Filme wieder sehen? Hmm, ich muss noch ein bisschen nachdenken. Danke, für die ganzen Anregungen.

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